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Nach Sherlock Holmes macht sich nun auch Agatha Christies Detektiv Hercule Poirot auf die Verbrecherjagd. Im gleichnamigen Spiel zum Buch übernimmt der Spieler eine Angestelte der Bahn, Antoinette Marceau, die dem berühmten Ermittler im Verlauf des Spiels behilflich sein wird.
Nach einem kurzen Prolog in New York, in dem ein Haus von Polizisten umstellt ist, beginnt das eigentliche Spiel in Istanbul. Als Mitarbeiterin der Bahn bekommt man den Auftrag, Hercule Poirot an Bord des Orient - Expresses zu bringen und so sucht man diesen erstmal. Bei der Verfolgung wird man immer wieder von sich streitenden Personen aufgehalten, denen man kurz helfen soll. Warum man nun wildfremden Personen zum Beispiel zwei verschiedene Fliesen besorgen muss und deren Streit schlichten verstehe ich nicht wirklich, aber glücklicherweise spielt sich dieser Auftakt dann doch recht zügig und nebenbei lernt man bereits hier einige Charaktere der späteren Fahrt kennen.
Schließlich werden die Abteile umbelegt, Poirot kann mit an Bord des Zuges und die Reise startet. Im ersten Teil des Spiels wird viel zeit darauf verwendet, die Charaktere kennen zu lernen. Einerseits finde ich so viele Dialoge immer etwas mühsam, aber hier passt es. Die Gespräche sind interessant, die Sprecher der Personen stimmig und mit Hercule Poirot redet man dann noch über einige Personen und welche Schlussfolgerungen man aus Handlungsweisen oder Akzenten schließen kann. Figuren erwachen zum Leben, jeder hat seine eigene Geschichte.
Auf der Fahrt vom jugoslawischen Belgrad nach Brod geschieht es dann: Eine Lawine überrollt die Gleise, nach einer Notbremsung kommt der Zug gerade so zum stehen bevor es zu einer Katastrophe kommt. Die Nacht bricht herein. Stille. Schritte auf dem Gang. Jemand läutet. Eine Frau im roten Kimono. Wieder Stille. Ein Schrei. Ein Mord!
Als Hobbykriminologin ist man natürlich gern zur Stelle und ermittelt, zumal sich der große Hercule Poirot den Fuß verstaucht hat. Und so beginnt man Indizien zu sammeln, die Fahrgäste zu verhören. Man besorgt sich die Pässe und Fingerabdrücke von allen Fahrgästen, sichert spuren und repariert nebenbei noch die Heizung des Orient – Expresses, während man auf die Schneeräumlok wartet, die die Gleise wieder befahrbar machen soll.
Jeder hat seine eigene Geschichte. Aber auch jeder hat etwas zu verbergen.
Der Tote wurde mit 12 Stichen ermordet, schließlich stellt sich heraus, dass er unter falschem Namen unterwegs war und seinerseits ein schwerwiegendes Verbrechen begangen hat. Und jeder der Fahrgäste hätte ein Motiv...
Die wenigen Logikrätsel wie das Schiebepuzzle um eine Kiste zu öffnen oder ein Bild aus Fetzen zusammen zu setzen, sind für mich ohne Hilfe zu schaffen und richtig lange habe ich da auch an keinem gesessen. Überhaupt sind die Rätsel in dem Spiel gut nachvollziehbar und nicht zu schwer. Somit eignet sich Mord im Orient – Express auch für nicht so erfahrene Adventurespieler. Leider gibt es aber wieder das Problem wie bei den meisten spielen dieser Art: Warum kann man ein Vorhängeschloss nur mit einer bestimmten Eisenstange öffnen oder warum braucht man unbedingt den Hammer um etwas zu zerschlagen und kann nicht einfach den Totschläger verwenden?
Musik, Soundeffekte und Synchronsprecher können überzeugen und tragen ebenso wie die liebevolle Grafik zur Atmosphäre des Spiels bei. Mord im Orient-Express kann überzeugen, die Geschichte wird glaubhaft inszeniert und spielt sich bis zu der spannenden Auflösung sehr flüssig. 2-3 Nachmittage habe ich daran geknobelt, das ist zwar einerseits nicht so viel, dafür gibt es aber auch kaum Längen. Die Steuerung, gerade das betrachten oder kombinieren von Gegenständen finde ich etwas umständlich, dafür kann man aber direkt zu bestimmten Waggons springen, was einem viel Laufarbeit erspart.
Mord im Orient-Express ist ein dialoglastiges, einsteigerfreundliches Adventure, das die Geschichte von Agatha Christie sehr stimmungsvoll inszeniert. Wer also mit dem Detektiv spielen nichts anfangen kann, sollte die Finger davon lassen. Geduld ist teilweise schon gefragt, wenn man zum Beispiel den Tatort untersucht und einen Poirot wieder und wieder losschickt, um weitere Indizien zu sammeln oder man versucht, alle Fingerabdrücke und Pässe zusammenzutragen. Mir hat es auf jeden Fall besser gefallen, als das nervige Sherlock Holmes und das Geheimnis des silbernen Ohrrings, bei dem man am besten mit der Lupe vor dem Monitor sitzt... Kurze Durchhänger beim Indiziensammeln macht das spannende, furiose Finale wieder wett, in dem der Meisterdetektiv drei mögliche Wahrheiten vorstellt. Und in dem die Geschichte eine dramatische Wendung nimmt.
Somit ist Mord im Orient - Express ein sehr unterhaltsames Adventure für Zwischendurch, allerdings auch kein Must-have-Titel des Genres. Für Krimi – und Knobelfreunde.
Publisher: DreamCatcher Developer: The Adventure Company Erscheinungsjahr: 2006 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: einfach - mittel
 
| Grafik | 8/10 | | Spielspass | | Sound | 8,5/10 | 7,5/10 | | Gameplay | 7/10 |
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