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Ni-Bi-Ru PDF Drucken
Geschrieben von Minsc   
26.04.2008

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NiBiRu war 2005 das neue Adventure der Black Mirror Macher Future Games / Unknown Identity. Dieses Mal geht es um den Architekturstudenten Martin Holan, der im Auftrag seines Onkels ein mysteriöses Geheimnis lösen soll. Zunächst fährt Martin nach Prag und versucht  auf der Karlsbrücke seine Kontaktperson, eine gewisse Barbora, zu treffen. Leider verspätet er sich etwas – und Barbora ist bereits verschwunden, hat ihm jedoch eine versteckte Nachricht hinterlassen. Nach einigen Gesprächen macht sich Holan auf, um sie in ihrer Wohnung aufzusuchen, aber sie öffnet ihm nicht. Nachdem Martin die halbe Nachbarschaft wachgeklingelt hat (und man kann es da wirklich bei einigen probieren, das ist schon sehr lustig wie diese reagieren), verschafft er sich Zutritt und im nächsten Moment befindet er sich inmitten eines gefährlichen Abenteuers.

Was genau fanden die Nazis 1945 in West-Böhmen, gab es wirklich Hinweise auf den unbekannten zwölften Planeten der sumerischen Mythologie, NiBiRu? In einem wiederentdeckten, stillgelegten Tunnelkomplex kommt Holan einem geradezu größenwahnsinnigen Plan der Nazis auf die Spur – und den Aufzeichnungen eines Professors von 1943, der diese in die Tat umsetzen wollte. Holan entkommt in letzter Sekunde einem sehr undurchsichtigen Zeitgenossen und kehrt zunächst nach Paris zurück, bis er schließlich in riesigen Tempelanlagen Mexicos versucht, hinter das Geheimnis von NiBiRu zu kommen...

Das Ganze könnte eigentlich fast einem Indiana Jones Film entstammen: Es gibt Nazis, größenwahnsinnige Pläne, die, wenn sie gelängen praktisch die Weltherrschaft bedeuten, Reisen um die halbe Welt, exotische Schauplätze und spannende Situationen, aus denen man oft nur sehr knapp entkommt. Martin Holan ist allerdings von Indy so weit entfernt wie Matt Damon von den schauspielerischen Leistungen eines Harrison Ford. Trotzdem ist das aber nicht so schlimm, auch wenn Peitsche und Hut fehlen, denn Martin Holan ist eben auch anders und kein einfaches Plagiat. So ist er erst Student und kein Professor – und da passt die deutsche Synchronstimme von Matt Damon dann doch recht gut. Leider wirkt das teilweise etwas unmotiviert und farblos, was sehr schade ist, weil man das für alle anderen Charaktere nicht sagen kann. Man hat sich sehr bemüht eine tolle Synchronisation hinzubekommen, es kommt nicht von ungefähr, dass man einige deutsche Stimmen aus King of Queens wieder erkennt. Und dass ausgerechnet der Synchronsprecher von Arthur (Jerry Stiller) hier der Wissenschaftler des Geheimprojektes NiBiRu ist und dessen Aufzeichnungen vorträgt, passt nur zu gut.

Auch die Graphik überzeugt: Wunderschöne Hintergründe, sorgfältige Gestaltung der Charaktere und abwechslungsreiche Orte. Dazu kommen gut gelungene Animationen, Zwischensequenzen und eine stimmige musikalische Untermalung. Das passt alles gut zusammen und gibt ein sehr rundes Bild.

Ein wichtiger Aspekt sind bei Adventures natürlich immer die Rätsel. Grundlegend kranken die meisten Spiele dieser Art daran, dass die Lösungswege streng vorgegeben sind und dass man Gegenstände erst mitnehmen oder ansprechen kann, wenn sie irgendwie erwähnt wurden. Genau das ist auch hier der Fall. Ich will einfach nicht verstehen, warum man zum Wühlen im Sandhaufen unbedingt eine Eisenstange braucht, das aber nicht mit einer Rohrzange erledigen kann. Oder dass man einen Schlüssel bei einem Feuerlöscher erst findet, nachdem man am schwarzen Brett gelesen hat, dass dort einer hängt. Das ist schade – und auch unnötig. Dazu kommt, dass man manche Gegenstände öfter anklicken muss ehe etwas passiert oder Holan erst festgestellt haben  muss, dass es bei einer nicht brennenden Lampe an der Glühbirne liegt, bevor man diese wechseln kann. Abgesehen davon überzeugen die Rätsel aber und sind meistens ziemlich logisch, zum Beispiel wenn man einen alten, nahezu schwerhörigen Mann durch das Werfen von Knallfröschen auf sich aufmerksam machen muss.
Einige Male ist jedoch auch um-die-Ecke-denken gefragt, beispielsweise wenn man  nicht gleich darauf kommt, dass man eine schwere Geheimtür öffnet, indem man eine Ratte mit Dynamit erst rein – und dann hoch jagt...

Leider gibt es aber bei Adventures auch immer öfter irgendwelche Logikrätsel, Bilderschiebereien, kryptische Rechnungen und ähnliches – auch das gibt es bei NiBiRu recht oft. Ich finde das völlig nervig. Wenn ich so was spielen will kaufe ich mir Myst oder einen PM Logiktrainer. Aber nur logische Kombinationsrätsel, von denen ja einige sehr gelungene im Spiel vorkommen, wäre wohl zu einfach gewesen.

NiBiRu ist ein gutes Spiel geworden, die (teilweise längeren) Dialoge machen dank der Synchronsprecher Spaß, die Geschichte ist stimmungsvoll umgesetzt, die Grafik schön und die Rätsel in der Regel logisch und durchdacht. Mein Fall sind einige der Logikknobeleien nicht, aber das muss jeder für sich selbst entscheiden, ob man damit leben möchte oder nicht. Man kann es sicher an einem Wochenende durchspielen, wenn man sich beeilt, trotzdem finde ich die Spielzeit von etwa 12-15 Stunden auf jeden Fall in Ordnung. Besser, als wenn es unnötig in die Länge gezogen wird. Somit ist NiBiRu ein Pflichttitel für alle Adventurefans, jedem, der mal in dieses Genre reinschnuppern möchte, rate ich aber eher zum tollen „Geheimakte Tunguska“. Wie so oft bei Adventures wird man auch NiBiRu nur einmal durchspielen.

Zum Abschluss noch ein kleines Detail am Rande. Innerhalb des Tunnelsystems in West-Böhmen entdeckt man eine große Tür mit einem merkwürdigen Öffnungsmechanismus. Im Original ergibt sich hier bei korrekter Lösung ein Hakenkreuz. Die Geheimnisse um NiBiRu waren sicher gut geschützt hinter so einem genial gesicherten Schloss in Form eines Symbols, das man ja so bei den Nazis nie vermuten würde...
In der deutschen Version verschiebt man den Mechanismus einfach in einer bestimmten Richtung und die schwere Tür öffnet sich. Tja, so ist das manchmal mit der Zensur und den Merkwürdigkeiten bei Computerspielen...

Publisher: dtp
Developer: Future Games/ Unknown Identity
Erscheinungsjahr: 2005
Erschienen für: PC
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: mittel

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Grafik8,5/10  Spielspass
Sound9/10
8/10
Gameplay 7/10

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