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Nox PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
12.04.2008

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Das Jahr 2000 brachte nochmals frischen Wind in das Rollenspielgenre. Ultima 9 erschien, Diablo II erschien und Nox kam in den Handel. Nox? Was ist das denn?
Ich schätze mal, so geht es vielen, denn dieses kleine Spiel von Westwood ist mittlerweile doch ein wenig in Vergessenheit geraten. Es ähnelt etwas Diablo II und ist damit auch ein Action-Rollenspiel. Monster plattschlagen statt sich Gedanken um die Charakterstats machen, Gegenstände und Gold sammeln, statt darüber zu grübeln, was man für ein Charakter sein will.

Jack lebt auf der Erde und will nur Fernsehen, als er sich urplötzlich in einer Fantasywelt befindet, diese heißt Nox und wird bedroht. Warum auch sonst sollte man einen Menschen aus seiner normalen Umgebung saugen und zum Held machen? Dieses Mal ist es eine fiese Totenbeschwörerin mit dem wunderlichen Namen Hecubah, die für Ärger sorgt. Jack soll sie bekämpfen und den Staff of Oblivion finden.
Die Handlung gewinnt natürlich keinen Innovationspreis, ist im Spiel aber mit viel Dramatik umgesetzt und durchaus unterhaltsam.  

Vor dem Spielstart darf man erstmal modifizieren. Drei Charakterklassen stehen zur Auswahl: Der Krieger, der Magier und der Conjurer, ein Mittelding der beiden anderen Klassen. Jack darf man noch umbenennen und ihn einfärben. Von Hautfarbe bis Kleidungsfarbe darf alles verstellt werden und ein rothaariges, grünhäutiges Ungetüm mit blauem Bart ist auch möglich.

Eine Besonderheit, die Nox von anderen Rollenspielen abhebt, ist der Spielbeginn. Bei jeder Charakterklasse startet man nämlich anders. So steht man als Krieger schon gleich vor der großen Stadt Dün Mir (Der Zauberer fängt im Schloss Galava an und der Conjurer nahe dem Dorf Ix) und kann sich mit Ausrüstung eindecken, nur um dann in einen Hindernisparcour  gesteckt zu werden. Hier muss man gleich zu Beginn gegen eine Vielzahl an Monstern kämpfen und Fallen ausweichen. Die Steuerung erweist sich als gar nicht mal so einfach. Mit der Maus wird hauptsächlich gesteuert, drückt man die rechte Taste, rennt unter Held los. Gekämpft wird mit Links. Die Leertaste dient zum springen und die normalen Tasten zum Aufruf von Inventar oder Magieshortcuts. Hier darf man frei einige Sprüche auswählen und auf die Tasten ab A legen, zusätzlich werden diese ständig am unteren Bildrand angezeigt.
Was mir bei der Steuerung nicht ganz so gut gefällt, ist das die Spielfigur immer ein wenig nachrutscht. Man rennt und die Figur bleibt nicht sofort stehen, das gleiche auch bei den Sprüngen, wo es mitunter schon nervige Folgen hat. In einem Levelabschnitt muss man einen großen Stein durch einen Gang rollen, wobei dieser zahlreiche Löcher im Boden hat, die man überspringen muss, es passiert aber oft, dass man über eine Grube hüft und dann in die nächste reinrutscht. Zwar stirbt man da nicht, aber man landet meist bei Gegnern. Das gleiche bei Fallen die durch Felder im Boden ausgelöst werden. Auch nach längerer Spielzeit, habe ich das nicht so ganz in den Griff bekommen. Der  Schwierigkeitsgrad ist auch nicht ganz ohne. Teilweise hat man es mit 15-20 kleineren Gegnern gleichzeitig zu tun, aber vor allem die größeren Gegner wie Orks oder Bären halten sehr viel aus.

Zwar kann der Kämpfer nicht zaubern, hat aber dafür andere Fähigkeiten. Ein Kriegsschrei der Gegner lähmt oder eine Rammattacke werden geboten. Sehr nett ist auch der Speer am Seil, das erinnert an Scorpion von Mortal Kombat. Man feuert das Ding ab und holt sich einen nervenden Gegner heran um ihn zu verprügeln.
Bei den meisten Gegnern wird man das brauchen. Angriffslustig sind eigentlich nur die Tiere wie Wölfe, Bären oder Fledermäuse. Magier, Ritter und andere menschliche Feinde sind wesentlich intelligenter, rennen davon und versuchen den Spieler hinterrücks zu attackieren.
Der Magier kann diese schnellen Gegner einfach mit fiesen Magiesprüchen zu Leibe rücken. Ein schneller Blitz hier, eine Wand da um die Gegner aufzuhalten. Mit ihm wird das Spiel recht einfach.
Der Conjurer kann dafür Fernkampfwaffen verwenden und Monster erschaffen.
Ab der Mitte kommen alle 3 Charaktere dann auf den gleichen Pfad. Aber schon wegen des Anfangs lohnt es sich einfach, alle 3 Klassen zumindest anzuspielen.

Wie bei Action RPGs so üblich, ist das Spiel recht linear, hier sogar noch linearer. Jede Quest ist ein eigenes Kapitel und wird von einem Bild mit gesprochenen Text eingeleitet. Im Spiel gibt es dann und wann kleinere Cutscenes in Spielgrafik. Da wuselt dann in einem Dungeon schon mal ein Beholder vorbei, den man kurze Zeit später bekämpfen muss.

So rennt man rum, bekämpft Gegner und sammelt Gegenstände. Natürlich gibt es irrwitzig viele unterschiedliche Rüstungen, Handschuhe, Helme, Schilde, Waffen und Tränke, die man sammeln, anlegen und verkaufen kann. Überall finden sich Händler, die auch zur Reparatur der Ausrüstung dienen. Im Kampf und durch Angriffe gehen diese eben schon mal kaputt. Natürlich bieten die Händler auch selbst Gegenstände an und da gar nicht mal so schlechte. Allerdings sind die Preise schon recht happig, da man meist nur 20 Goldstücke volle Goldsäcke findet und wenn dann ein Schwert plötzlich 5300 Gold kostet, darf man erstmal sparen.
Zur Unterstützung hat man nur dann und wann ein paar Kämpfer dabei, etwa als man eine Invasion auf die Stadt zurückschlagen muss. Bei Händlern kann man sich noch Wölfe kaufen. Diese Kampfgefährten attackieren das, was sie sehen und regenerieren sich selbständig, halten aber nicht allzu viel aus.

Was der Wolf sieht ist das passende Stichwort für das wohl außergewöhnlichste Feature von Nox. Dargestellt wird die Welt aus einer erhöhten Isometrischen Ansicht und ähnelt damit Diablo. Der große Unterschied ist allerdings, dass man nur das sieht, was der eigene Charakter sieht. Da Menschen nun mal hinten keine Augen haben, ist dort alles schwarz und die Sicht seitlich ist begrenzt. Steht beispielsweise eine Säule im Weg, ist die Sicht auf das, was dahinter liegt auch blockiert. Bei Türen ist es das gleiche, geht man an einem Gebäude vorbei aus dem gerade ein NPC kommt, kann man durch die geöffnete Tür reinschauen, aber man sieht eben nur einen sehr kleinen Bereich.
Das Ganze wird in Echtzeit berechnet und die sichtbaren Bereichen wandern mit dem Held mit. Am Anfang sieht das ganze extrem gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie ist das mal eine interessante Sache. Zur genaueren Orientierung, kann man sich jederzeit noch eine Automap zuschalten.

Sehr abwechslungsreich sind die Örtlichkeiten gestaltet. Große Schlösser, Städte, Grabstätten, Höhlen und Dungeons sowie Tümpel oder ein Orkdorf werden geboten Vor allem Gebäude sind recht hübsch dargestellt und haben viel Inventar. Kisten und Fässer kann man natürlich auf der Jagd nach Gold zerstören. Andere Gegenstände wie Tische und Bänke können frei in der Gegend herum geschoben werden und manchmal wird so was auch für ein kleineres Rätsel verwendet. Wenn es z.B. darum geht das das Herz von Nox zu kommen und man hierfür große Kisten auf Schalter im Boden schieben muss.

Neben dem guten Einzelspielermodus gibt es auch einen Mehrspielermodus, der allerdings recht enttäuscht. Gerade von Diablo weiß man ja, wie spaßig ein Coop Modus in solch einem Spiel sein kann. Nox bietet so etwas nicht, stattdessen nur einige Deathmatchspiele. Lediglich durch einen inoffiziellen Patch kann man einen Coop Modus hinzufügen. Onlinespielen kann man das Spiel leider auch nicht. Westwood wurde von EA aufgekauft und die haben unmittelbar danach jeglichen Support und alle Onlineserver eingestellt. Die müssen Nox schon sehr gehasst haben…

Grafisch sieht das Spiel recht nett aus, man merkt natürlich nicht nur an der maximalen Auflösung von 1024x768, das es schon einige Jahre alt ist. Aber gerade durch die interessante Perspektive wirkt das Spiel doch recht hübsch. Dafür sieht z.B. die Sprunganimation eher schwach aus.
Die Musik verändert sich je nach Örtlichkeit und ist meist im typischen Fantasygewand, nimmt aber manchmal auch geradezu orientalisch anmutende Stimmungen an.
Die Soundeffekte sind recht leist, aber gut und die Sprachausgabe ist sehr gut gelungen. Die meisten Stimmen passen absolut zu den jeweiligen Charakteren.

Es ist schon schade, dass Nox so schnell unterging. Im Mehrspielerbereich hat es gegen Diablo II verloren, dann hat sich EA nicht dafür interessiert, so warten wir auch auf einen zweiten Teil. Im Gegensatz zu Blizzards Action RPG, überzeugt Westwoods Spiel nämlich im Einzelspielermodus absolut und verkommt nicht zu einer Ausrüstungssammeljagd. Für alle Genrefreunde ist dieses Spiel also auch trotz des Alters immer noch mehr als einen Blick wert.

Publisher: Westwood/EA
Developer: Westwood
Erscheinungsjahr: 2000
Erschienen für: PC
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Mittel-Hoch

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Grafik6,5/10  Spielspass
Sound8/10
8,5/10
Gameplay 8,5/10

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