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Eine treffende Beschreibung für dieses Spiel wäre auf jeden Fall „Serious Sam im Horrorgewand“. Seinerzeit trat Serious Sam eine richtige Welle von Ego-Shootern los, die wieder zurück zum Ursprung gingen: Augen zu und durch. Gegen unzählige Gegner wird gekämpft und nerviger Schwachsinn wie Rollenspielelemente oder Rätseleinlagen glücklicherweise weg gelassen. Die Welle brachte in erster Linie richtig schlechte Kopien hervor, man denke an Gore oder Will Rock.
Die Handlung ist auch hier eher Nebensache. Daniel Garner ist schon eine arme Sau. Nicht nur, dass er in einem Autounfall zusammen mit seiner Frau stirbt, nein, er muss auch noch feststellen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Das muss er ohne seine Frau bestreiten, die schafft es nämlich in den Himmel, während er in der Zwischenwelt des Todes festsitzt. Aber er hat Glück, denn er kriegt das einmalige und merkwürdige Angebot, auf die Hölle Jagd zu machen und wenn er es schafft alle vier Generäle von Luzifer zu beseitigen, darf er auch in den Himmel.
Passenderweise startet man den ersten Level direkt auf einem Friedhof, als wäre man grad in bester Crow Manier aus diesem herausgeklettert. Viel Zeit zum überlegen und umschauen hat man nicht, denn sofort rumpeln die ersten Gegner an. Nun, sie scheppern eher, sind es ja untote Ritter mit mächtig großen Schwertern. Also flugs die Waffe rausholen und sie zu blutigen Klumpen verarbeiten. Das Waffenarsenal war im Ursprungsspiel eher enttäuschend. Fünf Stück gab es und das ist eindeutig zu wenig. Dank einem später erschienenen Patch, bekommt man aber auch für das Hauptspiel alle Waffen des Addons dazu und hat so 10 Stück. 10 Waffen, die extrem ausgefallen sind und jeweils 2 Funktionen haben. Im Prinzip also 20 Waffen, die man auf die Gegner ansetzen darf. Darunter beispielsweise der Painkiller, der im ersten Modus einem handlichen Mixer gleicht. Man kann damit problemlos Gegner zerschnetzeln. Im zweiten Modus wird die Waffe abgefeuert und einem langen Energiestrahl gehalten. Man kann so Gegner an sich ranziehen. Die weiteren Waffen können auch überzeugen. Es gibt das übliche, wie Maschinengewehr und Flammenwerfer, aber eben auch richtig abgefahrene Waffen, wie eine, die Shurikens abfeuert und die Pflockwaffe. Die funktioniert nicht nur bei Vampiren sondern bei allen Gegnern und die schwächeren kann man damit wunderbar an Wände nageln.
Gefallene Gegner sollte man nicht achtlos ignorieren, sondern bei ihnen kurz warten. Sie hinterlassen nämlich ihre Seelen und diese sollte man einsammeln. Nach jeder 66. Seele verwandelt man sich in eine Art Dämon. Das Hud verschwindet, das Bild wird Schwarz Weiß und völlig verzerrt dargestellt. Gegner erstrahlen in Rot und man kann sie auf Tastendruck sofort töten. Egal wie stark sie sind. Das Ganze hält natürlich nur ein paar Sekunden an. Neben dem einsammeln von Seelen kann man auch Munition und Health Orbs sowie Rüstungen finden. Vasen und andere Gefäße lassen sich zerschießen und hinterlassen Gold. Mit Gold kann man sich Tarotkarten kaufen. Diese sorgen für bestimmte verbesserte Eigenschaften. So startet man beispielsweise nach der Aktivierung mit 150 statt 100 Gesundheitspunkten. Die stärksten Tarotkarten bekommt man allerdings nur, wenn man eine bestimmte Aufgabe pro Level erfolgreich schafft. So gilt es in einem Level mal keine Seelen einzusammeln, im nächsten soll man dann nur den Painkiller als Waffe einsetzen oder man muss 500 Goldstücke einsammeln. Besteht man sie nicht, geht das Spiel zwar weiter, aber es gibt eben nicht die jeweilige Karte. Dies sorgt auch für einen gewissen Wiederspielwert neben den zahlreichen Geheimräumen und der Tatsache, dass eine Statistik am Ende jedes Levels genau aufzeigt, was man alles nicht eingesammelt und beseitigt hat.
Das starke Horrorambiente des Spiels kommt vor allem durch die Level und die Grafik zu Stande. Painkiller ist düster und solang keine Gegner auf dem Bildschirm sind, gibt es atmosphärische Hintergrundgeräusche. Erscheinen die Gegner wird das auch gleich mit lautem Heavy Metal angekündigt, eben so, wie es auch bei Serious Sam war. Das zerstört schon fast etwas die Atmosphäre. Sehr abwechslungsreich sind auch die Levels gehalten. Es geht in Schlösser, auf eine Militärbasis, man schlägt sich durch eine Oper, kämpft am Ende natürlich auch in der Hölle. Vor allem das Opernhaus ist einer der besten Level, die vielen offenen Gelände sorgen hier für den größten Spaß im Kampf gegen die Monsterhorden. Wogegen Gebiete wie das Schloss oder die Irrenanstalt zwar sehr gruselig und düster wirken, der Kampf aber kaum Spaß macht, da man sich in den engen Räumen und Gängen kaum bewegen kann und die Gegner quasi im Ententanz auf den Spieler stürmen. Teilweise sind die Levels auch etwas verwirrend konstruiert, so dass nicht mal mehr der Kompass am oberen Bildschirmrand nutzt. Die Stadt auf dem Wasser ist so ein Beispiel. Allerdings sehen die einzelnen Welten so fantastisch aus, dass man gern etwas länger in ihnen bleibt um sich die tolle Architektur anzusehen. Für mich der beeindruckendste und beste Level überhaupt ist der letzte. Die Hölle, die nicht der klassischen Hölle entspricht aber der Definition Hölle doch sehr gerecht wird und man muss das einfach gesehen haben.
Die Gegner sind meist an die jeweilige Welt angepasst. Auf dem Friedhof sind es Ritter und Hexen, in Babylon dagegen orientalisch aussehende Krieger und in der Hölle warten durchsichtige Gruselgeister auf den Spieler. Ab und zu taucht ein Miniboss auf, den man meist nur mit einer List überwinden kann. In Akt 1 hilft beispielsweise keine Waffengewalt, sondern man muss ein Loch in die Decke schießen, sich dann in das Licht stellen und warten das das Monster ankommt, dann im richtigen Moment zur Seite hüpfen und zusehen wie das Vieh stirbt. Die richtigen Endgegner am Ende jedes Aktes dagegen verlangen schon eher pure Feuerkraft und schon der erste ist absolut beeindruckend und so riesig, dass er sogar dem Endgegner aus Serious Sam 1 Konkurrenz macht.
Allerdings muss auch ganz klar gesagt werden, das Painkiller zwar Spaß macht, aber im Einzelspielermodus dann doch so was wie Monotonie aufkommt. Die Entwickler gaben sich zwar viel Mühe, durch die Aufgaben, die Tarotkarten und die ständig wechselnden Szenerien für Abwechslung zu sorgen, aber trotzdem ist das kein Spiel, das ich nun 5 Stunden am Stück spielen könnte. Dafür wird einfach zu stur auf das immer gleiche „Musik und Gegner kommen auf einmal“ Prinzip gesetzt. Es fehlt einfach der Überraschungsmoment, das eben vielleicht plötzlich ein Gegner auftaucht oder mal nur 2-3 aus einer dunklen Ecke springen. Das hätte auch viel besser zum Horrorambiente gepasst.
Leider haben es die Entwickler versäumt, die eine Sache einzubauen, die dieses Spiel vielleicht auf ewig zum Gottstatus auf jeder LAN verholfen hätte. Genau, es gibt keinen Coop Modus. Wenn man etwas von Serious Sam gelernt haben sollte, dann eben, dass dieses Spiel mit 1-3 Mitspielern am meisten Spaß macht. Zusammen Gegnerhorden platt machen ist eben spaßiger und so wäre das auch bei Painkiller gewesen. Stattdessen gibt es im Mehrspielermodus nur die üblichen Verdächtigen wie Deathmatch und Team Deathmatch. Im Modus Voosh hat man unendliche Munition dafür werden ständig die Waffen durch gewechselt und bei People can Fly kann man lustig mit dem Raketenwerfer rumspringen ohne das man Schaden nimmt. Das Ganze ist aber einfach enttäuschend, zumal auch nur sehr wenige Maps mitgeliefert werden, auf den Singleplayer Karten kann man nämlich nicht spielen.
Grafisch sieht das Spiel sehr gut aus. Die Level sind groß und abwechslungsreich gestaltet. Es gibt viel zu entdecken. Die Monster sehen zwar nicht immer gruselig aus, aber zumindest schön hässlich. Ihre Animationen sind auch gut und dank Ragdoll verhalten sie sich eben so wie die Architektur recht realistisch. Wirklich gut gefallen hat mir vor allem der Flammenwerfer und wie sich die Luft drumherum verhält. Die Musik ist in Ordnung. Atmosphärische Musik und Metal, den ich mir zwar nie so anhören würde, der aber ganz gut die Action untermalt. Die Waffen sind auch schön laut.
Bleibt zu sagen, dass Painkiller ein gutes Spiel ist, das mit etwas mehr Abwechslung beim Auftauchen der Gegner sicher noch spaßiger gewesen wäre. Dank der tollen Level und den witzigen Waffen ist es aber auf jeden Fall mehr als nur einen Blick wert. Es macht Spaß und sieht auch heute noch gut aus.
Publisher: Dreamcatcher Developer: People can Fly Erscheinungsjahr: 2004 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Wählbar
 
| Grafik | 8,5/10 | | Spielspass | | Sound | 8/10 | 7,5/10 | | Gameplay | 8/10 | | Multiplayer | 7/10 |
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