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Seit dem dritten Teil der Swat Reihe genießt diese einen recht guten Ruf unter Freunden taktischer First Person Shooter. Aber womit startete diese Serie eigentlich? Gehen wir ein bisschen zurück in der Geschichte: Nach dem dritten Teil der Police Quest Reihe gab es wohl Zerwürfnisse zwischen dessen Erfinder Jim Walls und Sierra. Walls verließ Sierra und arbeitete fortan an weiteren Polizeiadventures. Sierra indes verpflichtete Daryl F. Gates, um der Serie neues Leben einzuhauchen. Dieser war lange Jahre Polizeichef von LAPD und Erfinder und Gründer von SWAT, sowie Mitgründer von der Anti-Drogen Kampagne DARE, ehe die 1992er Riots in Los Angeles ein jähes Ende seiner Polizeikarriere setzten. Er hat aber genug miterlebt und war so sicher ein guter Kandidat für die Police Quest Reihe. Teil 4 erschien 1994 und wandte sich sehr von seinen Vorgängern ab und ein Jahr später erschien dann Daryl F.Gates Police Quest: SWAT, wie der volle Originaltitel lautet. Das PC-Zeitalter Mitte der 90er war von was regiert? Ganz genau: FMV. Alles musste mit Schauspielern gemacht werden und man versprach sich davon die Zukunft der Videospiele. Wir wissen, wie es endete. Startet man die Kampagne, kommt man gerade als Neuling zu SWAT. Und diese Einführung zeigt schon direkt, wo es lang geht. Als ich gelangweilt das Einführungsblabla von meinem scheinbar vorgesetzten wegklicken wollte, wurde ich plötzlich angeschauzt, was mir einfällt einen Vorgesetzten zu ignorieren und dass er dieses eine Mal noch ohne Strafe durchgehen lassen würde. Worauf hab ich mich hier nur eingelassen? Ich hör schon Status Quos In the Army Now im Hintergrund. So ganz weiß ich auch nicht, was SWAT eigentlich sein will. Spiel? Simulation? Trainingsprogramm für angehende SWAT-Mitglieder? Letzteres scheint es wohl zu sein, denn alle Verhaltensregeln werden sehr ernst genommen, verdammt ernst genommen. Ein falscher Klick, der schnell passiert, da man bei den gefilmten Landschaften mitunter ja nicht mal weiß, wo man nun hinklicken soll, führt sofort zu einer Standpauke. Man packt also am Anfang seine Sachen und geht raus an den Schießstand, hier gilt es strikt den Anweisungen zu folgen und unzählige Male mit verschiedenen Waffen auf Pappschilder zu feuern. Das Ganze wiederholt sich und wenn man sich nicht irgendwann wundert und das Training abbricht, könnte man das ganze wohl bis zum Sanktnimmerleinstag fortführen. Das Spiel und auch die Anleitung geben im Prinzip kaum Hinweise darauf, wann es mit dem Training genug ist. Von der Small Arms Range (Pistole, Shotgun, MP5 M16) geht es dann weiter zum Snipertraining und hier wird es fies. Sniperwaffen in First Person Shootern sind an sich simpel: Zielen, Feuern, Fertig. Aber nicht hier, oh nein, wir sind hier ja bei SWAT und das bedeutet, dass man nicht nur auf den Wind achten muss, sondern auch noch sein Zielfernrohr perfekt einstellen muss und dann gilt es ein ungefähr 4 Pixel großes Feld zu treffen. Das Einstellen des Zielfernrohres mit 2 Reglern ist schon konfus genug, wird aber noch dadurch erschwert, das der eigentlich zur Hilfe abstellte Sniper JD nur völlig stupide und falsche Hinweise gibt, wie man es einstellen soll. Entnervt hab ich die Snipersache abgebrochen, ich will sowieso viel lieber mitten rein in die Action, als irgendwo im Busch zu liegen. Combat Range folgte als nächstes. Hier gilt es dann bewegende Ziele zu treffen. Es hat was von den Schießbuden auf dem Oktoberfest. Zusätzlich gilt es dann noch, sich unzählige Trainingslektionen in Text und Videoform anzusehen und durchzulesen. Dazu gibt es noch Interviews mit echten Swatmitgliedern, die aber mehr sinnlose PR darstellen. Irgendwann, mit ganz viel Glück gibt es dann einen Einsatz und, das finde ich schon genial: Das Spiel kommt auf 4 CD-Roms daher, aber diese sind mit so viel unnötigen Bullshit wie die Interviews oder eine komplette Enzyklopädie über Waffen ihre Funktionen, Windverhalten, Schußverhalten und alles andere mögliche Zeug vollgestopft, das nur noch Platz für 3 Missionen war. DREI! Auch das Argument, dass diese immer neu berechnet und dargestellt werden, zieht nicht. Man darf sich das so vorstellen, wie bei SWAT 3 und 4, dass eben Gegner immer anders positioniert sind oder sich anders verhalten. Im Falle der ersten Mission kommt man zu einem Wohnhaus, wo sich eine alte Oma verschanzt hat. Die ist mental geschädigt und ballert lustig in der Gegend rum – wenn sie nicht gerade ihren Ehemann verprügelt. Hier vor dem Einsatz gilt es erstmal, alle Leute am Tatort zu befragen, wie den Nachbarn oder die Tochter. Dann folgt das Briefing und dann startet der Einsatz. Es gilt, ganz strikt den Befehlen zu folgen. Bewegt man sich zu früh, ist man tot, bewegt man sich zu spät, wird man aus dem Einsatz genommen, man wird sogar bestraft, wenn man seine Waffe einstellt. So dachte ich etwa, dass die MP5 auf Semi-Automatic doch wesentlich besser für diese Situation ist, als das vorgegebene Full-Automatic – und prompt wurde ich aus dem Einsatz genommen. Die Steuerung ist gleichermaßen konfus wie überladen. Alles wird im Prinzip mit der Maus gesteuert, man klickt sich von Bild zu Bild, muss nebenbei noch Waffen und andere Einsatzgegenstände wie den Um-die-Ecke-Guck-Spiegel benutzen, muss Befehle und Radiokommandos an die Teamkollegen abgeben und kennt sich am Ende kaum noch aus. Vor allem das zusammensetzen der Radiokommandos ist schrecklich. Side One, Level One, Suspect, Armed – nur wer kann sich schon merken, was Side One ist oder Side Two oder in welcher Reihenfolge nun Fenster und Türen markiert sind? Konfus. Beim ersten Mal bin ich in bester Rambomanier rein und wurde von der Oma abgeschossen. Beim zweiten Mal hielt ich mich an die Regeln und erschoss die Oma, als sie meinen Teamkollegen abschießen wollte. Obwohl die Mission eigentlich erfolgreich überstanden wurde, gab es einen Rüffel, weil ich ein Leben rettete und eines beendet habe und sowas macht SWAT nicht, keine Opfer nur Gefangene lautet das Motto und so durfte ich die Mission direkt wieder spielen, bis ich sie dann mal perfekt schaffte, was aber auch nur klappte, weil bei dieser Wiederholung die aggressive Guerilla-Oma plötzlich unbewaffnet und ängstlich war und sich sofort um meinen Teamkollegen klammerte. Danach folgt dann eine Mission in einem Lagerhaus und ein Terroristenangriff, die Abläufe sind aber im Prinzip immer die gleichen und man darf auf jeden Fall keinen Fehler machen, sonst wird man erstmal aus den Einsätzen (Sie wiederholen sich ewig) genommen und darf zurück an die nervigen Schießstände. Wirklich schlimm und absolut nervig ist das ständige Gewechsle der CDs. So findet sich etwa das Hauptquartier von SWAT als auch die Schießstände auf CD1. Die Interviews sind über mehrere Discs verteilt, ebenso die Einsätze. Man darf sich das so vorstellen: Man ist am Schießstand (Disc 1), es wird der Alarm für einen Einsatz gegeben und man kommt zum Briefing. Dann folgt der Einsatz (Disc 2), dann kommt das Debrief (Disc 1) und wenn man dann die Mission nochmal spielen will oder muss, ist man gezwungen wieder Disc 2 einzulegen. Danach geht das Spiel zwischen Disc 1 und 3 und später Disc 4 weiter. Verdammt nervig. Grafisch ist das ganze natürlich gut, reale Filme laufen ab, die Schauspieler sind herrlich trashig. Leider läuft eben alles nur bildweise ab, nicht flüssig und bei den Einsätzen hat man gänzlich auf Realismus verzichtet. Schießt man Leute um, läuft eben eine Szene wie sie etwa umfallen. Blut? Fehlanzeige. Das alles hat was von einem schlechten Fernsehfilm mit nicht vorhandenem Budget. Die Musik gibt sich betont dramatisch, passt aber auch eher in die Kategorie billiger Fernsehfilm. Die Soundeffekte sind realistisch, auch wenn etwa auf dem Schießstand immer das gleiche Schußgeräusch von den anderen trainierenden Cops zu hören ist – ganz gleich ob man grad mit der MP5 schießt oder mit der Benellig Shotgun. Police Quest SWAT ist das beste Beispiel für ein Computerspiel, wie es nicht sein soll: Realistisch. Denn damit hat man es hier so sehr übertrieben, das es keinen Spielspaß gibt. Das Spiel ist anstrengend, kompliziert und langweilt dann noch mit den immer gleichen Trainingssequenzen und läppischen drei Einsätzen die auch durch immer neue Situationen nicht spannender werden. Auch die schlechten Darsteller können nicht für Trashspaß sorgen. Publisher: Sierra Developer: Sierra Erscheinungsjahr: 1995 Erschienen für: PC, Mac Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: zu realistisch 
| Grafik | 8,5/10 | | Spielspass | | Sound | 7/10 | 3/10 | | Gameplay | 4/10 |
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