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Paris, 1920. Es beginnt mit einer Fahrt über der Stadt. Bei Nacht, die Lichter. Das Hotel Orphée. In ein Zimmer hinein, Geräusche, Lachen, ein Paar beim Sex, die Tür öffnet sich. Ein riesiger schwarzer Schatten betritt den Raum. Klopfgeräusche. Gus McPherson stolpert, öffnet einer Frau. Visionen. Der schwarze Schatten entpuppt sich als Mann mit einer weißen, schnabelförmigen unheimlichen Maske. Und einem Messer. Das Paar wird bestialisch ermordet – in verfremdeten, grobkörnigeren Einzelbildern. Der Detektiv bittet die Frau herein.
Sie nennt sich Sarah Blake und hat einen Auftrag für den Detektiv und Maler. Die Whytes, Amerikaner, Verwandte von ihr, wurden in dem Hotel Orphée umgebracht – und die Polizei tut nichts dagegen, weil möglicherweise de Allepin, ein einflussreicher Bürger der Stadt hinter all dem steckt. Also beginnt man mit seinen Ermittlungen, man kommt auf die Spur eines merkwürdigen Mannes mit Schnauzer, von dem man ein Phantombild erstellt. Malet, der Etagenkellner, erweist sich ebenfalls als zwielichtiger Zeitgenosse, doch bald wird auch seine Leiche aufgefunden, und irgendwann hat man das Gefühl, niemandem mehr trauen zu können. Eine einzige Verschwörung, bis man auf die Spur einer okkulten Vereinigung kommt, deren Ziel es ist einen merkwürdigen Baphometen zurück zu erlangen.
Kurze Zeit nach dem ersten Teil von Syberia veröffentlichte Microids ein weiteres Adventure, nämlich Post Mortem. Dieses Mal schnüffelt man sich als Privatdetektiv Gus McPherson durch das Paris von 1920 – hauptsächlich durch Dialoge. Man stellt Fragen, besticht Polizisten mit Rotwein und prüft Indizien. Gerade das Dialogsystem war ein Novum, so sieht man nicht sofort alle möglichen Fragen und Sätze, sondern klickt sich von Karteikarte zu Karteikarte, so dass man, wenn man das möchte, eben nur eine einzige Option sieht. Das ist zwar nett, aber meist schaut man ja doch nach den anderen Fragemöglichkeiten. Immerhin gibt es so aber leicht variierende Spielverläufe aus der Art, wofür man sich entscheidet. Das bedeutet nicht, dass es völlig verschiedene Lösungswege gibt, aber die Reihenfolge der Orte und der Gesprächsmöglichkeiten mit anderen Personen unterscheidet sich etwas. Die Dialoge sind ein sehr zentraler Bestandteil des Spiels, manchmal hat man eher das Gefühl einem interaktiven Film zu folgen. Und darum ist es sehr ärgerlich, dass die Synchronisierung noch schwächer ist als bei Syberia, die Stimmen sind teilweise unpassend, einige Sprecher lustlos. Darüber hinaus spricht man selbst manchmal Punkte oder Tatsachen an, die man eigentlich noch gar nicht hatte. Dafür hat man sich bei den Dialogen selbst aber Mühe gegeben, so dass die Befragungen gerade am Anfang schon Spaß machen.
Auch bei den Rätseln geht Post Mortem einen anderen Weg. So muss man in einer Art Fehlersuchbild ein gefälschtes Bild von einem Original unterscheiden, mit Dietrichen eine Tür öffnen oder auf einem Bild mittels Kerze (und nerviger Pixelsucherei) eine geheime Botschaft entdecken. Klassische Adventure – Rätsel sind Mangelware, ohnehin redet man eher mit den Leuten oder sucht Indizien, um den Fall Whyte aufzuklären. Von der Perspektive erinnert das Ganze zunächst eher einem Ego-Shooter, man hat eine Rundumsicht, bewegt sich aber dann doch mit der Maus vorwärts, nur an bestimmten anklickbaren Bereichen. Gerade am Anfang ist das aber etwas unübersichtlich, zumal die Auswahl bzw. das Benutzen gefundener Gegenstände umständlich ist.
Die Grafik hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck, so sind Gaststätten leer, die wenigen Personen, die sich darin befinden, sind nur Standbilder, außer jene, mit denen man sprechen kann. Die Orte sind aber abwechslungsreich und stimmungsvoll gezeichnet – Höhepunkt sind dabei besonders die teilweise morbiden Schauplätze und sehr gelungene Zwischensequenzen. Dazu kommt eine sehr düstere musikalische Untermalung, die das Bild abrundet. So wird eine sehr unheimliche, spannende Atmosphäre geschaffen, die Post Mortem – trotz aller Schwächen – zu einem lohnenswerten Adventure machen. Schade, mit etwas mehr Feintuning, insbesondere bei der Synchronisation, hätte das Spiel ein ganz großer Wurf werden können.
Publisher: Vivendi Universal Games Developer: Microids Erscheinungsjahr: 2002 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Mittel
 
| Grafik | 6/10 | | Spielspass | | Sound | 7/10 | 7/10 | | Gameplay | 5/10 |
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