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Postal 2 PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
11.05.2008

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“You got to be fucking kidding me“ sagt der Postal Dude in einer Mission zu Passanten die seine Petition nicht unterschreiben wollen. Das gleiche sage ich zu Postal 2. Denn was wirkt, wie ein schnell zusammen gebastelter Mod, ist tatsächlich ein kommerziell vertriebenes Spiel.
Zumindest in den Ländern, wo es nicht verboten wurde.
Ja, Postal 2 ist wieder einer jener Skandaltitel. Das war ja schon der Vorgänger, wo man mal Amokläufer spielen durfte und sich ohne Handlung oder Missionsziele durch Menschenmengen ballern durfte.

Der Nachfolger versucht sich nun wenigstens an Missionszielen. Der Postal Dude lebt in einem heruntergekommenen Trailer mit seiner nervigen Frau, von der er jeden Tag neue Aufträge erhält. Hole Milch, gib ein Buch zurück und bring mir ein Autogramm von Gary Coleman. Das Ganze ist recht banal, aber trotzdem ein Novum in einem Genre, wo man sonst meist den 2. Weltkrieg nachspielt oder Aliens jagt.
Meist erhält man 3-4 Aufträge pro Tag. Am ersten Tag, also Montag, muss man zu seinem Arbeitgeber, von dem man gefeuert wird. Netterweise gibt es aber noch einen Gehaltsscheck, den man bei der Bank einlöst. Dann geht man mit dem Geld zum Milch kaufen.
Natürlich läuft das nicht so friedlich ab, dass man da einfach hingeht und alles erledigt. Man arbeitet nämlich bei Running with Scissors, dem Entwickler des Spiels. Vor dem Gebäude protestieren einige Eltern gegen gewaltvolle Spiele. Hat man seinen Scheck geholt, wird eine Szene ausgelöst, wo man sieht, dass die Eltern zu den Waffen greifen und das Gebäude stürmen. Man muss sich nun durchkämpfen. Auch wenn die Entwickler betonen, man könne das Spiel auch komplett friedlich lösen, gelingt das an sich kaum.
Hat man das geschafft, geht es zur Bank. Diese wird natürlich prompt überfallen und wieder darf man zur Waffe greifen. Wenigstens das kaufen der Milch läuft friedlich ab. Vorausgesetzt, man schaut nicht in den ersten Stock des Gebäudes, wo sich arabische Terroristen versteckt halten. Was nun arabische Terroristen in einem indischen Minimarkt zu suchen haben, versteh ich auch nicht…

Schafft man den ersten Tag dann doch noch friedlich, wird man spätestens ab dem zweiten sein blaues Wunder erleben. Denn die protestierenden Eltern gibt es immer noch und sie machen Jagd auf den Postal Dude. Jeden Tag kommt eine weitere Gruppe dazu. Am Dienstag eine Gruppe die gegen Bücher ist („Bücher sind böse, denn Hitler hat eins geschrieben“), dann später die Araber und am Ende der Woche bricht eh die Apokalypse aus.

Schön ist ja zumindest die Idee der totalen Freiheit. Ob man die Missionen abklappert, friedlich durch die Gegend läuft oder jeden Passanten abschlachtet, man kann machen was man will. Auch die einzelnen Aufgaben kann man in beliebiger Reihenfolge erledigen.
Auch sonst hat man einige nette Ideen eingebaut. Beispielsweise kann man Hunde mit Donuts füttern. Dann folgen sie dem Spieler, greifen Feinde an und wenn das Hündchen dem bösen Araberterroristen in den Arsch beißt, sieht das schon witzig aus.
Auch das Waffenarsenal ist schön umfangreich. Man hat Standardwaffen wie eine Schrotflinte, eine M16, die Sniperwaffe sowie Raketenwerfer. Meist haben diese 2 Feuermodi. Ungewöhnliche Waffen sind dann die Schaufel, die Schere oder der Benzinkanister samt Streichhölzer. Reichlich bizarr dagegen der Kuhkopf gefüllt mit Antrax, der dafür sorgt das die NPCs die mit dem Ding in Kontakt kommen, anfangen zu kotzen. Recht bizarr ist auch die Idee, Katzen als Schalldämpfer zu verwenden. Katzen streunen ebenso wie Hunde frei herum. Man schleicht sich an sie ran und packt sie ins Inventar, dann kann man sie auf die M4 stecken. Allerdings hält das nicht lang, irgendwann fliegt die Katze einfach von der Waffe, entwickelt sich dabei aber selbst noch zu einem tödlichen Geschoss.
Als Spielplatz dient eine kleine Stadt mit vielen Gebäuden die man betreten kann. Leider ist die Stadt nicht frei betretbar. Viele Straßen werden erst an bestimmten Tagen geöffnet und die einzelnen Abschnitte sind mit Ladezonen verbunden. Anders als etwa bei GTA, muss man also ständig längere Ladezeiten über sich ergehen lassen. Zwar sind diese durch den 1337 Patch um angeblich 60% gekürzt worden, aber 10-15 Sekunden muss man immer noch warten und das ist einfach zu lang.

Leider macht das ganze Spiel auf Dauer auch keinen Spaß. Anfangs überzeugen noch die Freiheit und die recht krasse Gewalt. In welchem anderen Spiel kann man Menschen anpissen? Mit der Schaufel kann man sie köpfen, dann kann man mit dem Kopf Fußballspielen. Hat man einen trainierten Hund, kickt man den Kopf weg und der Hund holt ihn. Auch sonst ist der „Humor“ des Spiels auf der eher niveaulosen Seite. Zwar gibt es mitunter recht witzige Szenen, wie eben die Demonstranten gegen Gewaltspiele, die dann selbst zu den Waffen greifen oder der Terrorist, der in der Bücherei bei der Abteilung über Bombenbau steht, aber größtenteils ist es eben doch nur Fäkalhumor oder „Humor“ der stark Richtung Rassismus driftet. Man wollte wohl alles und jeden provozieren.

Auch wirkt das Spiel einfach sinnlos. In GTA hat man auch Freiheiten, allerdings eben immer noch eine vernünftige Handlung mit ansprechenden und spannenden Missionen. Die fehlen bei Postal, denn was ist spannend daran, in einen Laden zu gehen, Milch zu kaufen und den Laden zu verlassen? Klar, man kann den Ladenbesitzer töten, aber das hat eben keine spielerische Relevanz. Und nach spätestens 2 Tagen ist man genervt, weil alles immer gleich abläuft: Geh wo hin, erledige deinen Auftrag, betrachte die Cutscene, schlachte dich durch eine Gruppe die plötzlich auftaucht. Da helfen auch die vielen Orte wie Kirche, Polizeistation, Bank, Schlachtfabrik oder Müllhalde nicht viel. Das einzige versteckte, was man entdecken kann, ist die Kanalisation die direkt nach Tora Bora führt, das Versteckt der bösen Terroristen.
Die künstliche Intelligenz ist auch nichts Besonderes. Zwar reagieren alle NPCs darauf, was man macht. Sie kreischen schon los, wenn man nur mit einer Waffe in der Hand durch die Strassen geht aber die Gegner sind absolut stupide und rennen einfach auf den Spieler zu. Die Terroristen haben Napalmwaffen, damit brennen sie meist eher ihre Kumpanen ab, weil sie gekonnt an Ecken zielen oder direkt an die Wand und sich wundern, das die Napalmgranate nun zurückkommt.

Grafisch ist das Spiel auch nicht wirklich gut. Es soll auf der Unreal Tournament 2003 Engine basieren, aber mit dieser kann man definitiv schöneres erschaffen. Die Außenwelt sieht noch ganz in Ordnung aus, mit den Bergen und der Vegetation. Aber die Innenlevel schwanken zwischen ganz nett, wie die Bücherei, bis hin zu absolut grausam, was den Großteil ausmacht. Eckige Räume ohne viele Details, die immer gleichen, langweiligen Texturen. Die Realität sieht nicht halb so öde aus, wie dieses Spiel. Vor allem die Spielhalle ist grässlich, hier sieht man sogar Spalten zwischen Texturen in den Ecken.
Das bisschen Musik, das man hört, ist eher belanglos und nicht der Rede wert. Die Soundeffekte sind in Ordnung. Die Waffen klingen so, wie in jedem anderem Shooter auch. Die Sprachausgabe ist in Ordnung, auch wenn die Entwickler mit dem Versuch aus dem Postal Dude einen zweiten Duke Nukem zu machen, kläglich gescheitert sind. Die paar Sprüche, die er bringt sind nicht witzig und sie wiederholen sich so oft, dass es schon nervt.
Die ganze Technik ist also eher schwach, untermauert wird das noch von zahllosen Clippingfehlern und einer völlig kaputten Ragdoll Engine. So kann man z.B. einen Zeitungsständer treten und dieser fliegt dann 20 Meter weit. Angeschossene Dosen fallen nicht vom Regal sondern schweben einen Meter in die Luft und ab und zu passiert es sogar, das bereits getötete NPS plötzlich wieder aufstehen, was vor allem dann schräg aussieht, wenn man sie angezündet hat.

Postal 2 ist für die ersten 20 Minuten ganz spaßig. Dann nutzt sich das freie Spielprinzip ab, man hat in der Zeit auch genug Menschen umgebracht oder ist sonst wie genervt und es gibt nichts mehr zu entdecken. Die Welt ist recht öde gemacht, die Missionen noch langweiliger. Der Entwickler hat wohl drauf gesetzt, dass die politische Inkorrektheit und der spezielle „Humor“ als Kaufgrund ausreichen…

Publisher: Whiptail Interactive
Developer: Running with Scissors
Erscheinungsjahr: 2003
Erschienen für: PC, Mac
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Wählbar

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Grafik6/10  Spielspass
Sound6/10
3,5/10
Gameplay 5,5/10

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