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Technisch war es damals eine Revolution, Wolfenstein 3D, der erste Ego-Shooter, der mit flüssiger VGA-Grafik aufwarten konnte. Nach einem Sequel namens Spear of Destiny, das mehr oder weniger untergegangen ist (was man auch daran sieht, dass es weder indiziert noch beschlagnahmt wurde) folgte 2001 das dritte Spiel und wohl so etwas wie das „echte“ Sequel.
Natürlich gab es auch hier wieder Probleme mit der Darstellung verfassungswidriger Symbole. Etwas, das ich bis heute nicht verstehe: Jeder Film und jeder Comic darf Hakenkreuze beinhalten, wie er will, aber in einem Computerspiel ist es plötzlich böse und gehört verboten… Deshalb gibt es auch eine deutsche Fassung, in welcher nicht nur jene Symbole und Hitlerbilder entfernt wurden, sondern auch die Handlung im großen Stil umgeändert wurde.
Beim Intro denkt man noch, man wäre im falschen Spiel. 943 kämpfen zwei mysteriöse Gestalten und das Ganze sieht eher nach einem Rollenspiel aus, das gleich beginnt. Es geht also um Heinrich I., den man 1000 Jahre später (und damit mitten im Krieg) ausbuddeln will. Nebenbei wird auch noch nach dem Supersoldat geforscht und es gibt wieder mal nur einen Mann der das Böse aufhalten kann: B.J. Blazkowicz. Die Handlung ist recht dämlich und trashig, allerdings nicht mal so weit hergeholt, wenn man weiß, dass die Nazis tatsächlich einen merkwürdig Mystik- und Esoterikwahn hatten.
Return to Castle Wolfenstein präsentiert sich als recht normaler Ego-Shooter. Man hat ein paar Waffen um viele Gegner zu beseitigen und muss den Levelausgang suchen. Aufgelockert wird das durch spezielle Aufgaben wie „Suche Beweise“ in Form von Büchern, die man einsammelt. Auch gibt es ein paar Level, in denen man nicht entdeckt werden darf. Hier muss man wie in einem Schleichspiel unerkannt bleiben und sollte am besten nur schallgeschützte Waffen oder das Messer einsetzen. Wird einmal Alarm geschlagen ist der Level vorbei und man muss von vorne anfangen. Diese Levels fand ich persönlich etwas zu schwer, da man oft schon auf viele Meter hinweg erkannt wird oder wenn man oben auf einem Wachturm einen Soldaten tötet. Es ist meist reines Glücksspiel, ob man durchkommt oder nicht. In einem anderen Level muss man dann beispielsweise den Weg für einen Panzer frei räumen, in dem man Soldaten mit Panzerabwehrwaffen beseitigt.
Man startet in der Burg Wolfenstein, aus der man nun flüchten muss (Das B.J. Blazkowicz und sein Kollege gefangen genommen wurden, erleben nur Spieler der Xbox und PS2 Fassung). Im Gegensatz zum Originalspiel, welches ja vollständig in Wolfenstein spielte, werden allerdings nur die ersten 3 Level und damit Mission 1 in der Burg verbracht. In den nächsten fünf Missionen, die alle aus 3-4 Leveln bestehen geht es dann an zahlreiche andere Schauplätze. Darunter Norwegen, wo man das geheime Forschungslabor rund um den Übersoldaten findet. Andere Schauplätze sind Raketenanlagen, Flugplätze mit Bunkern, Dörfer, Kirchen und Friedhöfe. Bei letzterem trifft man dann auch die Zombies und Zombieritter, welche wohl mittelalterliche Sachsenkrieger darstellen. Ansonsten hat man es mit Wehrmachtssoldaten unterschiedlichster Ausführung zu tun und trifft in den geheimen Forschungslaboren auf Mutationen und den Übersoldaten. Auf Zivilisten stößt man nur ganz selten mal, beispielsweise in einem Hotel. Diese darf man nicht töten, sonst ist das Spiel vorbei.
Alle Level sind sehr schön und abwechslungsreich gestaltet. Mir persönlich am besten gefielen die Burg Wolfenstein, das Schloss Schufstaffel und die Dörfer, da hier die Atmosphäre am stärksten ist. Atmosphärisch auch gelungen sind die Kirche und die Crypten, wobei das Spiel hier schon fast zu einem Horrorshooter wird. Weniger gefallen haben mir die großen freien Plätze, wie der Flugplatz oder der Bahnhof, da man so was auch in tausend anderen Kriegsshootern findet und es schon völlig anödet. Kleinere Rätsel werden auch geboten. Mal muss man einen Schalter finden, der eine Kiste auf den Boden senkt, von der Kiste kommt man dann auf einen höher gelegenen Punkt wo es dann weiter geht. In der Forschungsstationen sind die meisten Türen von bläulichen Flammen versperrt, rennt man rein ist man sofort tot, man muss erst die Schalter zur Deaktivierung finden.
Natürlich benötigt man auch Waffen und zum Glück hat man eine deutlich größere Auswahl als beim Prequel. Neben einem Messer gibt es zwei Pistolen, drei SMGs, Sniperwaffen, einen Flammenwerfer und eine Panzerfaust. Alle Waffen sind an reale Exemplare angelehnt, so hat man einen Colt .45 oder das Fallschirmjägergewehr 1942. Bei einigen Waffen legte man sogar Wert auf Realismus, wie bei der schallgedämpften Sten, die nach wenigen Schüssen überhitzt und erstmal abkühlen muss, ehe man sie weiter verwenden darf. Granaten gibt es auch noch und dann noch zwei Fantasiewaffen. Das wären zum einen die Venom, eine Minikanone und die Tesla gun. Die Granaten erweisen sich recht schnell als unbrauchbar, denn bei denen beweist die ansonsten eher stümperhafte KI Intelligenz, in dem sie anfliegende Granaten zurückkickt oder die Soldaten schnell davonlaufen. Es ist recht schwer, tatsächlich mal Soldaten damit töten zu können.
In erster Linie erntete das Spiel ja gerade deshalb Kritik, weil es so viele unrealistische Elemente enthält. Meiner Meinung nach passen Waffen wie die Tesla Gun und die Übersoldaten aber wunderbar in das Spiel, denn dass Return to Castle Wolfenstein zu keiner Sekunde ernst gemeint war, sieht man eigentlich von Anfang an. Da hat man die „Paranormale Division“, die zumeist aus weiblichen Soldatinnen in High Heels und knappen Lederoutfits besteht, da haben die Anführer völlig dämliche Namen wie Deathshead, Reichsminister Wolfgang Ungeschickt oder Dr. Merkwürdigliebe. Auf dem U-Boot prangt auch das Schwertfischlogo der U-96 aus dem Film Das Boot. Man kann es also wirklich nicht ernst nehmen und so passen eben auch Zombies, Übersoldaten und unrealistische Waffen gut rein.
Einzusammeln gibt es auch relativ viel. Neben Munition noch Healthpacks, Helme und Flak Jacken, welche die Rüstung erhöhen. Aus Wolfenstein 3D übernommen hat man das Essen (füllt auch die Energieleiste auf) und Schätze, welche allerdings keinen Zweck haben und so zum sammeln sind.. Zu entdecken gibt es auch sehr viel. Vor allem Tafeln mit Nachrichten und unzählige kleine Geheimräume und Gänge. Manche Gänge sind sogar eine andere Route zum Missionsziel, aber man muss ganz klar sagen, dass dieses Spiel sehr linear ist.
Der Multiplayermodus ist ganz nett, er fällt vor allem dadurch auf, das man ähnlich wie bei Team Fortress unterschiedliche Rollen wie Soldat oder Arzt annehmen kann. Es werden allerdings nur wenige Maps mitgeliefert und insgesamt sollte man das später kostenlos erschienene Multiplayerspiel Enemy Territory klar vorziehen.
Grafisch sieht das Spiel für sein Alter immer noch recht gut aus. Vor allem die Effekte des Flammenwerfers und der Tesla Gun sind gut gelungen. Lediglich einige der Animationen könnten besser sein. Bis auf das Intro sind alle Zwischensequenzen in der Spielgrafik gehalten. Musikalisch geht es recht atmosphärisch zur Sache, es ist in jedem Fall Ambientmusik, ab und zu ein wenig typische Marschmusik und dann und wann stolpert man über Grammophone die ein paar klassische Musikstücke spielen (oder in der Originalversion ein in Deutschland verbotenes Stück, das auch schon Titellied des Vorgängers war). Die Waffeneffekte klingen recht gut, realistisch und kommen auch schön laut aus den Boxen. Sprachausgabe gibt es ebenfalls. Größtenteils auf Englisch, leider hat man davon abgesehen genauso mieses Deutsch wie in Wolfenstein 3D zu bringen. Stattdessen kommen nur noch kurze Phrasen und der Rest läuft in Englisch beispielsweise „Achtung! Intruder Alert!“ Aber dann und wann haben sich dann doch ein paar lustige Fehler eingeschlichen wie „Das Übersoldat“.
Return to Castle Wolfenstein ist ein atmosphärisch und spielerisch sehr dichter Shooter, der trotz Ansiedelung im zweiten Weltkrieg die typischen Weltkriegsshooterklischees umkurvt und dafür mit einer trashigen Story und echtem Shootergameplay überzeugt.
Publisher: Activision Developer: id Software, Gray Matter Interactive Erscheinungsjahr: 2001 Erschienen für: PC, Playstation 2, Xbox, Mac Anzahl Spieler: 1-8 Schwierigkeitsgrad: Wählbar
 
| Grafik | 8,5/10 | | Spielspass | | Sound | 8,5/10 | 9/10 | | Gameplay | 9/10 |
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