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Risen PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
24.06.2010

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Piranha Bytes kennt man durch die Gothic-Reihe. Nach der Trennung von JoWood und dem Verlust der Markenrechte war man gezwungen eine neue Welt zu erschaffen, aber man muss sich nichts vormachen: Risen ist Gothic, ohne die daraus bekannten Charaktere.

Faranga heißt die neue Welt, eine Insel, in der Risen spielt. Die Spielfigur ist ein ganz armes Schwein: Keine vernünftigen Klamotten, Schiffbrüchiger und für einen Namen hat es auch nicht gereicht. Wieder mal ist der Spieler der namenlose Held, der schon fertig erstellt nach dem Intro am Strand liegt. Auf den ersten Blick wirkt auch Faranga nicht gerade einladend. Es ist dunkel, es regnet, ein Gewitter gibt es auch noch und am Strand treiben sich die ersten bösen Tiere rum. Seegeier sind die neuen Scavenger und genauso nervig. Man trifft auch eine weitere Überlebende des Schiffsunglücks, während von anderen nur noch Leichen übrig sind. Das Abenteuer beginnt direkt und die eigentliche Handlung ist Nebensache. Auch das ist etwas, das ganz typisch für Piranha Bytes ist:: Die Haupthandlung ist unspektakulär, nicht wirklich ausgearbeitet und wird generell an den Rand gedrängt. Auch bei Risen ist das so und dafür sorgen auch viele größere Nebenquests, die mal wieder eigene Geschichten erzählen. Die beste darunter ist die der Piratin Patty, die ihren Vater sucht. Aber auch andere Quests sind recht nett gemacht, wie die Suche nach einem Fleischdieb oder die Erpressung zweier Händler, wobei einer mit einem im Bett platzierten Kuhkopf eingeschüchtert wird. Hier stand wohl definitiv The Godfather Pate. Andere Quests kennt man auch, wie den Bauernhof, bei dem man direkt zur Arbeit eingespannt wird. In Gothic 2 musste man Rüben ziehen und Wölfe besiegen, in Risen muss man Wölfe besiegen und Korn einsammeln. Ebenfalls dabei sind die Arenen, in denen man sich mit Kämpfern um Gold prügeln kann.

Wer Gothic spielte, kennt sich hier also sofort aus: Am Anfang gibt’s eine kleine Einführung, dann folgt die Wahl der Fraktion. Derer gibt es im Prinzip nur zwei auf der Insel: Die Inquisition unter dem Anführer Mendoza, die das Land scheinbar tyrannisieren und die Banditen, die zwar Banditen heißen, aber wohl sowas wie die Guten sind. Man kann sich auch den Magiern der Vulkanfestung anschließen, die zur Inquisition gehören. Wie man sich entscheidet ist im Prinzip egal, ein paar Quests sind anders, man wird anders angesprochen von den NPCs aber im Großen und Ganzen ist man eben wieder der alles überstrahlende Held der für alle Seiten arbeitet.

Kommen wir gleich zum Punkt: Am Anfang ist Risen ein tolles Spiel, das wieder mal durch eine tolle Welt überzeugt, viele interessante und unterhaltsame NPCs bietet, gute Quests und zumindest dabei einige Wahlmöglichkeiten bietet. Bei vielen Quests kann man sich für 1-3 Möglichkeiten entscheiden, die den weiteren Verlauf beeinflussen. Etwa, ob man einem Dieb hilft oder ihn bei der Stadtwache verrät. Die Welt ist schön und ich finde es gut, dass es wieder kleiner zugeht. Die Welt von Gothic 3 war meiner Meinung nach zu viel des Guten, weniger ist manchmal eben mehr.
Gerade als ich das erste Mal in der Stadt (und dieses Mal gibt es wieder nur eine, ganz so wie es bei Gothic 2) war, war ich schon beeindruckt. Die Architektur erinnerte an die mexikanischen/spanischen Städte die man vor allem in alten Western sah. Dass diesmal Spanien als Grundthema angesagt war, merkt man auch an vielen Namen wie eben Mendoza oder Carlos – aber auch die typischen Fantasynamen wie Eldric (natürlich Magier) dürfen nicht fehlen und ein wenig Recycling wurde auch betreiben – denn einen Seemann namens Jack, der einen Leuchtturm betreibt, sahen wir schon mal. Überhaupt erinnert vieles beim Setting an Gothic 2, wie etwa die Stadt die am Hafen liegt oder die Piraten die sich so rumtreiben. Auch ist das Spiel in Kapitel unterteilt. Die ersten beiden machen Spaß. Man rennt rum, löst Quests, hilft Leuten, versucht sich zu bereichern und einer Faktion anzuschließen. Lässt man sich hier Zeit, erkundet die Welt und macht alle Quests, ist man wohl gute 25-30 Stunden beschäftigt. Man sollte hier nicht durchrennen, denn dann verpasst man einiges.

Leider geht es danach völlig bergab. In Kapitel 3 stürmt man dann den Vulkan und Spaß macht das nicht.  Dieser Teil ist absolut linear, ohne größere Rätsel, man hetzt durch den halbdunklen Vulkan, schnetzelt unzählige Echsenmenschen, Ghuls und andere nervige Kreaturen dahin und beginnt sich schnell zu langweilen. Vor allem in diesem Abschnitt werden so viele Designschnitzer offensichtlich, dass man gar nicht glauben will, dass die Macher über 10 Jahre Berufserfahrung haben. Gerade das Leveldesign wirkt hier wie ein Copy & Paste Job, wo die Monster willkürlich verteilt werden. So wird man von Mendoza losgeschickt, Rufus zu unterstützen der in einen Gang geschickt wurde. Kaum betritt man den Gang, wird man von einem Ghul attackiert, dann von einem Skorpion und dann trifft man auf zig Echsenmenschen. Wie ist Rufus da durchgekommen? Magie? Hat Scotty ihn durchgebeamt? Dass die Monster da rumlungern macht auf diese Sichtweise wenig Sinn und dass sie einfach so in der Gegend rumstehen, wirkt einfach billig, zumal sie eh keine Herausforderung mehr sind. Gerade das Monster einfach so in der Gegend platziert wurden und das meist auch noch rund um NPCs, die sich nicht sonderlich darum kümmern, wirkt etwas merkwürdig. So trifft man auf eine Jägerin mit ihrem Wolf die in einer Hütte lebt. Hinter ihrer Hütte sind Krallenfalter, links vorne eine riesige böse Echse, dann streunen noch Wölfe und Gnome rum – sie interessiert das nicht, die Monster attackieren sie nicht, aber wenn man als Spieler da durch will, hat man erstmal zig Kämpfe zu bestreiten.

Auch gibt es einfach etwas wenig Monster auf dieser Welt. Wenn man sich mit der hundertsten Stachelratte prügelt, sehnt man sich einfach nach etwas Abwechslung oder nach einer weniger überfüllten Welt, denn man kann praktisch keine 5 Meter gehen ohne nicht direkt wieder in einen Haufen Monster zu stolpern und das sich meist 4-5  gleiche Bestien auf einem Haufen tummeln, unterstützt den Copy & Paste Eindruck noch.
Zusätzlich gibt es in den Tempeln und im Vulkan noch gemeine Fallen. Stacheln und Feuer aus dem Boden und Fallgruben erschweren das Leben, meist gilt es den Schalter zur Deaktivierung zu finden oder eine bestimmte Magie einzusetzen um das zu überwinden.

Kapitel 4 ist dann auch kurz und wirkt sehr schnell zusammengebastelt, man wird praktisch linear bis zum Ende geprügelt, um sich dann einen sehr schlappen Showdown zu liefern und ein Outro zu sehen, das den Spieler sehr unzufrieden zurücklässt. Das soll es gewesen sein? Das?
Der Eindruck des unfertigen wird auch in anderen Teilen des Spiels erweckt. Teilweise habe ich mir gedacht „Sollte da jetzt eine Animation kommen?“, „Und hier jetzt ein Video?“. Etwa im Bordell, man kennt das aus Gothic 2, wo es ein kleines Video dazu gab. Bei Risen gibt es nur einen schwarzen Bildschirm und dann ist das ganze vorbei. Das gleiche beim Rüstungswechsel. Man bekommt eine neue Rüstung, der Bildschirm wird schwarz, der Held steht in einer neuen Rüstung da. Das Ausblenden da macht wenig Sinn – außer, man wollte da irgendwas einbauen, was nun fehlt.

Werfen wir mal einen Blick auf das Gameplay und auch hier präsentiert man alles, was man aus Gothic kennt. Die Talente, die man erlernen kann wie Taschendiebstahl, Akrobatik, Schlösser knacken (mit dem ebenfalls bekannten Tastendrückspiel) kennt man. Auch hier darf man wieder Lehrer suchen, die für Lernpunkte und Gold ihr Wissen vermitteln. Die Steuerung per Maus und Tastatur kennt man auch sofort. Leider ist eben auch der Kampf genauso unspannend wie in den Vorgängern. Viel Mausklicken, ohne viel Timing ist vonnöten um die alles andere als berauschende KI zu besiegen. Die Gegner attackieren auch hier indem sie stur auf den Spieler zulaufen und draufhauen. Neu ist lediglich das sie blitzschnell (und zwar wirklich blitzschnell, es gibt nicht mal richtige Animationsphasen dafür) ausweichen können. Aber auch das ist kein Problem.
Neben dem kämpfen und lernen gibt es noch das einsammeln und handeln mit Gegenständen. Es gibt mal wieder tonnenweise Gerümpel, das der arme Held irgendwie mit sich rumschleppen darf. Schmieden kann man lernen und Kochrezepte können nun auch ausprobiert werden. Man stellt sich an einen Kessel, nimmt eine Anleitung und wenn man die passenden Sachen im Inventar hat, wird daraus ein Gericht gebastelt, das die Lebensenergie auffüllt. Auch die NPCs sind nicht sonderlich intelligent. Das man blöd angemacht wird, wenn man die Waffe zieht, kennt man bereits. Dass man blöd angemacht wird, wenn man die Waffe zieht, weil eine Bestie anstürmt, ist dumm. Die vollmundigen Versprechen auf der Schachtelrückseite stimmen auch zu keiner Sekunde. Die meisten NPCs haben keinen Tagesablauf, so etwas wie Sozialstrukturen gibt es nicht, da die NPCs eh nicht untereinander kommunizieren. Genauso kann von völliger Handlungsfreiheit und einer dynamischen Hauptgeschichte wohl kaum die Rede sein.

Die meiste Zeit ist man allein unterwegs, nur ab und zu wird man von Freunden begleitet. Etwa wenn man mit anderen Banditen einen Tempel von den Weißen befreien soll. Leider wurde auch hier wieder an unlogischen Stellen darauf beharrt, dass der Spieler alles selbst machen muss. Wenn ich schon mit Mendoza und zig seiner Kämpfer in den Vulkan stürme, kann man doch erwarten, das man einen oder zwei dieser Kollegen als Helfer dazu bekommt. Alles alleine zu machen ist einfach öde und die Party gehört einfach irgendwie zu einem Rollenspiel dazu. So aber, ist man eben wieder der Rambo vom Dienst. Dies aber auch erst nach einiger Zeit, denn der typische Gothic-Schwierigkeitsgrad ist ebenfalls von der Partie. Anfangs wird man von jedem Gegner geplättet und wenn’s nur eine nervige Grabmotte ist, später macht man dagegen alles in 1-2 Schlägen kaputt.

Grafisch ist das Spiel zwar nicht die große Sensation sieht aber gut aus, weil die Architektur gerade eben in der Stadt sehr stimmig ist und wenn man dort am Hafen steht, während die Sonne untergeht, ist das einfach schön gemacht und anzusehen. Die Animationen könnten dagegen besser sein, aber auch das kennen wir so.
Die Musik ist von Kai Rosenkranz, muss ich was dazu sagen? Genial.
Die Soundeffekte sind auch wieder sehr gelungen und die Sprachausgabe geht in Ordnung, wobei manche Sprecher nicht passen. Gerade die Hauptfigur lässt zwar viele zynische oder sarkastische Sprüche los, was witzig ist, aber der Sprecher klingt irgendwie mehr wie ein feiges Weichei und nicht nach einem Held. 

Ein Wort zu den Bugs, denn auch die kennt man von den Gothic Spielen schon: Risen ist erstaunlich stabil, das einzige was negativ auffällt, ist, dass die Spielfigur nach Sprüngen öfter mal „kleben“ bleibt und sich nicht mehr befreien lässt. Das nervt, aber zum Glück gibt es ein automatisches Speichersystem, das in regelmäßigen Intervallen ein Quicksave speichert.

Das Fazit ist nun echt schwer. Die ersten beiden Kapitel sind toll, das Gothicfeeling ist da, die Welt ist gut, die Charaktere wie immer sehr erlebenswert und es macht Spaß. Zum Glück sind die beiden Kapitel auch die längsten. Kapitel 3 und 4 sind dagegen Mist und wirken schnell hingeklatscht, was wohl auch die kurze Spielzeit erklärt, denn länger als maximal 10 Stunden wird man damit nicht brauchen. Risen ist empfehlenswert für alle die Gothic mochten und alle, die ein nettes Fantasy Action-RPG erleben wollen, trotz der Kritikpunkte. Man darf eben nur kein Gothic 2 erwarten.

Publisher: Deep Silver
Developer: Piranha Bytes
Erscheinungsjahr: 2009
Erschienen für: PC, Xbox 360
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Unausgewogen

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Grafik8,5/10  Spielspass
Sound9,5/10
7/10
Gameplay 7,5/10
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Letzte Aktualisierung ( 08.10.2010 )
 
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