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Runaway PDF Drucken
Geschrieben von Minsc   
06.05.2007

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Das Adventuregenre. Ende der Achtziger bis Mitte der Neunziger erlebte es seine Blütezeit, besonders Lucas Arts brachte da einen zeitlosen Klassiker nach dem anderen heraus, doch dann wurde es stiller um dieses Genre. Da gab es dann noch die völlig überflüssigen Monkey Island Titel 3 und 4, vielleicht ein Grim Fandango – und natürlich The longest Journey, welches man wohl auch heute noch getrost zu den schönsten Adventures aller Zeiten zählen kann. Und dann? Stille. Und in der Stille erblühte die sehr statische Logikreihe Myst. Aber witzige Adventures, die an den Erfolg der alten Spiele anknüpfen konnten?
Fehlanzeige... bis Runaway 2002 erschien, und das Genre quasi im Alleingang rettete.

Was sollte man von diesem Spiel schon erwarten? Die Tatsache, dass ein bis dahin unbekannter spanischer Hersteller ein Grafikadventure entwickelt? Wirklich vielversprechend war das nicht. Die Rechte wurden verkauft an Dinamic Multimedia, doch der Publisher ging pleite und das Spiel drohte im Nichts zu verschwinden. Was nun folgte war eine recht beispiellose Aktion von Adventurefans und verschiedenen Seiten, Unterschriften wurden gesammelt – obwohl nur Screenshots bekannt waren. Schließlich gelang es den Pendulo Studios, die Rechte an ihrem Spiel zu behalten, und ein anderer Publisher wurde in dtp gefunden. Der Rest ist Geschichte, Runaway erschien und war unwahrscheinlich erfolgreich -  und das auch völlig zu recht.

Zu dem Spiel selbst muss eigentlich gar nicht mehr so viel gesagt werden, zu Beginn sieht man Brian Basco, den Helden des Spiels, der seine Geschichte erzählt. Eigentlich wollte er nur zur Bücherei, doch eine Frau, Gina, landet vor seinem Auto, er bringt sie ins Krankenhaus und von dort beginnt ihre Odyssee quer durch Amerika, verfolgt von der Mafia. Kurz bevor ihr Vater ermordet wurde, übergab der ihr ein Kruzifix – doch was hat es damit auf sich? Genau das gilt es nun, herauszufinden.

Die comichafte, knallbunte Grafik, dazu eine spannende, sich aber nicht zu ernst nehmende Mafiastory – so wird das Ganze zu einer Art Road-Movie. Man ist ständig motiviert, weil man einfach wissen will wie es weitergeht, das liegt auch an der tollen Erzählweise von Brian, der zu Beginn der Kapitel immer wieder seinen Monolog hält. Die Charaktere sind originell, ob das nun die beiden Hauptdarsteller sind, die teilweise etwas dümmlichen Mafialeute, zwielichtige Gestalten oder die Transvestiten in dem Bus in der Wüste, überhaupt ist dieses 3. Kapitel (die Flucht) das Highlight des Spiels. Ebenfalls eine sehr nette Idee: man erfährt die Emailadresse eines Charakters im Spiel, daraufhin gingen dort zahlreiche Mails ein – und wurden auch sogar (zunächst) von Mitarbeitern der Pendulo Studios richtig beantwortet.

Nachdem der Fluchtplan nun umgesetzt wurde, folgt eine ellenlange Zwischensequenz – und Runaway kann danach das sehr hohe Niveau leider nicht ganz halten, dem zweiten Teil des Spiels fehlt es doch etwas an Tempo und Spritzigkeit, vielleicht sind den Entwicklern da dann doch die Ideen ausgegangen. Trotzdem ist das alles noch weit weg von Mittelmaß.

Die Sprachausgabe ist hervorragend, die Sprecher sind wirklich gut gewählt und auch die Dialoge selbst werden den Charakteren gerecht und können überzeugen. Der Soundtrack der Gruppe Liquor ist sehr gelungen und passt super zum Spiel. Die Steuerung mit der Maus klappt tadellos.

Die Rätsel sind größtenteils logisch, aber es gibt hier eben das „Runaway – Syndrom“: Ich durchsuche eine Tasche und finde Gegenstand A, ansonsten ist da nichts brauchbares. Später im Spiel, muss ich vielleicht Gegenstand B benutzen – diesen finde ich jedoch erst dann in der bereits durchsuchten Tasche, wenn ich ihn brauche. Das ist schon ärgerlich – genauso wie die teilweise recht nervige Pixelsuche nach irgendwelchen Utensilien. Später im Verlauf des Spiels sind auch ein paar wirklich konstruierte Rätsel drin und genau das verwehrt diesem Spiel die Höchstwertungen.

Alles in allem ist Runaway das Adventure der letzten Jahre, das man haben muss. Es sollte in keiner Spielesammlung fehlen und ist auch ein Tipp an alle, die sonst nichts mit diesem Genre anfangen können. Denn alle Schwächen werden durch die tollen Charaktere, die Grafik, die spannende und gleichzeitig lustige Story locker wettgemacht. Hierbei lohnt es sich allerdings darauf zu achten, dass man zumindest die Version mit den überarbeiteten Zwischensequenzen bekommt, diese sehen deutlich besser aus als in der ursprünglichen Version. Die eigentliche Special Edition enthält zwar u.a. noch ein Making Of, ist aber teurer und so eher was für Hardcorefans.
Kaufen, spielen - und sehen, wie ein totgeglaubtes Genre reanimiert wird.

Publisher: Pendulo Studios
Developer: dtp
Erscheinungsjahr: 2002
Erschienen für: PC
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: mittel

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Grafik8/10  Spielspass
Sound8/10
8,5/10
Gameplay 8/10
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