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S.T.A.L.K.E.R. Shadow of Chernobyl PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
13.09.2009

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1986 ereignete sich in Tschernobyl, was damals noch zur UdSSR gehörte, eine der schwersten Nuklearkatastrophen der Geschichte. Die auswirkungen waren vor allem in Europa zu spüren und noch heute ist das Gebiet, das jetzt in der Ukraine liegt, abgesperrt.
Obwohl jeder Krieg und jeder Konflikt, ja sogar eher positive Ereignisse, wie seinerzeit der Mauerfall in Deutschland, versoftet wurde, haben sich nur recht wenige Entwickler überhaupt daran getraut, dieses Thema in einem Spiel zu verarbeiten. Ende 2001 wurde S.T.A.L.K.E.R. angekündigt, von einem ukrainischen Entwickler, den bis dato kein Mensch kannte. Ein First Person Shooter mit Rollenspielelemente rund um eine fiktive Zukunft sollte man erleben. Dummerweise zeigte sich sehr bald, dass nicht nur 3D Realms ganz groß sind, wenn es um das verschieben von Veröffentlichungsterminen geht, denn auch GSC, der Entwickler von S.T.A.L..K.E.R., schob dieses Projekt Jahr für Jahr umher. Erschienen ist das, mittlerweile mit Shadow of Chernobyl untertitelte Spiel dann endlich im März 2007.

Dummerweise waren da schon Teile der Handlung recht veraltet. Denn in der Welt von S.T.A.L.K.E.R. ereignete sich 2006 ein weiterer nuklearer Unfall im Kraftwerk Tschernobyl, der die Landschaft dann so richtig verstrahlte. Das Militär riegelt wieder mal alles ab, Wissenschaftler machen ihre Forschungen und im illegalen Bereich sind die Schatzsucher oder eben Stalker unterwegs, die nach Artefakten forschen oder einfach schauen, was man da sonst noch abgrabschen kann.
Als Spielfigur landet man selbst wieder in dieser Welt, als namenloser, der natürlich sein Gedächtnis verloren hat. Ich muss das einfach als Kritikpunkt anbringen, denn jeder, der halbwegs intelligent ist, wird sehr schnell herausfinden, wer „Strelok“ ist, den man als große umfassende Aufgabe suchen muss. Neben dieser Hauptaufgabe beschäftigt man sich mit vielen weiteren kleinen Aufgaben, die man von dem Händler im Keller oder anderen, umherstreifenden Stalkern erhält.

Als GSC das Spiel damals ankündigten, schockierten sie die Spielewelt mit genialer Grafik und Features, die bis dato kaum genutzt wurden. First Person Shooter mit Rollenspielelementen gab es zwar schon vorher (Man denke an die System Shock Reihe), aber S.T.A.L.K.E.R. sollte ja noch einige Schritte weitergehen. Als einzelner Kämpfer sollte man sich einer Fraktion anschließen können, Charaktereigenschaften, Handel und anderes sollten verfügbar sein und im Prinzip sollte man in einer freien Welt umherstreifen können.
Von all diesen Ankündigungen (ich hoffe mal, das nicht nur ich das Projekt seit den Anfängen sehr verfolgt hat) blieb am Ende nur noch relativ wenig. Handel gibt es und Missionen nimmt man an, ansonsten gibts im Schatten von Tschernobyl eher recht normale First Person Shooter Action.

So muss man in der ersten Mission einen verfallenen Hof überfallen, wo sich einige Banditen verschanzt haben. Entweder erledigt man das allein oder man holt sich Verstärkung, da ein paar Meter vor dem Gehöft ein paar Stalker dumm in der Gegend rumstehen. Dadurch wird das alles schon einfacher. Hat man die Bösewichte erledigt, räumt man sie leer und sucht einen Gefangenen, den man dadurch befreit und man erhält ein Flash Drive, das man dem Händler verkaufen kann.
Das Handelssystem ist recht nett, wie in einem Rollenspiel sollte man viel einsammeln und viel verkaufen um an bessere Ausrüstung zu kommen. Eine gute Schutzveste (verschiedene Rüstungen stehen zur Verfügung)  ist ebenso wichtig wie eine gute Waffe (von der abgesägten Schrotflinte bis zur AK47). Daneben sollte man aber auch ausreichend Nahrung, Verbandsmaterial und Vodka dabei haben, schon allein, weil man oft auf verwundete andere Stalker trifft, denen man helfen kann. Dafür erhält man wieder ein paar Hinweise und Ratschläge.

Ein Nuklearkatastrophenspiel wäre natürlich nicht komplett, wenn man nur auf Menschen trifft und so laufen auch viele Mutationen durch die Gegend. Die meiste Zeit hat man es mit mutierten Hunden und Wildschweinen zu tun, schon bald trifft man aber auch andere Monster. So muss man schon recht bald in den Untergrund um nach „Streloks Kiste“ zu suchen. Dort trifft man das erste mal auf den Controller. Der macht zwar fiese Geräusche und seine Attacke ist recht schmerzhaft, aber ich komme direkt zum ersten richtigen Kritikpunkt: Das Monsterdesign ist absolut lächerlich. Der Controller sieht aus wie etwas älterer Mann, der böse guckt. Sowas hab ich auch jeden Tag in der Fußgängerzone. Auch die anderen Monster haben zwar fiese Attacken, sehen aber eigentlich eher lustig aus. Der Bloodsucker erinnert mich eher an eine mutierte Version von Dr. Zoidberg und die Snorks erinnern mich an Ameisenbären (Es wäre wohl wesentlich gruseliger, wenn in Pripyat plötzlich die blaue Elise rumlaufen würde). Das Spiel versucht in die Horrorecke zu gehen, schafft das aber kaum. Man ist zwar im Verlauf des Spiels im roten Wald (der tatsächlich existiert, der Wald leuchtete leicht rötlich nach der Katastrophe aufgrund der Strahlung) und in einigen Laboratorien unterwegs, die unheimliche Atmosphäre entsteht aber eher aufgrund dunkler Ecken und toller Soundeffekte.

Das schöne dagegen ist, dass sich die Welt nicht um den Spieler dreht, wie das in so vielen Spielen der Fall ist. Stattdessen ist man nur ein Stalker unter vielen, die anderen gehen zumeist ihrem normalen Leben nach, kämpfen gegen die Mutanten oder gucken blöd aus der Rüstung. Zwar gibt es immer wieder Missionen, die triggerbasiert den Spieler einbinden, aber größtenteils erlebt man doch eine recht glaubwürdige und realistische Welt.

Über viele Missionen reist man von den Wäldern direkt nach Pripyat und den Reakter, es ist hierbei sehr nett, wie sich die Welt langsam verändert. Je näher man dem Reaktor kommt, desto düsterer wird die Welt. Gewitter und Stürme ziehen auf, es wird immer dunkler. Pripyat ist dann sogar nahezu original in das Spiel eingebaut, mitsamt dem kleinen Vergnügungspark. Etwas negativ ist allerdings, das es regelmäßige Ladezonen gibt. Die Welt ist praktisch in viele kleine Quadrate unterteilt, stößt man an eine Grenze, wird erstmal recht lang geladen. Das ist vor allem bei Aufträgen nervig, bei denen man durch 5 Ladezonen rennen muss und dann wieder zurück. Hier wären allein schon Fahrzeuge (die einst angekündigt waren) sehr hilfreich um schnell von A nach B zu kommen.

Neben den Stalkern, Soldaten und Mutanten hat man aber auch noch mit anderen nervigen Dingen zu kämpfen. In erster Linie sind es die Anomalien, die sich durch Blitze und durchsichtige Kugeln andeuten. Bewegt man sich zu nah an diese, wird das Bild langsam schwarzweiß und von Störstreifen durchzogen, dann sollte man schnell durchlaufen oder direkt die Flucht ergreifen. Anomalien können von Blitzschaden bis zu einem bösen Tornado viele Gefahren umfassen. Meist liegt aber in diesen Anomalien ein Artefakt, das man einsammeln sollte. Artefakte können gegen Strahlenschutz helfen oder den Spieler stärker machen und bringen beim Händler meist auch extrem viel Geld ein. Die Anomalien selbst kann man auch wunderbar als Fallen nutzen. Wird man etwas von einer Meute Mutantenhunde verfolgt, rennt man einfach durch eine Anomalie, aktiviert diese und guckt zu, wie die Verfolger zerfetzt werden.
Im Hautspiel nur einmal erlebt man auch einen Blowout. Der Himmel verfärbt sich rötlich und es bricht quasi die Hölle auf Erden aus. In dieser Situation rennt man am besten direkt in ein Gebäude und sucht nach Schutz, da man ansonsten direkt stirbt. Das ist sehr genial gemacht, hätte aber auch ruhig öfter verwendet werden können.

Einen Mehrspielermodus gibt es natürlich auch, aber man merkt sehr deutlich, das dieser nur eine Pflichtbeigabe ist. Wie genial wäre ein Coop Modus bei diesem Spiel gewesen? Zu zweit, zu dritt auf Jagd zu gehen, leider wird das hier nicht geboten...

Grafisch überzeugt S.T.A.L.K.E.R. vor allem durch eine gute Weitsicht und eine realistische Landschaft. Tiefe Wälder, verfallene Hütten oder Pripyat mit dem typischen osteuropäischen Plattenbaulook sehen einfach toll aus, dazu das Wetter das von Sonnenschein bis Unwetter alles umfasst und sich schön abwechselt. Auch die Charaktere verhalten sich sehr realistisch und auch wenn das Spiel mittlerweile 2 Jahre alt ist, sieht es immer noch richtig gut aus.
Musikalisch wird eher auf Sparflamme gekocht. In Camps hat man mal gitarrespielende Stalker, ab und zu gibt's ein paar Ambientklänge, ansonsten darf man der realistischen Natur lauschen. Grunzende Monster, Waffengeräusche, Stürme, das alles ist sehr realistisch eingebaut. Auch bei der Sprachausgabe ging GSC einen Kompromiss ein: Wichtige Charaktere sprechen Englisch mit russischem Akzent, alle anderen Figuren reden nur russisch, man versteht zwar kein Wort, fühlt sich so aber doch stärker in diese Welt eingebunden.

S.T.A.L.K.E.R.: Shadow of Chernobyl ist ein recht spaßiges Spiel, das auch aufgrund der vielen möglichen Endsequenzen einiges an Wiederspielwert bietet, aber trotzdem muss ich sagen, dass ich einfach ein wenig enttäuscht bin. Es macht Spaß, die Ankündigungen versprachen aber mehr und teilweise hat man auch einfach das Gefühl, dass hier und da Elemente noch ganz schnell aus dem Spiel gelöscht wurden, wie etwa die Möglichkeit zu schlafen. Das geht nicht, aber beinahe bei jedem Camp reden die anderen Stalker davon, das man hier auch ruhig sein Lager aufschlagen könne. 
Hier kann ich jedem nur empfehlen, das Spiel mit dem Oblivion Lost Mod zu spielen, der zumindest einige der damals angekündigten Features einbaut und insgesamt das Spiel besser macht. Die Wertung hier bezieht sich aber nur auf das Spiel in der Originalfassung.

Publisher: THQ
Developer: GSC Gaming World
Erscheinungsjahr: 2007
Erschienen für: PC
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Wählbar

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Grafik9/10  Spielspass
Sound8/10
7/10
Gameplay 7,5/10

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Letzte Aktualisierung ( 13.09.2009 )
 
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