Home arrow Spiele arrow PC arrow Scarface - The World is yours 03 September 2010  
Kingdom of Desire
HomeForumImpressum
Spiele
Bücher
Filme
Hardware
Musik
Konzerte
Artikel
Wrestling
 
Scarface - The World is yours PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
02.06.2007

Image 

Scarface muss man wohl nicht mehr vorstellen, einer der ganz großen Filmklassiker der 80er und vielleicht Al Pacinos beste und berühmteste Rolle. Dass es da nie eine Spielumsetzung gab, ist schon verwunderlich, aber immerhin diente der Film ja als Vorlage für die GTA Reihe, am deutlichsten natürlich in Vice City.
Nun haben wir also das Jahr 2006 und es steht ein Scarface Spiel im Laden, das ja nun schon seit einiger Zeit angekündigt war.
Überraschend dürfte wohl sein, dass The World is yours nicht den Film nachspielt, sondern fortsetzt. An sich keine schlechte Idee, würde Tony Montana am Ende des Films nicht sterben. Der einzig logische Schritt ist da natürlich, das Ende einfach neu zu schreiben und das Ganze in eine Art Tutorial zu stecken.  Als Spieler steuert man nun Montana und muss sich gegen unzählige Gangster durchsetzen, aus der Villa flüchten und dann noch durch den großen Garten zu einem Fluchtauto gelangen. Ist man im Garten, kommt die Polizei an und schon steht man auch noch unter Zeitdruck.
Schafft man die Flucht, ist es nun die Aufgabe das Imperium Montanas wieder aufzubauen und man stellt schnell fest: Man spielt GTA.

Wirklich neue Ideen gibt es nicht. Man fährt, man geht, man tötet, man verkauft Drogen, man tötet Menschen. Alles also schon mal da gewesen. Neu sind da lediglich kleinere Elemente die das Gameplay verändern. Gegner kann man an verschiedenen Körperstellen anschießen, das füllt eine Energieleiste. Füllen kann man die auch durch anpöbeln von Passanten und besonders riskantes Fahren. Ist die Leiste voll, kann man in den Blind Rage Modus wechseln. Mit unendlicher Munition und quasi im Godmodus stürzt man sich aus der Ego-Perspektive auf Gegner. Das ist ganz spaßig, da man zumindest in der Originalfassung des Spiels ausreichend Blut in die Gegner gepumpt hat und weil man auch noch die Umgebung teilweise zerstören kann, sieht vor allem am Anfang die Villa Montanas aus wie nach einem Krieg. Das zumindest macht sehr viel Spaß und da man in der Originalfassung auch schön viele Waffen zur Auswahl hat, wünscht man sich fast, das Scarface ein reiner Ego-Shooter wäre.

Natürlich muss man aber hauptsächlich Missionen erfüllen. Anfangs ist man ein kleiner Drogendealer und muss andere Dealer für sich gewinnen. Das läuft in einer Art Mini Spiel ab, bei dem man einen Balken füllen, ihn aber auch rechtzeitig stoppen muss, sonst wird das ganze Geschäft nichts. Dieses Talkspiel wird auch dazu benutzt, wenn man Menschen bedrohen will, so kann man später auch mal Schutzgeld von Läden erpressen.
In Banken kann man das Geld waschen und auch seinen Spielstand abspeichern. Natürlich muss man sich auch  gegen rivalisierende Banden zur Wehr setzen und die Polizei taucht natürlich im falschen Augenblick auf.
Trotzdem sind die Missionen größtenteils sehr öde. Fahre unter Zeitdruck von A nach B, töte diese Person und versuche zu entkommen – man hat alles schon mal gesehen und das nicht nur wesentlich besser bei GTA sondern auch in Spielen wie Mafia.
Auch die Möglichkeit per Telefon Waffen zu bestellen oder einen Fahrer zu rufen und Einrichtungsgegenstände für die Villa zu kaufen, retten da nichts mehr. Es ist einfach 08/15 was man hier präsentiert bekommt.
Dafür gewinnt man wieder bei der Atmosphäre. Man hat fast alle Schauspieler des Spiels für Sprecherrollen gewinnen können und noch einige zusätzliche bekannte Sprecher, man bekommt den Originalsoundtrack zu hören und zusätzlich noch eine ganze Ladung an Songs (auch wenn man sich die Frage stellen muss, was ein Schrott-Act wie D12 in einem 80er Jahre Spiel zu suchen hat) aus allen Genres und die Zwischensequenzen sind auch sehr gut gemacht. Aber ausgerechnet Al Pacino konnte man als Sprecher nicht ins Studio bewegen, der Sprecher im Spiel gibt sich zwar Mühe, übertreibt aber mit seinem Fakedialekt schon recht krass und so wirkt das einfach nicht überzeugend.

Leider sieht das Spiel grafisch auf dem PC sehr schlecht aus. Das Ganze entspricht dem Stand von 2002: Verwaschene Texturen, eckige Figuren und Autos. Die Menschen haben aufgemalte Kleidung und riesige, unförmige Hände. Das muss heutzutage einfach nicht mehr sein.

Auch sieht man Scarface zu jeder Sekunde an, dass es eine Konsolenkonvertierung ist. Ein richtiges Hauptmenü gibt es nicht und die Optionen sind sehr gering ausgefallen. Man kann noch nicht mal die Steuerung frei belegen. Die Steuerung ist auch das nächste große Manko. Zwar sind die Tasten bei der Tastatur & Maus Steuerung alle schön nah zusammen, dafür ist die Steuerung extrem hakelig und die Maus ist sehr langsam eingestellt, was vor allem bei Feuergefechten dazu führt, dass man einfach nicht schnell genug auf Gegner zielen kann. Dafür gibt es zwar eine Zielerfassung, die man aktivieren kann, aber wer denkt mitten in einem Kampf mit 20 Gegnern schon daran?
Der Schwierigkeitsgrad ist auch nicht wählbar, dafür aber schön unausgewogen. Eine Mission ist simpel, die nächste bockschwer und dann wird’s wieder leicht.
Wahrscheinlich haben sich die Entwickler dann gedacht „Wenn schon schlecht, dann richtig“ und haben gleich noch eine ganze Ladung Bugs im Spiel gelassen. Auf der DVD befindet sich dann ein Readme File mit Bugs und Hilfestellungen der Entwickler gegen diese. Tolle Tipps wie „Starten sie den PC neu“ sind aber nicht wirklich hilfreich, wenn Texturen in einem Gebäude fehlen und man so durch den Boden ins Nichts fällt. Grafikfehler, KI Aussetzer und ab und zu stürzt dann schon mal der ganze PC ab, da man eben nicht frei speichern kann, nervt das alles schon sehr extrem

Die deutsche Version ist dann natürlich auch noch geschnitten und das obwohl auch diese Version keine Jugendfreigabe bekam. Wieder mal werden erwachsene Menschen bevormundet und dürfen hier eben nicht mit diversen Waffen wie der Kettensäge in den Kampf ziehen. Die Finishing Moves fehlen ebenso wie die unterschiedlichen Trefferzonen, was den Schwierigkeitsgrad noch mal sehr stark nach oben schraubt. Missionen fehlen auch und so fragt man sich, wofür man diese Version überhaupt in den Handel brachte.

Scarface – The World is yours ist enttäuschend und das nicht nur wegen den Bugs und den lahmen Missionen, sondern weil man sich bei den Spielteilen so viel Mühe gab. Viele gute Sprecher, toller Soundtrack, gelungene Zwischensequenzen und eine Story die durchaus ihren Reiz hat. Das Gameplay ist dann eben auf dem PC aber in den Sand gesetzt worden und so kommt auch dank der vielen unglaublichen Bugs kein wirklich großer Spielspaß auf. Will man also 80er Jahre Gangsterflair erleben, sollte man lieber zum guten alten GTA Vice City  greifen.

Publisher: Sierra/Vivendi
Developer: Radical Entertainment
Erscheinungsjahr: 2006
Erschienen für: PC, PS2, XBox
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Unausgewogen schwer

ImageImage 

Grafik5/10  Spielspass
Sound9/10
6/10
Gameplay 7,5/10
Im Forum kommentieren
 
< Zurück   Weiter >
Top of Page