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Pirates! von Sid Meier ist ohne Frage ein Kultspiel und auch die Überarbeitung Pirates! Gold machte viel Spaß. Ein richtiges Sequel gab es aber leider nie. 2004 erschien dann dieses Remake, welches das Spiel in das neue Jahrtausend führen sollte. Wie immer spielt man einen Pirat, der ganz unten mit einem kleinen Schiffchen und wenig Besatzung anfängt. An sich könnte das Spielziel nun sein, der gefürchtetste Seeräuber der Karibik zu werden, aber das hat wohl nicht so ganz in das eher familienfreundliche Konzept gepasst. Schon im Intro fällt die Grafik auf, die ich eher einem neuen Teil von Monkey Island zuschieben würde (Um genau zu sein gibt die Hauptfigur von Pirates sogar einen besseren Guybrush Threepwood ab, als es Threepwood selbst in den Adventureteilen 3 und 4 war), sie wirkt sehr comichaft und im weiteren Spielverlauf, vor allem bei den Schwertkämpfen, wird man feststellen, das Humor eher angesagt ist als eine akkurate Piratensimulation. Das ist sicher Geschmackssache, aber ich hätte mir dann doch eine eher realistischere Grafik gewünscht und weniger comichafte Animationen. Da man, wie gesagt nicht den blutrünstigen Piraten mimen darf, ist man eher ein Seefahrer, der zwar andere Städte angreifen und Boote versenken kann sowie plündern, in erster Linie aber auf der Suche nach seiner verschollenen Familie ist. Bei Spielstart benennt man seinen Piraten und wählt eine besondere Fähigkeit aus. Soll er ein guter Seefahrer sein, besser im Schwertkampf oder soll sein größtes Talent das Tanzen sein um die Gouverneurstöchter rumzukriegen? Danach wählt man eine Epoche und die Nation für die man an den Start gehen will. Die Epoche bestimmt in erster Linie welche Länder welche Städte besitzen und wo die anderen Piraten so unterwegs sind, das Startland (vier gibt es: England, Frankreich, Holland und Spanien) bestimmt in erster Linie, bei welcher Nation man in der Gunst steht und da diese alle miteinander verfeindet sind, erhält man einen besonderen Bonus und eine Beförderung, wenn man etwa unter englischer Flagge die verhassten Holländer attackiert. Danach geht es auch schon auf das Meer hinaus. Man startet klein, kann aber direkt loslegen und Schiffe angreifen, was sich erstmal am meisten lohnt. Hat man ein Zielobjekt gefunden, wird der Kampfmodus gestartet, wo sich die Schiffe gegenüber stehen. Durch geschicktes Navigieren, wobei man auch den Wind beachten muss, sonst treibt man plötzlich hilflos auf der Stelle, muss man nun einerseits den feindlichen Kanonenkugeln ausweichen, das andere Schiff bearbeiten (normale Kugeln dezimieren feindliche Kanonen und Crew und dann gibt es noch spezielle Munition, welche die Segel des Schiffs zerstören und dieses Navigationsunfähig machen) und dann entweder versenken oder direkt daneben landen. Je nachdem wie viel Besatzung man selbst hat und wie viele der Feind, geben jene dann entweder auf oder es kommt zum großen Duell der Kapitäne. Auch diesen Zweikampf darf man selbst steuern und es gilt den feindlichen Kapitän zu besiegen. Eine Art Zeitlimit ist dabei gesetzt, denn auch die Besatzungen bekämpfen sich und wenn die eigene Crew dezimiert ist, hat man direkt den Kampf verloren. In den höheren Schwierigkeitsgraden darf man vor dem Kampf die Waffe wählen, von Rapier bis Langschwert, stehen drei zur Auswahl, wobei sich die Unterschiede eher in Grenzen halten. Hat man den Kampf gewonnen, bekommt man vielleicht ein paar Leute der feindlichen Besatzung dazu, kann natürlich die Güter plündern und sich entscheiden, ob man das Schiff in die Flotte übernimmt oder es versenkt. Letzteres lohnt sich eigentlich nie, denn die Schiffe sollte man eher in der nächsten Stadt verkaufen oder eben behalten, denn eine größere Flotte kann noch mehr Besatzung und Fracht beherbergen. Dreh- und Angelpunkt sind natürlich die Städte. Freundlich gesonnene Städte kann man jederzeit besuchen und dann die Schiffe reparieren oder verkaufen oder sie mit neuen Features ausstatten. So gibt es Bronzekanonen oder besonders feines Schießpulver um weiter feuern zu können oder etwa Kupferplatten, damit der Kahn nicht zu schnell absäuft sollte er getroffen werden. Beim Händler verkauft man dann die Beute und besucht noch schnell die Taverne. Hier kann man nicht nur neue Besatzung anheuern, sondern auch von einem zwielichtigen Piraten und einer nicht weniger zwielichtigen Bardame Informationen über Piraten, Städte und Schiffe erhalten. Ab und zu kommt es hier auch zu einem Schwertkampf oder man kann spezielle Gegenstände kaufen, wie etwa eine Geige damit die Moral der Männer auf See nicht zu schnell sinkt. Ein Besuch beim Gouverneur kann auch nie schaden, da man hier befördert werden kann, wenn man fleißig feindliche Schiffe versenkt hat oder Städte erobert und man kann sich an die Töchter ranmachen, wobei das über ein unglaublich nerviges Tanzminispiel stattfindet, wo man schnell angezeigte Tasten drücken muss. In feindliche Städte kann man sich reinschleichen oder gleich zum Angriff übergehen. Hier schaltet das Spiel dann in einen Rundenstrategiemodus um. Man postiert die eigenen Männer (Schwertkämpfer und Gewehrschützen) und sieht den Feind. Dann wird abwechselnd gezogen und gekämpft, bis eine Partei verloren hat. Die eroberte Stadt kann ausgeplündert werden, was ordentlich Gold bringt und wenn man einer Stadt besonders schwer zusetzte, kann man auch dafür sorgen, das eine andere Nation diese erhält, am besten natürlich jene, für die man sich zu Spielbeginn entschied. Damit das ganze nicht zu eintönig wird, gibt es in der Karibik noch viele andere Dinge zu tun. So kann man sich für Eskortmissionen entscheiden und muss dann ein Boot von A nach B führen, wobei Piraten als Feinde anzusehen sind. Die Top 10 Piraten der Karibik kann man auch jagen und erledigen, was dem eigenen Ruf zuträglich ist. Was darf nicht fehlen? Klar, die Schatzsuche. Beim Piraten in der Bar, gibt es dann und wann Schatzkartenstücke, hat man alle zusammen, kann man zum entsprechenden Ort segeln und suchen gehen. Dazu dann noch wie oben schon erwähnt die Familiensuche. Die Steuerung präsentiert sich sehr eingängig, mehr als den Ziffernblock und die Leertaste braucht man nicht, alternativ kann man auch per Maus steuern, was aber bei weitem nicht so gut ist. Leider darf nur ein Pirat an seiner Karriere arbeiten, zumindest ein Netzwerkmodus wäre sehr nett gewesen. Der grafische Comicstil ist sicher nicht jedermanns Sache, sieht aber zumindest recht gut aus. Leider hat man bei den Zwischensequenzen stark gespart, so das es nur etwa 3 verschiedene Stages für den Kampf auf dem Schiff gibt. Auch die Animationen sind nicht 100% gelungen, aber zumindest noch in Ordnung. Musikalisch klingt natürlich alles sehr piratig und karibisch, die Musikuntermalung passt sehr gut und nervt nicht. Die Soundeffekte sind ebenfalls gelungen und im Gegensatz zum restlichen Spiel realistisch gehalten. Sid Meier’s Pirates! ist ein gutes Remake, das eben nichts revolutioniert, dafür aber zeigt, das dieses Spielprinzip zeitlos genial ist. Auf der einen Seite mutet es recht simpel an, bietet aber genug Möglichkeiten und hat eben den „Nur noch dieser Angriff, nur noch diese Stadt“-Suchtfaktor, den gute Spiele auszeichnen. Kritisieren möchte ich neben dem verdammt nervigen Tanzen aber vor allem die Tatsache, das die Schwertkämpfe verdammt simpel sind und mir hier die Endsequenzen schon fast zu lächerlich sind. Im Prinzip besiegt man keinen seiner Gegner direkt, denn der feindliche Kapitän fällt entweder ins Wasser oder Feuer oder wird in der Bar von der Bardame erledigt. Hier hätte ich mir einige Sequenzen gewünscht, wo der Gegner einfach aufgibt und sein Schwert fallen lässt oder etwas ähnliches, das dem Spieler direkt zeigt „Den hast du fair im Kampf besiegt“. Dies sind aber nur kleine Kritikpunkte an einem ansonsten guten Spiel, das ich jedem empfehlen kann. Publisher: Atari Developer: Firaxis Erscheinungsjahr: 2004 Erschienen für: PC, Mac, Xbox Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Wählbar
 
| Grafik | 8/10 | | Spielspass | | Sound | 7,5/1 | 8/10 | | Gameplay | 7,5/10 |
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