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Soldier of Fortune PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
12.04.2008

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Raven Software war schon sehr mutig, als sie damals 2000 Soldier of Fortune veröffentlichen. Gerade zur damaligen Zeit gab es, angetrieben durch andere Titel wie Postal oder Kingpin, mal eine der tausend Diskussionen rund um brutale Computerspiele. Soldier of Fortune schaffte es dann all diese Spiele wie Kinderkram aussehen zu lassen und sorgte für genug Kontroversen, nicht nur wegen der Gewalt sondern eben auch deshalb, wie diverse Behörden damit umgingen. Dass SoF in Deutschland auf dem Index gelandet ist, verwundert ja niemanden, praktisch jeder Egoshooter mit einem Pixelchen Blut landete zumindest zur damaligen Zeit dort. In Großbritannien sah man sich gar dazu gezwungen das Spiel wie einen Film zu behandeln und es als Adult Motion Picture Restricted zu deklarieren, so dass nur noch Personen über 18 rankommen. Ein einzigartiger Fall.

Schuld daran war Ravens Ghoul Engine. In den meisten Egoshootern schießt man auf Gegner und sie fallen einfach um. Manchmal gibt es noch eine kleine Extraanimation für Kopfschüsse. Ghoul geht weiter und unterteilt die Gegner in verschiedene Trefferzonen, die alle unterschiedliche Reaktionen auslösen. Schießt man also beispielsweise mit einer Pumpgun auf das Bein fliegt dieses weg. Man kann sämtliche Gegner gekonnt in Einzelteile auseinander nehmen. Einen spielerischen Wert hat das nicht, man wollte das Spiel eben „realer“ machen. Ich habe eher die Vermutung, dass man damit einfach eine Kontroverse auslösen wollte, damit das Spiel so bekannt wird und dass es sich richtig gut verkauft.
Wobei mich das persönlich nicht stört, wenn ich mit einer Schrotflinte auf einen Kopf schieße, zerplatzt der eben und nach 3-4 Gegnern achtet man schon gar nicht mehr darauf. Natürlich kann man die Gewalt auch im Menü deaktivieren und wer so mutig ist, kann gar versuchen das Spiel auf ganz friedliche Art und Weise zu spielen. Denn die Gegner geben sofort feige auf, wenn man ihnen die Waffe aus der Hand schießt und so muss man sie nicht beseitigen. Wobei das wiederum schlecht für die Statistik ist, denn die führt ganz akribisch auf, wie viele Kopfschüsse, Tiefschüsse und Gibs (also das Zerfetzen der Gegner, so dass sie sich über den Raum verteilen) man so erzielt hat. Ob es solch eine Statistik nun wirklich braucht, ist natürlich auch fragwürdig genug.

3-4 Gegner erlebt man schon im ersten Abschnitt des ersten Levels. Dieser spielt in einer New Yorker U-Bahn und SoF entpuppt sich ganz schnell als Arcadeshooter, denn auch wenn man mit John Mullins einen echten Söldner als Berater hatte und das Spiel auf seinen Erlebnissen basieren soll, ähnelt es wesentlich mehr Quake als Rainbow Six. Man rennt rum, tötet Gegner und sammelt Munition sowie Medipacks ein. Aufgelockert wird das Ganze durch die Tatsache, dass in der U-Bahn auch noch einige Zivilisten am Leben sind – die darf man natürlich nicht töten (bzw. nicht zu viele), sonst ist das Spiel vorbei. Von New York geht es raus in die weite Welt. Sibirien, Tokio und bis nach Hannover geht es. Die Schauplätze sind dabei abwechslungsreich gestaltet, bieten aber an sich kaum neues. Wie oft ist man schon durch Fabriken und Raketenanlagen gestürmt? Abwechslung kommt in Form eines japanischen Restaurants oder einer Burg in Deutschland – das erinnert dann tatsächlich auch sehr an Wolfenstein. Das Leveldesign kann aber trotzdem überzeugen. Die Orte sind realistisch dargestellt und auch wenn alles sehr linear zugeht und man höchstens mal einen Schalter suchen muss, wird das Ganze nicht langweilig. Zumindest recht hübsch fand ich den Einsatz im Irak, da er, ähnlich wie Japan eben von der Architektur her ganz anders aussieht als die 08/15 Bauten. Leider ist das auch einer der schwersten Level, da hier jede Menge Zivilisten rumstehen und rennen und sie dann doch leicht in die Kugeln springen.
Zusammengehalten wird die Hatz durch Sequenzen die in Spielgrafik gehalten sind und eine Handlung die eine Afrikanische Nazigruppe und ihren fiesen Anführer Dekker in den Mittelpunkt stellt. Diese Gruppe hat 4 Atomsprengköpfe geklaut und plant nun übles.

Den Gegnern rückt man mit insgesamt 10 Waffen zu Leibe. Von der Standardausrüstung wie Messer, Desert Eagle und Shotgun geht es hin zu schwerem Geschütz wie einem Raketenwerfer und mit der Mikrowellenwaffe und dem „Slug-Thrower“ gibt es auch 2 höchst unrealistische Sci-Fi Waffen. Die Schießprügel stehen auch sehr im Mittelpunkt. Die Nachladeanimationen sind ausführlich dargestellt, so sieht man das höchstens noch bei Black. Lässt man die Spielfigur ein paar Momente irgendwo stehen fängt sie auch an mit diesen rumzuspielen. Die Waffen haben alle unterschiedliche Stärken. So ist die Desert Eagle eben tatsächlich eine kleine Shotgun und richtet aus nächster Nähe großen Schaden an (den man dank Ghoul auch direkt sieht), wogegen die normale Pistole so schwach ist, dass man mehrere Treffer erzielen muss damit der Feind zumindest zu Boden fällt. Zusätzlich gibt es noch Granaten und C4.
Die Gegner sind ebenfalls abwechslungsreich. Von den Punks in der U-Bahn geht es weiter zu Soldaten, gepanzerten Soldaten, solchen mit Raketen- oder Flammenwerfern und schwer gepanzerten, die schon fast an Cyborgs erinnern.

Wie eingangs schon erwähnt ist das Spiel ein Arcadeshooter, aber trotzdem hat man „realistische“ Elemente eingebaut. Die Zivilisten sind eine Sache, die Waffen haben aber auch einen Recoil und dann gibt es noch einen Lautstärkemeter. Ist man zu laut, weil man sein Magazin entleert, kommen mehr Gegner. Man will den Spieler wohl zwingen leise vorzugehen – aber da mehr Krach mehr Gegner bedeutet ist man doch lieber so richtig laut.

Intelligent sind die Gegner dabei nicht. Sie verlassen sich eher auf die zahlreichen Scripte der Programmierer. Man kommt um eine Ecke und automatisch kickt der Gegner einen Tisch um und sucht sich dahinter Deckung. Hat man ihn beseitigt, geht man weiter und plötzlich fliegt hinten eine Tür auf und der Gegner steht da. Die Scripte sorgen einerseits dafür, dass man nach dem ersten Mal spielen keine neuen Überraschungen mehr erlebt und andererseits gibt es Probleme wenn man so ein Script quasi außer Kraft setzt. In der U-Bahn bin ich in einen Raum rein. Man hört von draußen drei Gegner anrücken und kann sie durch das Fenster erschießen. Das sollte man aber nicht, denn der eine von ihnen kickt die Tür auf. Tötet man den Gegner nun wird die Tür nicht geöffnet und man kommt nicht mehr raus. Das nervt nicht nur, denn teilweise kommt man echt nicht weiter, manchmal steigt der Tote aber auch als Zombie wieder auf, humpelt zur Tür und tritt diese ein. Das sieht zumindest dann sehr witzig aus.

An die Mehrspieler wurde auch gedacht. Leider fehlt ein Co-op Modus, der sicher ganz spaßig gewesen wäre. So bekommt man Deathmatch und Capture the Flag. Als recht eigene Modi gibt es das „Realistic Deathmatch“, hierbei ermüdet man wenn man zu viel rumrennt, man muss die Waffe manuell laden und Treffer können den sofortigen Tod bedeuten.
Assassin erinnert sehr an den VIP Modus von Counter-Strike. Ein Spieler ist das Ziel welches vom anderen Team beseitigt werden muss.
In Arsenal darf man Gegner nur mit einer automatisch vorgegeben Waffe töten.

Die Grafik in Soldier in Fortune ist ganz gelungen. Man verwendet eine Quake 2 Engine, die stark modifiziert wurde. Das Alter sieht man dem Spiel mittlerweile vor allem bei den Levels an. Die Texturen sind doch recht arm an Details und eckig. Die Figuren sehen da schon besser aus und die Zwischensequenzen sind nett in Szene gesetzt. Aber an sich fand ich schon damals das Spiel grafisch nicht sonderlich beeindruckend.
Das gleiche kann man zur Musik sagen. Die rumpelt im Hintergrund rum und wird von den realistischen Soundeffekten, den Schreien der Gegner und Zivilisiten und anderen Geräuschend übertönt. Auch die Sprachausgabe ist gut gelungen.

Soldier of Fortune ist ein Skandalspiel, das den Skandal rund um die Gewalt gar nicht gebraucht hätte um aufzufallen. Es mag kein Megahit sein, trotzdem wird man beim ersten Mal spielen sehr gut unterhalten und gerade Fans klassischer Ego-Shooter werden wohl Gefallen daran finden.

Publisher: Activision
Developer: Raven
Erscheinungsjahr: 2000
Erschienen für: PC, Dreamcast
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Wählbar

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Grafik7,5/10  Spielspass
Sound7/10
8/10
Gameplay 8/10
Multiplayer 8/10

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