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Burgen bauen macht Spaß. Egal ob am Strand, mit Lego (Playmobil stinkt!) oder virtuell am PC. Letzteres geht seit 2001 vor allem sehr gut mit Fireflys Stronghold.
Als Burgherr hat man es aber schon nicht leicht. Andere Burgherren sind meist alles andere als friedlich und hat man erstmal seine Traumburg aufgebaut, stehen sie schon mit einer Armee da und wollen sie erobern. Ist der Feind beseitigt, kommt der nächste in Form der Bewohner. Diese arbeiten zwar fleißig, so wie es sein soll, wollen dafür aber auch Gegenleistungen. Sie wollen was zu essen, Bier sollte es auch geben, auf Religion mag nicht verzichtet werden, wogegen Steuern pfuibäh sind. Jene braucht man aber, um die Burg am laufen zu halten und so muss man gekonnt den Grad zwischen Geben und Nehmen bewältigen. Sehr klein wurden dagegen Dinge wie Ungezieferbeseitigung und Hygiene geschrieben und schon befällt die Pest die Burg oder fiese kleine Käfer fressen den Hopfen auf. Man hat es eben nicht leicht.
Ebenso wenig leicht gemacht wird es dem Spieler im Hauptmenü. Da steht die Qual der Wahl des Spielmodus. Will man einfach nur seine Traumburg basteln ohne dass Gegner kommen? Will man friedliche Missionen erledigen, wo man lediglich eine Mindestzahl an Resourcen erarbeiten muss? Wer den Pazifismus ablehnt, weil er was für Pussies ist, der greift zu Bogen und Schwert. Im kriegsbetonten Menü gibt es die Belagerung. Eine fertige Burg mit Einheiten wartet darauf, dass man sie vor den angreifenden Horden leitet oder dass man sie selbst versucht zu erobern. Bei der Invasion warten einzelne Szenarios, wo man vorgegebene Missionsziele erfüllen muss und entweder schon eine Burg hat, eine erst erobern oder aufbauen muss. Kampagnen gibt es dann auch noch. Sowohl eine kurze friedliche, als auch eine längere kriegerische, welche auch die Hauptkampagne des Spiels ist. Hier kämpft man gegen 4 böse Burgherren, verpackt in einer netten Story, die allerdings recht öde präsentiert wird. Keine Videos, nur kleine Portraits. Spaß macht die Kampagne aufgrund spannender, herausfordernder Missionen und der netten Sprachausgabe aber auf jeden Fall.
Das Bauen der Burg geht leicht von der Hand. Mauern setzt man einfach hin und dann stehen sie. Sie müssen also nicht erst von Bauarbeitern konstruiert werden, was auch für alle anderen Gebäude gilt. Bevor es aber daran geht, muss erst der Bergfried her, das Hautpgebäude, dann ein Lader für die Nahrung und dann kann es losgehen. Das wichtigste ist eben die Nahrung, ohne Essen werden die Leute unglücklich, die Beliebtheit fällt und die Bauern verlassen die Burg. Es gibt Jagdstände, Käse- und Obstgebäude sowie Getreidefarmen, die man nur auf bestimmtem Grund bauen kann, deshalb ist es schon mal wichtig, wo man den Kornspeicher hinstellt. Resourcen gibt es auch einige. Holz, Stein, Erz und Pech, letzteres wird zur Verteidigung der Burg benötigt. Dafür braucht man auch Soldaten und die entsprechenden Waffen, für welche man dann noch Waffengebäude bauen muss. Hier gilt die Devise: Je mehr, desto besser, denn die Waffenbauer bauen jeweils eine Waffe, tragen die dann zur Waffenkammer, gehen zurück, holen sich z.B. ein neues Brett und bauen die nächste Waffe. Das ist sehr zeitintensiv. Dann gibt es noch die Lederrüstungen der Armbrustschützen für welche man Rinder braucht, die man vom Käsebauer holt, wodurch aber die Käseproduktion ein wenig leidet. Dafür gibt es noch weitere lustige Gerätschaften, wie Katapulte oder riesige Schutzschilder. Als Angreifer kann man da auf Rammbocke, Belagerungstürme und Triboke zurückgreifen, mit letzteren kann man auch Tierkadaver in die feindliche Burg befördern, was zu einer lustigen kleinen Pestplage führt. Als wäre das alles nicht schon viel, gibt es noch zahlreiche weitere Gebäude von der kleinen Kapelle bis zur großen Kathedrale, einen Markt wo man Resourcen kaufen kann, diverse Verteidigungsanlagen und die ewige Frage ob man ein lieber oder ein grausamer Burgherr ist.
Als lieber Burgherr hat man den Vorteil, dass die Bürger glücklich sind, man erreicht das, in dem man Gärten, einen Tanzbären oder andere Nettigkeiten in die Burg stellt. Der Nachteil ist, dass die Arbeiter dann lieber dort rumhängen als zu arbeiten. Als grausamer Herrscher, was man durch diverses Folterspielzeug erreicht, arbeiten die Leute mehr, sind dafür aber eben auch unglücklich. Trotzdem macht es natürlich mehr Spaß, der große Tyrann zu sein.
Irgendwann rückt dann der Feind an. Hier zeigt sich das Spiel von seiner beeindruckenden Seite, wenn auf der Burg 100 Bogenschützen stehen und auf der anderen Seite 200 Einheiten mit lautem Gebrüll heranstürmen und sofort massenhaft Pfeile durch die Gegend fliegen sieht das sehr imposant aus. Stronghold offenbart hier aber auch einige Schwächen. Die Verteidigung einer einigermaßen sicher angelegten Burg mit ausreichend Bogenschützen ist mehr als einfach. Selbst weniger Bogenschützen reichen aus, wenn man mit Pechgruben und Mörderlöchern arbeitet, der Feind sieht diese nämlich nicht und rennt rein. Auch sonst ist es mit der KI nicht sehr weit her, vielleicht Absicht, weil damals im Mittelalter eben die Devise „Immer voll rein“ galt und taktisches Vorgehen nicht wirklich bekannt war. So stürmen die Einheiten auch hier voll auf die Burg zu – und mitten in ihren qualvollen Tod. Leicht gemacht wird es auch dadurch, dass man meist vorher schon weiß, aus welcher Richtung der Feind ungefähr kommt. Die versammeln sich nämlich an einem Hinweisschild. Baut man dort in der Nähe (Zu nah geht nicht) ein kleines Fort mit Bogenschützen, kann man den Gegner schon aufreiben, ehe er die Burg auch nur ansatzweise zu Gesicht kriegt. Durch die schieren Massen und Gegnerwellen die in knappen Intervallen kommen, bleibt es aber oft trotzdem eine Herausforderung, zumal man auch die Geschwindigkeit des Spiels hoch und runterregeln kann. Höchster Schwierigkeitsgrad, maximale Geschwindigkeit und der Feind steht da ehe man seinen Bergfried platziert hat, hier driftet das Spiel auch schon mal Richtung unfair schwer ab. Hinzu kommen noch weitere Feinde. Einzelne Räubertruppen können auftauchen oder Bären und Wölfe treiben ihr Unwesen, da man nur die Armee, aber nicht die Zivilbevölkerung steuern kann und die meist stur ihrem Arbeitsplan nachgehen, sind sie ein leichtes Opfer.
Für die Langzeitmotivation liegt ein sehr komfortabler Map Editor bei, mit dem sich spannende Szenarien sogar mit gescripteten Events erstellen lassen. Durch eine große Fangemeinde gibt es schon haufenweise Maps und Kampagnen. Und wer die KI dann doch für zu nervig findet, kann auch einfach im Multiplayer gegen einen Freund antreten.
Grafisch kommt das Spiel unspektakulär daher. 2D Grafik in der Isoperspektive, die man aus 4 Richtungen beobachten kann, eine Zoomstufe gibt es. Zwar hat alles einen realistischen Look, aber dafür haben die Einheiten, Tiere aber auch z.B. Wasserfälle nur recht wenige Animationsstufen. Es ist eben schon etwas älter. Die Musik ist schön mittelalterlich, sorgt also für die richtige Atmosphäre und wird nie nervig. Die Soundeffekte sind sehr gut und realistisch. Bei der Sprachausgabe präsentieren sich Licht und Schatten. Die freakigen Stimmen der 4 bösen Burgherren sind lustig, vor allem das Schwein wird seinem Namen gerecht und grunzt dass sogar Tim Taylor blass werden würde. Aber wir haben hier wieder das typische Strategiespielproblem. Einheiten haben maximal 2 Sätze die man in einer Partie eben tausendmal hört und nach dem zehnten „Das können sie hier nicht bauen“ oder „Ein weiter Weg“ (Einheiten meckern immer, wenn sie sich mehr als 10 Meter bewegen müssen) nervt es einfach.
Stronghold macht großen Spaß. Egal ob man einfach seine Traumburg bauen will oder sich in die Schlacht stürzt. Die Herausforderung ist ebenso wie der Spielspaß sehr groß, so dass auch die dämliche KI nicht allzu sehr negativ ins Gewicht fällt. Da eigentlich sämtliche Nachfolger enttäuschten ist auch heute noch der erste Teil die erste Wahl.
Publisher: Take 2, God Games Developer: Firefly Erscheinungsjahr: 2001 Erschienen für: PC, Mac Anzahl Spieler: 1-2 Schwierigkeitsgrad: Wählbar

| Grafik | 6,5/10 | | Spielspass | | Sound | 8/10 | 9/10 | | Gameplay | 8,5/10 |
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