|
„Syberia ist eine Insel. Eine Insel irgendwo im Meer... Die Leute sagen, Syberia gäbe es nicht. Aber die Leute irren sich...
Bringen Sie mich nach Syberia, Kate! Schwören Sie es mir, Kate!“
Mit diesen eindringlichen Worten beginnt Syberia II und gemeint ist natürlich Kate Walker. Die Rechtsanwaltsgehilfin hatte im ersten Teil den Auftrag bekommen, den Nachlass einer Automatenfabrik zu regeln. Doch dabei war sie auf einen weiteren rechtmäßigen Erben gestoßen, Hans Vorarlberg, den genialen Erfinder dieser Automaten. Mit Hilfe des mechanischen Lokomotivführers Oscar machte sie sich auf den Weg, Hans zu finden, was schließlich gelang. Und so beginnt der zweite Teil auf der Fahrt im Zug, immer weiter ins tiefste Sibirien auf der Suche nach der sagenumwobenen Insel Syberia, wo die Mammuts leben.
Verfolgt von zwielichtigen Gestalten ist der erste Zwischenstopp in Romansburg, hier müssen einige Gespräche geführt und Rätsel gelöst werden, bevor der Zug endlich wieder abfahrtbereit ist. Aber Hans verschwindet, so dass man zunächst noch ein Kloster aufsuchen muss und irgendwann kann die Reise fortgesetzt werden, ehe nach einer sehr schönen, längeren Zwischensequenz die Reise jäh unterbrochen wird. Doch schließlich landet man in einer Höhle der Eskimos und nach einer wirklich sehr ergreifenden Sequenz, die hier nicht verraten werden soll, steht schließlich die letzte Fahrt nach Syberia an.
Die Personen und Nebencharaktere sind einem nicht egal, zu stimmig ist das Ganze und so fiebert man bei diesem Spiel mit, die melancholische, surreale Grundstimmung des ersten Teils wird wieder erreicht, die Hintergrundgrafik traumhaft schön, die Animationen der Figuren wirken manchmal noch etwas hölzern, aber verbessert gegenüber dem Vorgänger. Musik und Soundeffekte passen sehr gut, die Rätsel sind etwas einfacher bzw. logischer als im Vorgänger, aber auch teilweise immer noch etwas umständlich. Und so bleiben die Kritikpunkte bestehen: Teilweise zu leer, zu lange Laufwege - gerade die Kleidungswechsel in Romansburg nerven – und die Synchronisation ist deutlich schwächer als bei Spielen wie Black Mirror oder Ni-Bi-Ru. Zum Glück ist diese aber auch nicht richtig schlecht.
Wie bereits beim Vorgänger gesagt, Syberia muss man einfach am Stück spielen, denn es wird ja eine Geschichte erzählt, die erst hier endet. Und diese ist wunderschön, melancholisch, episch und packend vom ersten Moment. Zu Beginn treibt einen die Faszination der Automaten, zum Ende hin möchte man wissen, wie das alles wohl ausgehen wird. Man möchte Syberia finden und sehen, wie es da ausschaut. Ob es noch Mammuts gibt? Die Charaktere entwickeln sich im Verlauf des Spiels, sie gewinnen an Profil und Tiefe. Dabei ist keine Wandlung zu unglaubwürdig oder ruckhaft, alles geschieht allmählich nach und nach.
Zum Schluss folgt auch hier wieder der Hinweis auf die Deluxe-Version des Spiels, die neben beiden Teilen auch ein Making Of enthält und Spielen ohne DVD ermöglicht, weil der Kopierschutz entfernt wurde. Wer also Adventures mag und etwas Geduld mitbringt, sollte Syberia II nicht verpassen, denn die Fortführung der Geschichte ist ebenso gelungen wie der erste Teil. Obwohl die Handlung vom Vorgänger hier in einem Video zusammengefasst wird, sollte man diesen aber auf jeden Fall vorher gespielt haben, um die Geschichte wirklich genießen zu können wie einen guten Roman.
Publisher: Atari Developer: Microids Erscheinungsjahr: 2003 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Mittel
 
| Grafik | 8/10 | | Spielspass | | Sound | 7/10 | 8/10 | | Gameplay | 6,5/10 |
Im Forum kommentieren |