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Syberia PDF Drucken
Geschrieben von Minsc   
16.03.2007

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2002, zu einer Zeit als klassische Point & Click – Adventures sehr selten waren, erschien Syberia von Microids. Der Comiczeichner und Autor Benoît Sokal, dessen Feder bereits Amerzone entstammt, drückt diesem Spiel wieder seinen ganz eigenen Stil auf, die Vermischung von Realität und Fiktion, verschmelzend in einer wunderschönen Welt.

Valadilène, ein kleiner, fast ausgestorbener Ort in den französischen Alpen. Kate Walker, Anwältin aus New York, hat hier einen kleinen Routineauftrag auszuführen: eine Spielzeugfabrik soll verkauft werden. Doch bereits das sehr stilvolle Intro verheißt nichts Gutes: Eine mechanische Kutsche mit Sarg wird von einem dunklen, mysteriösen Automaten-Trauerzug begleitet.

Gestorben ist Anna Voralberg, die Besitzerin dieser Spielzeugfabrik, und alsbald stellt sich heraus, dass es überraschenderweise doch einen Erben gibt: ihren Bruder Hans, der vor über 50 Jahren für tot erklärt wurde. Allerdings findet Kate recht schnell heraus, dass Hans doch lebt, aber verschollen ist – und so macht sie sich auf die Suche und nimmt eine schwere Reise in das Unbekannte auf sich.

Die Geschichte von Syberia ist ganz klar die Stärke des Spiels, toll erzählt, ein originelles Szenario. Überall finden sich Hinweise auf die genialen Automatenkonstruktionen des Hans Voralberg, nicht zuletzt der mechanische Zug und Oscar, der Zugbegleiter, ebenfalls ein Automat. Und so beginnt eine Reise ostwärts durch das tiefste Sibirien, die Suche nach Hans – und dessen Traum, Syberia zu finden, jene unbekannte, unerforschte Insel, wo noch Mammuts leben. Zunächst geht es nach Barrockstadt und die dortige Universität, später in die Industriestadt Komolzgrad und nach Aralbad, mit Hotel an einem erholsamen See. Alle Orte sind sehr unterschiedlich, sie wirken einerseits real – aber allein durch das Zusammenspiel aus Geschichte, Musik und Grafikstil wie einem Traum entliehen oder eben unwirklich. Und das so durch ein komplettes Spiel durchzuziehen, eine Welt, in die man völlig abtauchen kann, und eine Handlung, in der man mit den Charakteren fiebert, man einfach wissen will, wie es weitergeht – genau das ist es, was Syberia auszeichnet. Die stimmungsvollen Zwischensequenzen passen da absolut in das Gesamtbild, Höhepunkt hierbei ist der Auftritt einer alternden Operndiva, ein ganz großer Moment des Spiels.
Hin und wieder wird man aus der Handlung herausgerissen, immer wenn Kates Handy klingelt, ihr Freund, die Mutter oder das Anwaltsbüro dran ist – das verleiht ihr eine zusätzliche Tiefe, weil man eben erfährt, wie ihr Leben wohl vorher ausgesehen hat – und man fragt sich, ob man dahin wirklich zurückkehren wollte...

Die Hintergründe sind wunderschön, die 3D-Charaktere sehen ebenfalls gut aus, allerdings bewegen sie sich recht hölzern. Ein häufiger Kritikpunkt ist, dass die Welt von Syberia zu unbelebt und steril wirkt – das stimmt zwar, ich finde es aber nicht so schlimm, denn es unterstreicht den surrealen, melancholischen Flair des Spiels, es ist ja schließlich Sibirien und nicht New York.
Spärlich eingesetzte Musik verstärkt dieses zeitlose Gefühl ebenfalls, und Soundeffekte gehen in Ordnung. Das kann man über die Synchronisation leider nicht unbedingt sagen, allenfalls Durchschnitt -  wenigstens nervt Sprecherin der Kate Walker nicht. Trotzdem ganz klar ein Schwachpunkt des Spiels – und davon gibt es leider einige.

Zunächst sind da die Rätsel, wirklich originell und herausfordernd sind diese meistens nicht, aber unlogisch oder richtig schlecht auch nicht, meist weiß man eben, wo man wie weiterkommt, das Problem ist dann eher, genau die „richtige“ Person genau das „richtige“ zu fragen. Im Inventar selbst sind allerhöchstens eine Hand voll Gegenstände, die sich auch zudem nicht untereinander kombinieren lassen, dazu kommen die üblichen Schalterrätsel oder Schlüsselsuchereien.
Wie es leider eine richtige Unart geworden ist, entfällt hier auch viel Zeit darauf, den Bildschirm pixelgenau abzusuchen. Oder man kann Gegenstände erst mitnehmen, wenn man sie braucht bzw. mit jemandem darüber gesprochen hat – das muss doch nicht sein, zumal dadurch der größte Kritikpunkt noch stärker ins Gewicht fällt: die ewige Lauferei. Und das nervt richtig, denn manchmal muss man wirklich über mehrere Bildschirme gehen, um einen Raum zu finden, da mit jemandem sprechen und danach wieder ganz zurück, um einen ganz bestimmten Gegenstand zu holen, den man an dritter Stelle dann verwenden kann. Selbst bei Monkey Island gab es schon diese praktischen Übersichtskarten, wo man bestimmte Orte sofort per Klick erreicht – warum nicht hier? Klar, um die Spielzeit zu strecken, aber das hätte Syberia gar nicht nötig gehabt. Dazu kommt eine etwas umständliche Steuerung – und teilweise sich wiederholende Sequenzen bei Treppen, Leitern und dergleichen.

Somit ist Syberia ein tolles Adventure, mit wunderschöner Grafik, guten, glaubhaften Charakteren in einer unwirklichen Welt, in die man wieder und wieder abtauchen möchte, auch weil die Geschichte toll erzählt wird. Das wirkt alles wie aus einem Guss: Orte, Personen, Grafik, Musik und Story, selbst die Nebencharaktere haben meist ein surreales Element und fügen sich da nahtlos ein. Die (unnötige) ewige Lauferei ist jedoch nervig und gerade für ungeduldige Spieler abschreckend, über diesen und andere Schwachpunkte kann man aber hinwegsehen, denn die Abenteuer der Kate Walker in der Welt der Automaten sind wirklich gelungen  
Wenn man sich Syberia kaufen möchte, sollte man auf jeden Fall zur Deluxe – Edition greifen, denn da hat man für ca. 15 Euro gleich beide Teile zusammen – und erst in Syberia II erfährt man, wie die Geschichte endet...

Publisher: Vivendi Universal
Developer: Microids
Erscheinungsjahr: 2002
Erschienen für: PC
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Mittel

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Grafik8/10  Spielspass
Sound7/10
8/10
Gameplay 6,5/10
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