Home arrow Spiele arrow PC arrow Teamchef 10 Februar 2012  
Kingdom of Desire
HomeForumImpressum
Spiele
Bücher
Filme
Hardware
Musik
Konzerte
Artikel
Wrestling
 
Teamchef PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
24.06.2010

Methoden freier Neugestaltung, so der doch recht vollmundige Name eines kleinen deutschen Entwicklerlabels, das  lediglich dieses eine Spiel produziert hat. Über den weiteren Verlauf dieser Entwickler ist mir leider nichts bekannt.
Erschienen ist dieser Fussballmanager Anfang 1996 und lief nur unter Windows, was damals doch noch etwas ungewöhnlicher war.

Am Anfang stellt man erstmal eine merkwürdige Bedienung fest, denn über das Setup Menü muss man erstmal einen Manager erstellen und diesen ins Spiel einfügen, erst dann, darf man selbiges starten. Ist man im Hauptmenü angekommen, geht es zur Vertragsverhandlung, auch diese ist ein klein wenig umständlich gemacht. Das erste Angebot, das man bekommt, ist nämlich immer vom schwächsten Team der ersten Liga (nebst Deutschland gibt es noch England, Italien, Frankreich und Spanien als spielbare Länder) und so muss man mühsam seinen Vertrag kündigen, einen neuen aushandeln und dann womöglich das ganze noch 10-15x wiederholen, bis man endlich bei „seinem“ Verein ist. Auf der einen Seite wollten die Entwickler damit sicher eine Art Karrieremodus machen, wo man sich von unten nach oben raufarbeiten muss, da man dies aber leicht umgehen kann, hätte man auch direkt eine komfortable Auswahl machen können.

Hat man seine Mannschaft gewählt, beginnt die Vorbereitung der Saison 1995/96. Was als erstes auffällt, ist ein für die damalige ungeheuer stylisches Menü. Das Hauptmenü bietet am rechten und linken Bildschirmrand Icons, über die man zu den Vereinsabteilungen gelangt. Jedes Menü ist mit passenden Hintergrundbildern untermalt, etwa einem Taschenrechner im Finanzmenü oder einem Taktiktisch im Aufstellungsmenü. Alles wirkt sehr übersichtlich, aufgeräumt und ist dank SVGA Grafik sogar den damaligen Spitzenmanagern wie Anstoss, BHM oder Hattrick überlegen. 
Auch bietet das Spiel einige Features, die es so noch nie zuvor bei einem Fussballmanager zu sehen gab. So kann man Heimspiele mit Plakaten und Fernsehwerbung bewerben, man kann ein Stadionmagazin veröffentlichen und diesem einen eigenen Namen geben. Auch für die Fans kann man etwas zur Unterhaltung bieten. Autogrammstunde, Verlosungen im Stadion und in der Halbzeitpause vielleicht Cheerleader oder direkt eine Liveband.

Das wichtigste ist aber natürlich die Mannschaft und der Spielbetrieb. Seine untergebenen Ballkicker kann man trainieren, wobei man die Intensität in drei Bereichen (Taktik, Kondition, Technik) festlegt und dann noch in einzelnen Bereichen die Trainingsschwerpunkte festlegt. Sollen eher flache Pässe oder Flanken trainiert werden? Freistöße? Abwehr? Torschuss? Wie gut das Training am Ende ausfällt, hängt aber auch vom Trainerstab ab. Trainer und Co-Trainer können eingestellt und gefeuert werden. Jede Trainingsrunde wird dann mit übersichtlichen Diagrammen dargestellt, wo man direkt sieht, ob das Training ein Erfolg war oder sich Spieler gar verschlechtert haben. In letzter Not schickt man sie eben in ein Trainingslager, auch diese sind in unterschiedliche Schwerpunkte wie Technik- oder Konditionstrainingslager unterteilt.

Ebenso muss man sich um Jugendtrainer und den gesamten medizinischen Stab kümmern. Für die Jugendförderung kann man auch direkt noch ein hübsches Internat eröffnen und natürlich das Budget festlegen.
Ein Transfermarkt darf natürlich nicht fehlen. Man kann auch gezielt bei Vereinen suchen und versuchen, die Spieler abzuwerben. Die Vertragsverhandlungen verlaufen recht simpel, denn man legt nur die Ablöse, das Gehalt und die Vertragslaufzeit fest. Ob das Angebot angenommen wurde, erfährt man dann einige Tage später per Fax.
Die Aufstellung und Taktik ist auch wieder recht detailliert feststellbar. Man kann sogar grob festlegen ob Angriffe über die Mitte oder die Flügel stattfinden sollen oder ob man einfach nur grobes Kick & Rush praktiziert.
Auch das heimische Stadion will nicht ignoriert werden. Man kann es ausbauen oder direkt einen Neubau hinstellen, wobei man sich auf Architekturvorschläge verlassen kann oder direkt selbst ein bisschen rumbastelt. Eintrittspreise, Dauerkartenpreise sowie die Ausgaben für das Securityteam werden ebenfalls festgelegt.

Hat man am Ende alles festgelegt, geht es ins Stadion zum ersten Spiel. Dies ist der jeweilige Landespokal.
Die Spieldarstellung erfolgt recht einfach. Links und Rechts findet man die Mannschaftsaufstellungen, darüber die Vereinsnamen sowie der Spielzeit und die Spielminute. In der Mitte ist dann das Spielfeld und über dieses wuseln kleine runde Kreise. Rot und Blau sind die einzigen dargestellten Farben. Obwohl das ganze eben recht unspektakulär aussieht, wird tatsächlich richtiger Fußball zelebriert. Die Punkte rasen mit dem Ball (ganz kleiner weißer Punkt) über das Feld, es gibt Flanken und Pässe und richtig schöne Spielzüge. Man sieht das gesamte Spiel, auch das war damals noch fast ein Novum. In der Halbzeitpause gibt es dann sogar noch einen der oben erwähnten Events zu sehen. Diese Videos sind schon sehr niedlich inszeniert. Die Entwickler haben tatsächlich kleine Filme auf einem Bolzplatz gedreht, wo dann Cheerleader rumhüpfen oder eine Band so tut als wäre sie gerade in einem vollbesetzten Stadion. Wie schnell das Spiel abläuft, hängt vom PC ab. Ich kann mich erinnern, das es damals recht lang dauerte und man gute 10 Minuten für ein Spiel Aufwand. Auf meinem jetzigen moderneren PC dauert es dagegen keine 3 Minuten mehr.

Im Spielverlauf, wenn die Jahre verstreichen, kann es passieren, dass neue Regeln vom Verband vorgegeben werden. So kann es passieren, dass Unentschieden abgeschafft werden und stattdessen Verlängerung, möglicherweise sogar mit Golden Goal angesagt ist. Was wäre, wenn plötzlich wieder die alte 2-Punkte Regel aktiv ist? Wenn die UEFA plötzlich eine Europa Liga gründet? Alles das, ist möglich, muss aber nicht zwangsläufig in einer Karriere passieren.
Auch selbst kann man in seiner Liga für Veränderungen sorgen, denn man kann jederzeit mit einem anderen Verein eine Fusion eingehen. Dies sorgt aber für keine größeren Veränderungern, außer, dass sich der Clubname ändert und man die Spieler des anderen Vereins dazu bekommt.

Gänzlich frei von Kritik ist Teamchef natürlich nicht. Als erstes muss man natürlich anmerken, das es keine Originallizenzen gibt. Fantasienamen wohin man sieht. Immerhin gab es damals einen Editor, allerdings musste man sich für 20 DM extra einen Freischaltcode kaufen. Eine echte Community ist um das Spiel leider nie entstanden und so gab es nie komplette Datensätze. Das nimmt dem Spiel schon ein bisschen an Flair.
Aber auch wenn man dann die Mannschaften editiert hat, wird man feststellen, das die übernommen Stärken gar nicht beachtet werden, sondern in der ersten Saison immer noch die Stanrdardwerte des Originaldatensatzes gelten. So kann man die niedrigsten Clubs richtig stark hineditieren und kämpft trotzdem gegen den Abstieg. Auch die Spielerwerte nach dem Training werden nicht so 100% genau übernommen. Aktualisiert wird generell alles am Ende der Saison. Das ist schon ein grober Fehler.  
Wie immer, passiert es auch in diesem Spiel, das es zu merkwürdigen und unstimmigen Ergebnissen kommt, die bei einer Neuansetzung des Spiels dann plötzlich ganz anders aussehen. Aber dies plagt ja jeden Fußballmanager bis heute.
Ebenfalls kritisieren will ich die sehr kurze Spielzeit, das hat schon bei Anstoss 1 irgendwie genervt, beim Teamchef aber hat man tatsächlich nur ganze 11 Saisonen Zeit, Erfolge einzufahren. Aus meiner Sicht ist das absolut zu kurz.

Grafisch ist das Spiel wie gesagt recht interessant und stylisch gestaltet. Sicher wirkt vor allem die Spieldarstellung aus heutiger Sicht furchtbar altmodisch, aber 1996 war dies eindeutig der hübscheste Fußballmanager.
Musikalisch wird einiges geboten, von Synthiemusik zur Rockmusik in der Halbzeit. Die Soundeffekte sind ebenfalls recht realistisch. Dazu gibt es während dem Spiel noch Publikumsgeräusche und mitunter Schmährufe wie „Ihr könnt nach hause fahren“, auch wenn dies eher so klingt als wären maximal 20 Leute im Stadion. Trotzdem recht nett.

Das Rad neu zu erfinden ist nicht immer leicht und zweitens auch nicht immer sinnvoll. MfN haben versucht neuen Wind in das Genre der Fussballmanager zu bringen. Neben einigen wirklich guten und interessanten Ideen, ist man aber insgesamt ein wenig über das Ziel hinausgeschossen. Die Managererstellung, das Verein finden sowie die kurze Spieldauer sind Dinge, die es so nicht unbedingt gebraucht hätte und leider den Spielspaß etwas nach unten ziehen. Spaß hatte ich während dieser Spielphase nach mehreren Jahren, aber trotzdem. Irgendwie hat das Spiel einfach Flair und die meisten Features sind sehr gut umgesetzt. Für Genrefreunde also durchaus noch einen Blick wert.

Publisher: Microprose
Developer: Methoden freier Neugestaltung
Erscheinungsjahr: 1996
Erschienen für: PC
Anzahl Spieler: !-4
Schwierigkeitsgrad: Mannschaftsabhängig

ImageImage 

Grafik8/10  Spielspass
Sound7/10
7/10
Gameplay 8/10
Im Forum kommentieren
Letzte Aktualisierung ( 24.06.2010 )
 
< Zurück   Weiter >
Top of Page