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The Beast Within - A Gabriel Knight Mystery PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
14.11.2009

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Full Motion Video, Interaktiver Film – ab etwa 1994 waren dies die große Schlagworte im Bereich Computer. Der Multimediawahn war dank der CD-Rom als Datenträger ausgebrochen. Plötzlich wurden Spiele mit Videos ausgestattet und es gab überall CD-Roms mit interaktivem Inhalt. Wer sich an diese doch recht kurzlebige Zeit zurückerinnert, die bereits um 1997 wieder ihr Ende fand, wird dies meist mit Grauen tun. Die meisten Spiele die erschienen, waren nicht sonderlich gehaltvoll und „überzeugten“ meist lediglich durch stupide Handlungen und schauspielerische Minusleistungen.
Auch Sierra sprang zu dieser Zeit auf den FMV Zug. Swat, Phantasmagoria und Gabriel Knight 2 waren die großen Titel.

Um letzteres geht es hier. The Beast Within schließt direkt an den ersten Teil an, der noch eher ein konventionelles Adventure mit Sprachausgabe war. Beim Sequel gibt es Filmaufnahmen und man steuert seinen pixeligen Charakter durch Bilder. Die Sprecher des ersten Teils, stellte man allerdings nicht vor die Kamera. Obwohl dort namhafte Darsteller/innen wie Tim Curry, Leah Remini und Mark Hamill zu Werke waren, ist es wohl gerade im Falle von Curry auch besser so, denn diesen kann ich mir einfach so gar nicht als Gabriel Knight vorstellen.

Jener befindet sich in Bayern, genauer gesagt erstmal auf seinem Schloss Ritterburg, denn am Ende des ersten Teil wurde er ja über seine Vorfahren aufgeklärt und dass er ein „Schattenjäger“ wäre. Eines Nachts klopfen die Bewohner des nahe gelegenen Dorfes an die Tür und bitten Knight, für sie einen Fall aufzuklären. Ein kleines Mädchen verschwand und man vermutet einen Wolf oder gar einen Werwolf dahinter. Knight macht sich daran die Tat aufzudecken. Dieser startet erstmal konventionell: Zwei Wölfe sind aus dem Zoo entflohen, es sterben Menschen und die Vermutung liegt nahe, dass so der Fall schnell aufgeklärt sein könnte. Aber schon bald zeigt sich, dass mehr dahinter steckt und der Fall immer mysteriöser und verworrener wird. Ja, selbst König Ludwig II. und Richard Wagner spielen plötzlich eine Rolle, ebenso eine Jagdloge deren Mitgliedern man keinen Meter über den Weg trauen sollte.

Obwohl The Beast Within eben in das Genre des Interaktiven Films fällt, ist es doch ein Point & Click Adventure, wo man erstmal Gabriel Knight vor allem durch München und die nähere Umgebung schickt. Man sammelt Gegenstände ein und redet mit Leuten. Es gibt nur recht wenige Personen die eine wirklich wichtige Rolle spielen. Am wichtigsten sind die Assistentin Gerde sowie der Anwalt Übergrau, den man immer wieder mit Aufgaben belästigen wird.
Zum Start des 2. Kapitels schaltet sich dann Grace Nakimura ein, sie darf natürlich nicht fehlen und sie übernimmt man auch in diesem und dem 4. Kapitel. Die dazwischen spielt man dagegen wie gehabt mit Knight. Die beiden begegnen sich kaum, stattdessen schreiben sie sich fleissig Briefe.
Bestreitet man mit Knight die meiste Zeit in München und der näheren Umgebung, begibt man sich mit Grace raus nach Bayern. Von Bayreuth geht es bis zum Schloss Neuschwanstein und Herrenchiemsee, denn ihre Aufgabe ist es, Nachforschungen über Ludwig II., Richard Wagner und deren Verbindungen zu einem großen schwarzen Wolf festzustellen. Sehr schön hierbei, dass man viele Schaukästen in den Museen anklicken kann und man in Neuschwanstein sogar einer kleinen Tour durch die Räume beiwohnen kann.

Trotz all dem FMV Zeug präsentiert sich das Spiel als eher normales Point & Click Adventure. Man steuert seinen Charakter durch die Gegend und sammelt Gegenstände ein. Gespräche werden über Multiple-Choice bestritten. Die Rätsel sind eigentlich immer recht einfach und offensichtlich, da es an den meisten Schauplätzen nur wenige Aktionen zu tun gibt und das Spiel generell extrem linear ist. So gilt es etwa in der Jägerloge den Pförtner wegzulocken, weil man ihm einen Schlüssel klauen muss. Da man keine passenden Gegenstände dabei hat, schaut man sich einfach etwas um und stößt schnell auf ein Geschäft, das Kuckucksuhren verkauft. Eine hat Weckfunktion, die wie ein Klopfen klingt. Mit dieser Uhr, die man am richtigen Platz versteckt, kann man den nervigen Pförtner weglocken.
Die Linearität ist ab und zu aber auch ein Fluch, da mitunter Gegenstände erst auftauchen, wenn man zuvor alles gemacht hat, was möglich ist. So befand ich mich mit Knight in der Hütte der Jäger und sammelte eine kleine Kerze ein. Um dem Wald allerdings einen Besuch abstatten zu können, braucht man natürlich Streichhölzer. Diese liegen eigentlich am Kamin herum, tauchten allerdings erst (urplötzlich) auf, als ich auch im letzten Zimmer des Hauses war. Obwohl man dort absolut nichts machen konnte, war es wichtig dort zu sein.
Ebenso etwas nervig sind die Sequenzen wo es auf das perfekte Timing ankommt, da man ansonsten kurzerhand stirbt. Todesfallen gibt es zwar nur recht wenige, aber speichern sollte man trotzdem ständig. Vor allem am Ende im Labyrinth und dem finalen Kampf ist dann das Timing schon fast zu übertrieben wichtig. Hier gilt es, im Bruchteil einer Sekunde einen Mausklick auszuführen, den richtigen Zeitpunkt, muss man allerdings erstmal herausfinden.

Leider wurden die Szenen nicht vor Ort gedreht, stattdessen nutzte man Fotos und ließ die Schauspieler vor Blue-Screens auftreten. Mitunter kann man das an schwarzen Rändern erkennen oder das die Darsteller beispielsweise einen Klingelknopf nicht 100% treffen. Trotzdem hat das ganze eine recht hohe Produktionsqualität auch wenn die Videos etwas arg grob aufgelöst sind. 
Man hat sich sogar darum gekümmert, das alles zumindest halbwegs akkurat ist. So nutzt man einen (mittlerweile hoffnungslos veralteten, deshalb aber auch schon fast nostalgischen) U- und S-Bahn Plan vom MVV, um von Ort zu Ort zu kommen, die auch an den richtigen Stellen markiert sind. Auch die Positionen der Schlösser passen, lediglich das Kreuz, von der Stelle wo Ludwig II. ermordet wurde, hat man komplett falsch platziert, aber das wird wohl auch nur bayrischen Spielern auffallen.
Schön ist aber vor allem, dass man auf bayrische Klischees weitgehend verzichtet hat. Lediglich der Huber im Dorf ist ein wandelndes Klischee, da er nicht nur die bayrische Kneipe (mit Blasmusik) besitzt, sondern natürlich eine Lederhose trägt. Alle anderen Charaktere sehen dagegen recht normal aus und Wolpertingern begegnet man auch nicht.

Sehr witzig ist dafür die Sprachausgabe. Zumindest dann, wenn man das Spiel im Original spielt, was ich direkt empfehlen werde, da es einfach wesentlich spaßiger ist. Natürlich werden die Bewohner größtenteils von Amerikanern dargestellt, die aber trotzdem deutsch sprechen. Dies aber eben durchgehend mit Akzent. Eine aus der Jägerloge spricht Englisch mit französischem Akzent und der Polizist ist wohl definitiv Holländer. Zumindest der gute Wille ist vorhanden und es sorgt einfach für einen realistischeren Touch, wenn Gabriel Knight, der kein deutsch versteht, sich richtig schwer tut in München klar zu kommen. Hier versagt die deutsche Synchro, da eben alle deutsch reden und man nur einen halbherzigen Erklärungsversuch (Knight und Nakimura reden hochdeutsch, alle anderen Bayrisch und so verstehen sie nichts) gab, der aus meiner Sicht lächerlich ist.

Die Musik ist sehr abwechslungsreich und passt sich immer den Spielszenen an, von nettem Ambientsound bis zur Blasmusik und am Ende sogar ein Teil einer (fiktiven) Oper wird einiges geboten. Die Soundeffekte sind ebenfalls gut und realistisch. Etwas merkwürdig mutet die Sprachausgabe an. Die Qualität der Aufnahmen schwankt sehr stark und ebenso verändert sich schonmal die Tonlage der Sprecher von Absatz zu Absatz. Wer weiß, was hier im Tonstudio vorgefallen ist.
Grafisch bewegt man sich wie gesagt durch digitalisierte Bilder und erlebt Videosequenzen, die man entweder in einem winzig kleinen Fenster ansehen kann oder gestreckt als Fullscreen, wobei dann alles sehr grob aufgelöst ist. 

Die Darsteller machen ihre Sache gut, auch wenn man natürlich keine Oscarwürdigen Darstellerleistungen erwarten darf. Allerdings gefallen mir Dean Erickson als Gabriel Knight sowie Peter Lucas als Baron von Glower. Sehr schön anzusehen ist auch der Zickenkrieg zwischen Grace Nakimura (Joanne Takahashi) und Gerde (Andrea Martin). Der grunzige Polizeikommissar ist auch sehenswert.

Noch ein kurzes Wort zu den Datenträgern: das Spiel kommt auf insgesamt sechs CDs daher. Zumindest bei den ersten 5 Kapiteln wird man vor übertriebenem Gewechsel verschont. Jedes Kapitel hat eine Disc. Erst im letzten, Kapitel muss man dann öfter die Discs wechseln.

Interaktive Filme haben größtenteils zu Recht einen schlechten Ruf. The Beast Within: A Gabriel Knight Mystery dagegen belegt, dass man auch mit Videosequenzen und digitalisierten Bildern ein Adventure auf die Beine stellen kann, das nicht nur eine unterhaltsame, spannende Handlung bietet sondern auch mit guten Rätseln aufwarten kann. Mich konnte das Spiel jedenfalls sehr gut unterhalten.

Publisher: Sierra
Developer: Sierra
Erscheinungsjahr: 1995
Erschienen für: PC, Mac
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Leicht-Mittel

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Grafik8/10  Spielspass
Sound8,5/10
8,5/10
Gameplay 8/10

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