|
1997 stand sie an, die dritte Reise zur berühmtesten Adventureinsel: Monkey Island. Zu dieser Zeit war Lucas Arts schon nicht mehr das, was sie einst waren. Alle bekannten Designer wie Ron Gilbert, Dave Grossman oder Shelley Day haben das Studio verlassen und das schlug sich schon so ein bisschen in der Qualität der Spiele wieder. Weder Full Throttle noch The Dig kamen auch nur annähernd an die großen Klassiker wie Indiana Jones and the Fate of Atlantis oder Day of the Tentacle heran. Man kann da schon fast von einer kleinen Krise sprechen. Nachdem auch die Desktop Adventures zu recht schlecht ankamen, besann man sich wieder zurück zu der anderen großen Adventureserie: Monkey Island. Erinnern wir uns zurück an das merkwürdige Ende von Monkey Island 2: War alles nur ein Traum? Das Ende auf dem Vergnügungspark war schon recht ungewöhnlich und lies viele Fragen offen. Ich bin mir sicher, dass Ron Gilbert eine Idee für die Fortführung hatte, aber der war nicht mehr da. So sieht man im Intro Guybrush….holy Shit, wie sieht der denn aus? Ja, das Intro schockierte mich erstmal richtig. Comicgrafik kann ja ganz gut sein, aber was haben die aus unserem Lieblingspirat gemacht? Er sieht richtig dämlich aus, ist plötzlich 2 Meter groß mit einer Figur wie Goofy. Das passt irgendwie nicht. Aber da sitzt er nun, dämlich aussehend, im offenen Meer in einem Autoscooter und schreibt in sein Logbuch. Was folgt gibt schon ungefähr die Richtung des Humors vor: Er wünscht sich Wasser zu trinken – und schon schwimmt eine Flasche Wasser an ihm vorbei, die er nicht bemerkt. Dieser Gag ist so alt, das nicht mal mehr Comedyfilme ihn nutzen. Aber es geht weiter: Er will essen, das schwimmt dann auch vorbei und Hühnchen und Rum, auch die schwimmen vorbei. Einen Gag so oft in Folge zu bringen, das er von lustig zu unlustig und wieder zu lustig wechselt, ist eine Kunst. Ein Beispiel für solch eine Szene wäre die Rechenszene in der Simpsonsfolge Cape Feare, hier bei Monkey Island funktioniert es nicht, weil der Gag von Anfang an nicht lustig ist. Schade. Schade, ist auch das Wort, das ich generell zu diesem Teil nutze: Schade, das dieses Spiel so langweilig ist. Schade, dass es so uninspiriert ist. Schade, dass es ihn überhaupt gibt. Denn irgendwie wirkt Curse of Monkey Island wie so ein typisches Fanspiel: 3-4 Fans einer Spieleserie finden sich ein um selbst ein ‚Sequel‘ zu produzieren und da sie talentlos sind, übernehmen sie einfach alle Elemente und Ideen der Originalserie und stopfen sie in das Spiel, ob das nun passt oder nicht. Die Handlung fängt damit an, das Elaine mal wieder von LeChuck verfolgt wird. Guybrush kommt dazwischen und will nach wie vor Elaine heiraten, was er mit einem Ring auch schaffen würde, wäre der nicht verflucht. So verwandelt sich Elaine prompt in eine Goldstatue. Die wird von Piraten geklaut und so muss man sie finden und wieder zurückverwandeln, was aber nur mit einem anderen Ring klappt. So weit ist die Handlung ja ganz nett. Aber was ist mit Elaine eigentlich passiert? War sie in den vorherigen noch ein starker Charakter, wird sie hier zur jämmerlichen Jungfrau, was im Intro verdeutlicht wird. Charaktere plötzlich um 180° zu drehen ist nie eine gute Idee. In der Folge treibt man sich auf der Pirateninsel rum und erlebt quasi Monkey Island 1 auf ein Neues: Man muss zu einer anderen Insel kommen. Dafür benötigt man ein Schiff und eine Crew. Man hat das alles schon zuvor erlebt aber bei Teil 1 war das lustiger. Damals gab es die Schwertmeisterin, den Schwertmeister und die bekamen genug Zeit um sich als spaßige Charaktere zu etablieren. In diesem Teil nun rekrutiert man 3 Friseurpiraten, die im direkten Vergleich arg blass bleiben – bis auf Haggis McMutton, das ist ein witziger Charakter. Bei den Friseuren gibt es auch die wenigen guten Szenen, etwa als man einen Kunden vertreibt, weil man Läuse auf dem Kamm verteilt und Haggis direkt in Panig gerät. Bei der Szene musste ich wirklich lachen. Hat man seine Crew zusammen, geht es zu Blood Island…naja, fast. Ein Pirat der ebenfalls recht blass bleibt, taucht auf und es kommt zum Beleidigungsduell. Die alten Beleidigungen klappen nicht, weil auf dem Meer wird sich in Reimform duelliert. So muss man sich wieder mit zahlreichen Piraten duellieren um die ganzen Sprüche und Antworten zu erlernen. Im ersten Teil war das genial, hier wirkt es aufgesetzt und die meisten Reime sind nicht einmal wirklich gut ausgearbeitet. Reim dich oder ich fress dich. Dazu kann man sich nicht einfach mit den Piraten duellieren – nein, man muss sich vorher einen Bootskampfs liefern. Das sieht dann aus wie bei Sid Meier’s Pirates. War das wirklich nötig? Es streckt die Spielzeit nur und macht keinen großen Spaß, da die Steuerung des Schiffs per Maus auch nicht gelungen ist. Viel Recycling gibt es auch generell bei den Kulissen: Friedhof, Gruft, Leuchtturm und die altbekannten Kannibalen mit ihrem Dorf. Alles schon mal gesehen, wie wäre es mit neuen Schauplätzen? Wäre wohl zu viel verlangt gewesen. Hat man Elaine wieder zurückverwandelt, tauch auch mal LeChuck auf (Den man sonst nur in Zwischensequenzen sieht´- was auch gut ist, er sieht absolut lächerlich aus) und der Showdown startet. Auch dieser war eine Enttäuschung. Das ganze Ende (WIEDER in dem Vergnügungspark) war so enttäuschend, das ich am liebsten die trostlosen Szenen beschreiben würde, aber das wäre ein Spoiler. Belassen wir es bei dem Wort ENTTÄUSCHUNG in groß. Was bleibt also zu sagen: Es gibt durchaus ein paar nette Szenen. Murray, ein sprechender Kopf, der sich für furchtbar böse hält, ist verdammt witzig. Er ist aber leider der einzige neue Charakter, der wirklich überzeugen kann. Alle anderen sind uninteressant. Alte Charaktere? Stan darf natürlich nicht fehlen und das muss man Lucas Arts zugestehen: Sie haben (in der Originalversion) den absolut perfekten Sprecher für diese Rolle gefunden. Er klingt wirklich wie der typische Vertreter (bzw. erinnert er mich fast noch mehr an diese Sprecher aus dem Off die es bei Spielshows immer gab, als bestes Beispiels kann ich da nur den Sprecher der US Jeopardy Show bringen, wie er bei Weird Al Yankovics I lost on Jeopardy zu hören ist) und witzig wie immer (Seine Jacke ist sehenswert) Die anderen Sprecher sind in Ordnung. McMutton mit seinem schottischen Dialekt ist witzig und die Szene wo er und die anderen 2 Friseurpiraten ein Lied in Reimform anstimmen, ist brillant. Das Lied gibt es nur in der Originalversion. Die deutsche Version bietet also nicht nur schlechtere Sprecher, weniger Humor (das ist möglich!) sondern ist auch noch geschnitten! Die Musik ist auch noch ein Highlight. Die ist wirklich gut und kann mit MI2 konkurrieren. Bei der Grafik dagegen, kommt es wohl auf den persönlichen Geschmack an. Ich finde diesen übertrieben bunten, comichaften Stil schon fast etwas zu übertrieben. Die Wolken sehen lächerlich aus, die Charaktere sehen lächerlich aus, der Rest ist aber ganz in Ordnung. Genauso wird auch die Steuerung unterschiedlich aufgenommen. Die Zeit der Verbenleiste war schon bei Sam & Max Geschichte. Die Steuerung dort, wo man die ‚Verben‘ als Symbole über die rechte Maustaste auswählte, fand ich aber sehr gelungen. Bei Curse of Monkey Island orientierte man sich scheinbar aber eher an den Interplay Star Trek Adventures. Man drückt die linke Maustaste einige Sekunden, dann taucht ein Menü auf, in dem man auswählen kann, was man machen will. Etwas umständlich ist das schon. Die Rätsel schwanken zwischen richtig simpel und merkwürdig. Beispielsweise muss man an eine Landkarte kommen. Wie kommt man an diese? Ein Typ hat sie auf seinem Rücken, er liegt am Strand. Man muss dafür sorgen, dass er sich umdreht und dann muss man Öl benutzen, damit sein Rücken quasi verbrennt und man die oberste Hautschicht samt Karte abziehen kann. Bei der Szene gibt es einen der unzähligen unlogischen Momente: Guybrush kann nicht auf den Strand, da der Sand heiß ist und er Löcher in den Schuhen hat (Es wird sonst nie erwähnt, egal, über welchen Untergrund er läuft). Also wirft er nasse Handtücher auf den Sand um so zu dem Typ zu kommen. Bei dem rennt er aber plötzlich ohne Probleme über den eigentlich heißen Sand…es macht keinen Sinn. Was bleibt als Fazit? Ich war damals 1998 von dem Spiel enttäuscht. Ich bin 2011 immer noch enttäuscht. Das Spiel wirkt einfach einfallslos, belanglos und kann nur streckenweise unterhalten. Die Spielzeit ist auch recht gering und wird in erster Linie durch die Beleidigungsduelle/Pirates-Kopie in die Länge gezogen. Monkey Island 2 kam auf 5 Disketten, MI3 auf 2 CD-Roms….mehr Platz und Speicherverbraucht bedeutet eben nicht immer mehr Spielspaß. Ich bleibe da lieber bei den ersten beiden Teilen. Man kann fast sagen, das Curse of Monkey Island das Return of the Jedi der Monkey Island Reihe ist. Publisher: Lucas Arts Developer: Lucas Arts Erscheinungsjahr: 1997 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Leicht-Mittel
| Grafik | 7/10 | | Spielspass | | Sound | 9/10 | 5,5/10 | | Gameplay | 6,5/10 |
Im Forum kommentieren |