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 Vampire, die Schrecken der Nacht, treiben in der Folklore schon seit vielen hunderten Jahren ihr Unwesen. Meist werden sie als blutsaugende Dämonen dargestellt, hässliche Viecher in der Tradition des Films Nosferatu. John Polidori war der erste der die Vampire anders darstellte: Blutsaugende Nobelmänner die wie normale Menschen aussehen. 1819 erschien seine Geschichte „The Vampyre“ die dieses Bild manifestiert und später wohl auch ein wenig als Inspiration für Bram Stoker’s Dracula diente. In den 90ern veröffentlichten dann White Wolf Gaming Studios ein Pen & Paper Rollenspiel, das in der von ihnen erschaffenen „World of Darkness“ angesiedelt ist: Vampire: The Masquerade. Im Jahr 2000 erschien die erste Computerspielumsetzung in Form von Redemption. Einige Jahre später machte sich dann Troika Studios (Gegründet von Leuten die zuvor vor allem an Fallout mitgearbeitet haben) an ein weiteres Spiel rund um die Blutsauer. Vampire: The Masquerade räumt mit Vampirklischees auf und zeigt die Vampire in einem anderen Licht als es praktisch alle Bücher und Filme tun. Knoblauch und umgedrehte Kreuze sind nutzlos und nicht jeder Vampir ist gleich, denn es gibt unterschiedliche Rassen. Etwa die Nosferatu, die passenderweise so wie Graf Orlock aussehen, also mächtig hässlich. Dann gibt es etwa die Ventrue, die machthungrig sind und Firmen leiten. Recht witzig sind die Malkavian die einfach völlig gestört sind (und davon nicht geheilt werden können). Brujah, Gangrel, Toreador und Tremere runden das Vampirbild ab. Angesiedelt ist das Spiel im Los Angeles der moderne, wo sich Vampirclans um Macht und Reichtum streiten. Aber auch andere Monster wie Werwölfe und Ghouls treiben sich herum. Da kann man fast froh sein, das der alte Geisterjäger John Sinclair meilenweit weg ist, denn das wäre wohl das Paradies für ihn. Menschen gibt es natürlich auch und vor denen muss sich jeder Vampir schützen. Genau das ist „The Masquerade“. Bespringt man einen Menschen und saugt ihn aus, während andere Menschen das sehen, kommt das nicht gut an. Die Nosferatu haben es natürlich am schwersten, die Maskerade aufrecht zu erhalten, deshalb treiben die sich bevorzugt in der Kanalisation herum. Im Spiel heißt es Game Over, wenn man 5x gegen die Maskerade verstößt, wobei man durch manche Quests Maskeradepunkte zurückbekommen kann. Da Bloodlines ein Rollenspiel ist, darf man natürlich vorher seinen Spielcharakter erstellen und eine der Vampirrollen auswählen. Sie alle haben Vor- und Nachteile, Stärken und Schwächen. So können Tremere ihre körperlichen Attribute nicht über 4 steigern, Brujah sind Meister im Nahkampf aber können nicht mit Schusswaffen umgehen. Die Ventrue sind generell beliebt und akzeptiert unter den Vampirclans, können sich aber nicht von Ratten ernähren und auch das Blut von Prostituierten oder Pennern bringt sie eher zum kotzen. Hat man seinen Vampir ausgelegt, geht es direkt mit dem Intro und einem wählbaren Tutorial los. Danach befindet man sich in einem heruntergekommenen Hotelzimmer in Santa Monica. Anfangs ist eigentlich noch gar nicht so wirklich klar, worum es in der Handlung eigentlich geht. Man läuft durch die Straßen und sieht sich die Gebäude an. Die ersten Quests kommen, die wirkliche große Aufgabe kommt aber später und dreht sich um einen Sarg und mehrere verfeindete Vampirclans, aber man wird nicht allein gelassen, denn sobald man die billige Absteige verlassen hat, sieht man einen Mann, der eine meterlange Blutspur hinterlässt in ein Gebäude krabbeln. Man folgt ihm und bekommt eine erste Quest, in der man Sprengstoff besorgen soll. Durch ein Parkgebäude gelangt man an den Strand von Santa Monica und über ein Stahlgerüst in ein Gebäude, das von vielen Kriminellen belagert ist. Hier zeigt sich schon, das Vampire zwar ein Rollenspiel ist, aber die Action dominiert und hat man erstmal Schusswaffen, verwandelt sich das Spiel vollends zum First Person Shooter. Wie in diesem Genre üblich, ist man nach einiger Zeit eine überladene Kampfmaschine. Waffen gibt es reichlich, vom Messer zum Katana zur Axt über diverse Pistolen wie die .38er oder Desert Magnum zu Pumpguns oder einer Steyr Aug hin zu einem schicken Flammenwerfer. Der moderne Vampir von heute weiß sich zu wehren und sei es, das er mit einem abgetrennten Arm (Eine nutzlose aber eben sehr spaßige Waffe) auf die Feinde einprügelt. Zum Schutz gibt es Rüstungen, wobei diese eher normale Kleidung oder im Falle der weiblichen Malkavians wohl die Pornofantasien der Entwickler (Cowboykostüm, Polizeikostüm (Precinct 69….) aber man trifft im Spiel generell auch auf viele halbnackte weibliche NPCs) sind. Neben Waffen gibt es natürlich auch Magie, wobei jede Vampirrasse andere Zaubersprüche auf Lager hat. So können die verrückten Malkavians ihre Opfer auch verrückt werden lassen, so dass sie einen Lachkrampf kriegen und schnell vergessen was los ist. Ventrue können ihre Opfer gar zum Suizid überreden und wenn mehrere Feinde herumstehen gibt es den Massensuizid oder man gruselt sie einfach zu Tode indem man sich als Vampir offenbart. Was in anderen RPGs das Mana ist, ist bei Bloodlines das Blut, jeder Zauberspruch braucht Blut und so muss man für Nachschub sorgen. Das geht auch auf mehrere Arten, so kann man einfach einen armen Menschen in einer Gasse anspringen und aussaugen oder man kauft sich Blut in verschiedenen Qualitätsstufen in der Blutbank. Beim Menschen aussaugen sollte man darauf achten, das man nicht zu gierig ist, sonst stirbt der Mensch was Menschlichkeit kostet. Hat man jegliche Menschlichkeit verloren, verfällt man fortlaufend der Raserei, so das die Spielfigur unkontrollierbar durch die Gegend rast und ein Opfer zum aussaugen sucht. Raserei kann auch auftreten wenn der Blutlevel zu niedrig ist. Nach den ersten paar Nebenquests die man erledigt hat, tritt so langsam die große Hauptstory auf den Plan und die Welt von Los Angeles öffnet sich. Santa Monica ist zwar ein sehr interessanter Schauplatz mit dem Krankenhaus, dem Nachtclub und anderen Schauplätzen und zeigt schon, das die Macher ihrer Phantasie freien Lauf lies und mitunter völlig durchgeknallte und kranke Charaktere erschufen, wie etwa Stanley Gimble der sehr gern Menschen um ihre Körperteile erleichtert oder Therese und Jeanette Voerman die den Nachtclub Asylum betreiben und nicht das sind, was sie zu sein scheinen. Nach Santa Monica geht es Downtown, danach Hollywood und Chinatown sowie diverse kleinere Schauplätze für einzelne Quests. Insgesamt gibt es über 60 Haupt- und Nebenquests, so dass man einige Zeit beschäftigt ist. Viele davon kann man auf unterschiedliche Arten lösen. So bekommt man etwa den Auftrag sich auf ein Schiff zu schleichen um den Sarkophag unter die Lupe zu nehmen. Bestehen kann man den Auftrag auf drei Arten: Entweder schleicht man sich in bester Metal Gear Solid Manier zum Sarkophag oder ballert sich im Rambostil durch die Polizisten. Moderne Vampire nutzen einfach die Technik und die Überwachungskameras und erregen so überhaupt kein Aufsehen. In einer anderen Mission kann man sich entscheiden ob man der Besitzerin eines Clubs hilft oder sie an einen schmierigen Russen ausliefert. Je nachdem, wie man sich entscheidet hat man diverse Vor- und Nachteile im weiteren Spielverlauf. Die Schiffsmission kann etwa darüber entscheiden ob man ein Hotelzimmer in Downtown erhält oder nicht. Generell muss man sagen, dass sich Troika nicht nur viel Mühe mit den Charakteren gegeben hat, sondern auch mit den Quests. Es gibt die üblichen „Geh von A nach B Missionen“ genauso wie einige Rätsellastigere, es wird nie langweilig. Vor allem aber legte man Wert auf eine fortwährend düstere und bedrohliche Atmosphäre. Am besten verdeutlicht dies das Strandhotel, das nicht nur entfernt äußerlich an das Overlook Hotel von The Shining erinnert. Hier spukt ein Geist herum und obwohl es keine Feinde gibt, ist es einer der gruseligsten Momente im Spiel. Man schleicht durch die Dunkelheit während das Gespent sein Unwesen treibt und erlebt einen der besten Levels der Spielegeschichte. Andere Missionen legen dagegen Wert auf Schockmomente, wie eine in Hollywood wo es um Snuff-Filme geht, die ein verrückter Tzimisce produziert. In der Villa des Schurken wird man von hässlichen Monstern attackiert, die urplötzlich aus Räumen springen und attackieren. Als Ausgleich gibt es dafür auch manchmal recht lustige Szenen oder Charaktere, wobei sich das verstärkt, wenn man einen Malkavian spielt, die meisten NPCs reagieren mit entsprechenden Dialogen, aber auch die eigenen, die man auswählen kann sind teilweise abgefahren. So kann man NPC fragen ob er der Keymaster ist – wie in Ghostbusters oder eine „Unterhaltung“ mit einem Stop-Schild führen. Auch daran wurde nicht gespart: Anspielungen auf andere Medien. Es gib unzählige zu entdecken, wie etwa bei der Quest auf dem Friedhof. Hier gibt den Friedhofswächter Romero der sich mit einer Zombieplage herumschlägt, jede Nacht steigen die Untoten aus ihren Gräbern und wollen in die Stadt, das einzige was ihm hilft ist sein Boomstick. Auch andere Anspielungen gibt es, etwa auf H.P. Lovecraft oder sogar Castlevania und die Nosferatu betreiben ein Onlinenetzwerk das sie Schrecknet nennen. Woran merkt man, dass ein Spiel eine Half-Life Engine einsetzt? Richtig: Man kriecht durch Lüftungsschächte. Das ist auch hier der Fall, da die Source Engine zum Einsatz kommt, wobei man sagen muss, das die Grafik nicht ganz so gut ist wie von Half-Life 2. Einige Texturen sind matschiger, in den Spiegeln spiegelt sich gar nichts, aber dafür sind die Gesichtsanimationen sehr gut gelungen. Insgesamt ist die Grafik in Ordnung. Ein atmosphärischer Soundtrack wird geboten, der durch einige lizenzierte Songtitel abgerundet wird, die meisten der Bands, die bis auf Lacuna Coil allesamt aus der Industrial-Ecke kommen, sagen mir gar nichts, aber es passt zum Setting. Die Soundeffekte sind ok, bis auf das völlig nervige Türgeräusch, das auch für sämtliche anderen Öffnungen wie die Gitter an Schächten eingesetzt wird. Die Waffen sind dagegen schön laut. Sehr gelungen ist die Sprachausgabe, hier kommen viele Sprecher zum Einsatz, die man auch in unzähligen anderen Videospielen schon gehört hat, man merkt den meisten an, das sie den Job können. Als das Spiel damals Ende 2004 rauskam, schockierte es weder durch die Atmosphäre oder das Blut sondern durch unzählige Bugs und höllische Ladezeiten. Nachdem Troika Bankrott ging, machte sich mal wieder die Community daran, das Spiel hinzubiegen. Sechs Jahre sind seit dem Release vergangen und mittlerweile hat der Community Patch die meisten Fehler beseitigt, zusätzlich wurden Inhalte fertiggestellt, für die das Entwicklerteam keine Zeit mehr hatte und einige unlogische Stellen, wie etwa der Platz an dem sich der Waffenhändler Fat Larry aufhält. Trotzdem kam es bei meinen Spieldurchläufen noch zu einigen wenigen Abstürzen, meist während Dialogen. Zum Glück werden automatische Speicherstände angelegt, so dass das dadurch entstehende Frustpotential recht gering ist. Die Ladezeiten sind zum Glück auch wesentlich kürzer. Vampire: The Masquerade – Bloodlines ist ein sehr geniales, actionlastiges Rollenspiel das durch Atmosphäre und eine nette Handlung sowie ein bisschen Humor überzeugen kann. Auch spielerisch wird viel geboten, da es mehrere unterschiedliche Enden gibt, wodurch gepaart mit den Unterschieden bei den Vampirklassen auch beim zweiten oder dritten spielen noch was Neues geboten wird. Müsste man bei dem Spiel etwas kritisieren, so wäre das neben den nach wie vor vorhandenen Bugs, der zum Ende hin doch etwas hohe Schwierigkeitsgrad in Form von Massenkämpfen und einige wenige nervige Quests wie die Suche der Nosferatu in einem großen Labyrinth aus Abwasserkanälen und Schalterspielereien. Aber das sind nur kleine Kritikpunkte an einem überaus gelungenen Spiel, das mich sehr gut unterhalten hat. Ich kann das Spiel jedem nur empfehlen. Publisher: Activision Developer: Troika Games Erscheinungsjahr: 2004 Erschienen für: PC Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Mittel 
| Grafik | 8/10 | | Spielspass | | Sound | 9/10 | 9,5/10 | | Gameplay | 9,5/10 |
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