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Vietcong PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
29.06.2008

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Der Vietnamkrieg ist wohl neben dem 2. Weltkrieg der am meisten behandelte Krieg überhaupt. Es gibt zahllose Bücher, Serien und Filme darüber. Vietcong erschien 2003 und war wohl so etwas wie ein kleiner Lichtblick im vom 2. Weltkrieg dominierten Shootergenre.

Im Spiel übernimmt man die Steuerung von Steve Hawkings, der unterlegt von Jimi Hendrix’ Hey Joe gerade nach Vietnam fliegt und dort in einem Camp landet. Generell sind die Cut-Scenes alle sehr schön gemacht und mit stimmiger Musik unterlegt.
Vor der ersten Mission gibt es erstmal zu einem Rundgang durch das Camp und an den Schießstand. Die erste Mission startet alsbald an und ist mal wieder so eine typische erste Mission. Man fährt mit zwei Soldaten in ein vietnamesisches Dort, das natürlich sofort von Vietcong überfallen wird. Während sich die zwei Soldaten recht feige hinter Holzstämmen verbergen wird man allein den Berg hoch geschickt um den Sniper zu eliminieren. Ungefähr 20 recht lange Missionen, die meist noch mal in kleinere Untermissionen unterteilt sind, gibt es. Diese hängen alle nicht zusammen, man merkt das vor allem am Datum in den Zwischensequenzen, da vergehen meist Monate.

Die meisten Missionen sind recht gut und fangen vor allem auch das Flair ein. Man ist in einem großen, dunklen Dschungel unterwegs, hinter jeder Ecke könnte ein Vietcong lauern und diese haben zusätzlich noch fiese Fallen zwischen den Bäumen installiert. Vor allem in der zweiten Mission stößt man auf diese. Die besten Missionen sind jene, wo man sich einfach frei bewegen kann und den Gegner sucht und vernichtet. Oder man muss beispielsweise einen kleinen Stützpunkt halten, der von unzähligen Vietcongs attackiert wird. Vor allem gegen Ende wird das Spiel richtig gut, man kommt in ein Dorf, das der Vietcong zerstört hat und plötzlich fliegen Granaten. Durch den Dschungel muss man sich nun irgendwie an den Feind, der zahlenmäßig absolut überlegen ist, schleichen. In der letzten Mission wird gar die eigene Basis angegriffen. Durch viele Zwischensequenzen, Radiomessages und die Schreie sterbender Soldaten, wird die aussichtslose Atmosphäre extrem gut dargestellt.

Das schöne ist, dass man größtenteils nicht allein ist. Man hat einen eigenen Trupp, bestehend aus 4 Soldaten, die man frei befehligen kann. Leider zeigt sich vor allem hier, dass die KI nicht gerade die beste ist. Vor allem die Wegfindung der CPU gesteuerten Soldaten ist fürchterlich. So muss man in einer späteren Mission in der Nacht durch einen großen Sumpf stapfen. Am besten folgt man dem vietnamesischen Soldaten, denn der kennt sich am besten aus. Leider dreht er sich öfter mal hilflos im Kreis oder geht ein paar Schritte vor, dann wieder zurück und bleibt stehen. Dann muss man ihn noch mal anklicken und er läuft wieder zurück und mit etwas Glück geht es dann weiter. Außer natürlich die anderen KI Soldaten sind mittlerweile irgendwo verstreut und hören nicht direkt auf den Befehl sich wieder anzuschließen.
Leider führen diese Probleme auch dazu, dass manche Missionen zu absoluten Frusterlebnissen werden. Ist man durch den Sumpf, muss man sich in ein Lager des VC schleichen um einen Gefangenen zu befreien. Man darf natürlich nicht erwischt werden. Die anderen Soldaten bleiben zum Glück zurück und nerven nicht rum. Aber wie nervig ist das, wenn man den Gefangenen befreit hat, man sofort aus dem Lager in den Wald rennt und dann feststellt, das dieser an einem Baum hängen geblieben ist, sich unkontrolliert im Kreis dreht und dann erschossen wird? Passiert ist mir dies direkt zweimal hintereinander.
Die KI der Gegner dagegen ist recht passabel. Sie gehen in Deckung, laufen davon oder versuchen ihre Feinde zu umzingeln, gekonnt hüpfen sie auch über Baumstämme oder Vertiefungen und suchen dort Schutz.

Auch manche Missionen sind sehr nervig. So muss man den Gefangenen überhaupt erstmal finden und seine Spur führt in einen Tunnel. Hier kämpft man sich dann im Alleingang durch eine Art Höhlenstadt. Das Ganze ist ein verdammt großes, konfuses Labyrinth mit vielen Sackgassen, Fallen und Vietcongs. In den engen Gängen, wo man nicht mal stehen kann, macht das Kämpfen keinen Spaß und zwei Stunden durch die fast immer gleich aussehenden Tunnel zu kriechen ist unglaublich langweilig. Insofern ist es schon sehr ironisch, dass auch die Spielfigur erstmal ein „Thank Christ“ ausstößt, als er das Licht am Ende des Tunnels erblickt. Leider ist dieser eine Tunnelabschnitt nicht der einzige, auch später muss man durch enge Tunnel oder minutenlang durch Wasser waten, ohne dass ein Gegner erscheint oder sonst irgendwas passiert. Das mag zwar realistisch sein, allerdings passen Realismus und Computerspiele eben nur bedingt zusammen. Auf Dauer langweilt es.

Was mir auch nicht direkt gefallen hat, ist die Tatsache, dass alles, was rund um die Missionen geschieht, bedeutungslos ist. So gibt es nicht mal Zwischensequenzen wenn man Medaillen erhält. Diese werden einfach nur in Textform knapp im Briefing nach einer Mission erwähnt.  Auch das ausräumen der toten Vietcongs die neben Waffen und Munition meist andere Dinge wie Ausweise, Propagandaflugblätter oder Medaillen hinterlassen ist zwar ein nettes Feature, aber absolut ohne Bedeutung. Hier hätte man wohl mehr draus machen können.

Leider hat man es auch irgendwie versäumt, den anderen Kämpfern Leben einzuhauchen. Zwar sprechen sie viel, vor allem in den Zwischensequenzen und man merkt, dass die Entwickler hier eigenständige Charaktere mit eigenen Zügen erstellen wollten, aber Spiele wie Jagged Alliance 2 haben das deutlich besser geschafft. Dort würde man es schade finden, wenn ein Söldner stirbt. Hier ist das irgendwie egal und wenn jemand stirbt, sind das meist unbekannte Soldaten, die nur als Statistik am Ende der Mission geführt werden.  

Neben der Kampagne gibt es noch einen Quick Fight Modus, wo man sich eigene Kämpfe zusammenstellen kann. Hier wählt man den Schauplatz, die Waffen, sowie die Anzahl Freunde und es geht los. Am Anfang gibt es nur einen Schauplatz und wenige Waffen, erst durch die Kampagne werden weitere frei geschaltet. Immerhin ein Grund, sich durch diese zu schlagen. Interessant ist hierbei, dass man auf Seiten der USA wählen kann, ob man allein, mit einem Mediziner oder einem halben Trupp kämpfen kann. Will man aber als Vietcong losziehen, geht das nur allein.

Erwähnen muss man direkt noch die Speicherfunktion. Man kann nur Quick Saves machen, um genau zu sein einen. Das Spiel speichert zwar auch regelmäßig automatisch, aber irgendwie hat man über die Quick Load Funktion keinen Zugriff darauf. Da wird dann der letzte manuell gespeicherte Spielstand geladen und mir ist es ein paar Mal passiert, dass ich starb, auf Quick Load drückte und mich plötzlich in der vorherigen Mission wieder fand. Das ist sehr ärgerlich.

Der Multiplayer Modus ist recht umfangreich. Capture the Flag, Deathmatch, Team Deathmatch, Real War, Assault Team Game, Last Man Standing sowie auch ein Coop Modus sorgen dafür, dass dieses Spiel sogar noch heute Online gespielt wird.

Grafisch ist das Spiel ganz nett, aber mehr auch nicht. Verglichen mit dem im gleichen Jahr erschienen Painkiller zieht es deutlich den Kürzeren und hat dafür sogar wesentlich höhere Hardwareanforderungen, die keinesfalls gerechtfertigt sind. Der Dschungel sieht gut aus, die Camps und Basen dagegen etwas langweilig, die Gebäude sind größtenteils leer. Die Animationen wirken recht hölzern, vor allem das hüpfen über einen Baumstamm hätte man doch schöner animieren können. Dafür überzeugt das Spiel mit netten kleinen Details. So sieht man schon mal Hubschrauber rumfliegen, im Sumpf hüpfen Frösche rum oder es laufen Ratten über den Boden.
Richtig gut dagegen der musikalische Bereich. Zwar gibt es nur einen lizenzierten Song, alle anderen sind aber zum Glück im typischen 60er Jahre Stil gehalten und untermalen die Zwischensequenzen sehr gut. Die Soundeffekte sind realistisch, auch wenn es mir im Dschungel meist etwas zu laut zugeht.
Recht gut ist auch die Sprachausgabe, in der Mature Edition des Spiels wird rumgeflucht ohne Ende, was wohl ziemlich realistisch ist.  

An sich ist es schon schade. Vietcong hätte ein toller Kriegsshooter werden können und man merkt, dass die Entwickler nah an diesem Ziel waren. Aber einige extrem stupide Missionen, die miese Wegfindung und einfach das fehlen von etwas Besonderem verhindern, dass man in der Kampagne so richtig viel Spaß hat. Nun ist Vietcong kein absolut schlechtes Spiel und kann im Multi Player tatsächlich überzeugen, aber ein weiteres Mal werde ich die Kampagne mit Sicherheit nicht spielen.

Publisher: Gathering
Developer: Pterodon, Illusion Softworks
Erscheinungsjahr: 2003
Erschienen für: PC
Anzahl Spieler: 1
Schwierigkeitsgrad: Wählbar

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Grafik7/10  Spielspass
Sound9/10
6,5/10
Gameplay 7/10
Multiplayer 8/10

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