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Wenn man schon etwas länger zu den Computerspielern gehört, wird man sich mit Sicherheit noch an Capstone erinnern. Ein Unternehmen das über Jahre hinweg existierte und dies, obwohl sie praktisch nur Softwaremüll auf den Markt warfen. Witchaven stellt da schon fast die einzige Ausnahme dar. Begeben wir uns zurück in das Jahr 1995: Der First Person Shooter Boom sorgte immer noch, das unzählige Spiele in bester Doom-Tradition auf den Markt geworfen wurden. Manche waren gut, viele waren grausam und meist waren sie eben im Sci-Fi Bereich angesiedelt. Capstone hat sich wahrscheinlich daran erinnert, das id Software seinerzeit mit Catacomb 3D einen Shooter im Fantasyambiente rausbrachte und wollte dieses Konzept neu aufwärmen. Mit Witchaven begeben wir uns also in eine düstere Fantasywelt voller Trolle und Dämonen. Der Spieler übernimmt die Rolle des Helden Grondoval, der von seinem König Verkapheron ausgesandt wird, auf die verbotene Insel Char zu reisen um der bösen Hexe Illwhyrin (Wer denkt sich eigentlich solch bizarre Namen aus?) den Gar aus zumachen. Mehr Handlung gibt es nicht und braucht es nicht. Man wird direkt in den Kampf geworfen, den ehe man um die erste Ecke biegt, stößt man auf eine Horde Trolle, die sicher grad aus Nilbog zu Besuch waren. Bewaffnet mit einem starken Schwert zeigt man ihnen aber schnell wer Herr im Haus ist und läuft dann weiter. Schon nach wenigen Minuten fallen Features auf, die zur damaligen Zeit geradezu revolutionär waren. So hat man ein Erfahrungs- und Levelsystem eingebaut. Jeder tote Feind bringt Erfahrungspunkte und irgendwann steigt man einen Level höher und wird stärker. Ebenfalls recht revolutionär war das Waffensystem, denn diese halten nicht ewig. Nach längerer Zeit zerbrechen die Schwerter und Äxte und müssen ersetzt werden. Auch fügen sie immer weniger Schaden zu, je länger man sie einsetzt. Zum Glück findet man ein ganzes Arsenal an Waffen, das man einsetzen kann. Vom anfänglichen Schwert und einem kleinen Dolch geht es weiter zu einer größeren Axt, einem Zweihänder und einem Morgenstern. Morgenstern und Einhandschwert können auch kombiniert werden um mit einer Attacke doppelten Schaden zu verrichten. Für den Fernkampf gibt es Wurfäxte sowie Pfeil und Bogen. Die Wurfgegenstände können sogar mehrmals verwendet werden, indem man sie einfach wieder einsammelt. Natürlich kommt kein Fantasyspiel ohne Magie aus. So gibt es magische Spruchrollen durch die man fliegen kann oder besser im dunkeln sieht aber natürlich auch Angriffssprüche wie Furcht (verjagt die Monster), den allseits beliebten Feuerball oder den furchtbaren „Nuke“ Spruch, der Gegner direkt zu Staub verwandelt. Selbstverständlich dürfen auch die Shootertypischen Gegenstände wie Energietränke, Rüstungen und Schlüssel nicht fehlen. Ebenso gibt es Tränke, durch die man temporär unbesiegbar wird oder schneller laufen kann. Diese sammelt man in seinem Inventar und werden erst nach Knopfdruck verwendet Auch vom Gameplay her entspricht das Spiel dem damaligen Shooterstandard: Töte alles was sich bewegt, weiche Fallen aus, sammle Schlüssel für Türen ein und finde am Ende den Ausgang, die hierbei in Form von Teleportern zu finden sind. Das Leveldesign ist recht abwechslungsreich. Mal kämpft man in einer Schlucht, dann in Burgen, die typischen Verliese mit Skelette als Wanddekoration fehlen ebenso wenig wie dunkle Höhlen. Zu erforschen gibt es viel, überall gibt es versteckte Räume die Gegenstände bieten, manchmal aber auch fiese Fallen enthalten. Der Anfang von Witchaven gestaltet sich noch ein wenig zäh, da man eben recht schwach ist und nur mit Schwert und Fäusten im ständigen Nahkampf von den Trollen vertrimmt wird. Da diese generell in Gruppen auftauchen, muss man schon ein wenig strategisch vorgehen, wenn man nicht sterben will. Zusätzlich gibt es einige fiese Stellen, wie etwa kleine Löcher voll Lava, die richtig gut Schaden verursachen wenn man über sie drüber läuft und gerade davon gibt es im ersten Abschnitt verdammt viele. Aber hat man sich erstmal in die Welt von Witchaven eingelebt und sich an die mitunter etwas merkwürdige Kollisionsabfrage gewöhnt, macht das Spiel schon Spaß. Denn was gibt*s schöneres als ein Skelett mit einer großen Axt zu zerlegen oder einen Minotaur mit dem Feuerballspruch zu grillen? Das Ganze wird recht drastisch dargestellt. Die Monster zerfallen wirklich in Einzelteile und Blut spritzt lustig durch die Gegend. Ein Wunder, dass dieses Spiel nie indiziert wurde. Wobei ich immer wieder ein wenig über die Schachtel lache, der Publisher klebte schon selbst einen warnenden Aufkleber drauf, wo erwähnt wird, dass dieses Spiel erst ab 16 Jahren geeignet wäre. Direkt darunter klebt der 18er Aufkleber der USK. Auch ein Multiplayermodus hat es ins Spiel geschafft. Bis zu 16 Spieler können sich im Netzwerk in einem blutigen Deathmatch bekämpfen. Heutzutage aber schockt die Grafik wohl niemanden mehr. Auch wenn SVGA unterstützt wird, war die Build Engine nie wirklich schön anzusehen. Es wird eben alles recht pixelig, nach oben und unten schauen ist auch nicht wirklich möglich, was vor allem das Treppensteigen ein wenig erschwert. Die Gegner sind einsgescannte Tonfiguren, die leider nicht wirklich gut animiert sind. Die Musik ist nicht weiter der Rede wert, es wird versucht eine Fantasyatmosphäre zu erzeugen, das gelingt mit diesem Gedudel aber nur bedingt. Die Soundeffekte der Waffen und das Gegrunze der Monster sind ganz ok. Natürlich ist Witchaven veraltet, da es aber recht wenige gute Fantasyshooter (Im Prinzip gibts nur noch Hexen und Heretic und den schlechten Nachfolger Witchaven II) gibt, ist das Spiel für Freunde der Orkmetzelei einen Blick wert. An die schwache Technik hat man sich gewohnt und wenn man straightes Shootergameplay ohne überflüssige Schleich- oder Adventureparts mag, wird man Witchaven mögen. Publisher: Capstone Developer: AWE Productions Erscheinungsjahr: 1995 Erschienen für: PC Spieler: 1-16 Schwierigkeitsgrad: Wählbar 
{mosarting}7/10 7/10 6/10 7/10{/mosrating}Im Forum kommentieren |