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Eigentlich ist es ja schon erstaunlich, da war der Rocky Franchise seit 1990 praktisch tot, kein Film, keine Spiele – gar nichts und dann kam 2002 urplötzlich ein Videospiel heraus. Erfolgreich muss es wohl gewesen sein, denn 2004 erschien mit Rocky Legends der Nachfolger. Nebenbei gesagt verbirgt sich hinter Entwickler Venom Games praktisch Rage, die ungefähr kurz nach dem Release von Rocky Bankrott gingen.
Nach dem ungemein stylischen Intro, das aus Filmschnipseln und Spielszenen unterlegt vom Rocky Theme besteht, landet man auch schon im Hauptmenü. Sieht man sich ein wenig um, stellt man fest, dass vieles noch gesperrt ist. 40 Boxer sind im Spiel enthalten, natürlich die ganzen Filmfiguren wie Rocky, Clubber Lang, Ivan Drago und natürlich Apollo Creed. Aber auch Randfiguren wie Spider Rico und selbst Trainer Mickey, Paulie und Tony Duke kann man in den Ring schicken. Die restlichen Boxer sind erfunden.
Auch bei den Spielmodi wurde nicht gespart. Es gibt den Übungsmodus um sich mit der Steuerung vertraut zu machen, man kann alle Trainingsspiele aus dem Karrieremodus gesondert spielen und neben dem Exhibitionskampf gibt es noch einen Turniermodus und den aus Prügelspielen bekannten Survival, wo man so viele Gegner wie möglich besiegen muss ohne selbst auf die Bretter zu gehen. Leider können auch im Turnier nur maximal 2 Spieler antreten, hier wäre es schön gewesen alle Boxer von menschlichen Spielern steuern lassen zu können um beispielsweise bis zu 16 Leute vor die PS2 holen zu können.
Mittelpunkt ist aber der Karrieremodus. Spielen kann man diesen lediglich mit Rocky, Apollo, Cluber und Ivan. Warum hier Tommy Gunn fehlt ist merkwürdig, andererseits stinkt Rocky V, also ist das kein Problem. Gestartet werden die Karrieren durch kurze Sequenzen. So sehen wie Rocky auf der Straße vor Mickeys Boxtrainingsschule oder Clubber wie er im Gefängnis einen Typ verprügelt. Der erste Kampf findet dann auch erstmal an diesen Locations statt: Straße, Gefängnis und Co. Erst danach startet die Boxkarriere wirklich. Man fängt ganz unten in der Rangliste an und muss sich nach oben kämpfen. Nach jedem erfolgreichen Kampf kann man sich den nächsten Gegner auswählen, die 3 vor dem eigenen Boxer stehenden Gegner dienen als potentielle Opfer. Angezeigt wird hier auch, wie viele Monate es bis zu diesem Kampf noch sind. Diese Zeit kann man zum trainieren benutzen. 3 Monate bedeutet dann, dass man 3 verschiedene Übungseinheiten machen darf um stärker, schneller oder ausdauernder zu werden. Insgesamt gibt es 6 Werte. Will man das Training nicht selbst machen, kann man es auch automatisch ausführen lassen, was natürlich bedeutet, dass man weniger Stärkepunkte dazu bekommt. Die Trainingssequenzen hätte man ein wenig besser in Szenen setzen können. Immerhin waren sie in den Filmen neben dem Hauptkampf eigentlich der Höhepunkt und immer gut gemacht. Hier dagegen kommt einfach nur ein Ladebalken, die Erklärung wie man diese oder jene Aufgabe macht und landet dann in einer öden Trainingssequenz.
Ein wenig schade ist, dass die netten Zwischensequenzen nach dem ersten Kampf auch schon wieder aufhören. Es wäre schön gewesen, wenn die einzelnen Karrieren tatsächlich einer Handlung folgen oder man zumindest irgendwas zu sehen bekommt und wenn es nur eine Zeitung wäre, die über den Kampf berichtet oder wie toll man doch ist. Hier hat man eindeutig Potential verschenkt. Der Karrieremodus dient natürlich auch zum Geld verdienen. Je besser man einen Kampf bestritten hat, desto mehr Geld gibt es und das benötigt zum Freischalten der ganzen bis dato gesperrten Sachen.
Wo das Training schon angesprochen wurde, wollen wir das mal ein wenig vertiefen. Es gibt mehrere verschiedene Einheiten, die man auch alle aus dem Film kennt. Clubbers Klimmzüge, Ivans High Tech Training oder Rockys Hühnerjagd. Diese Minispiele erfordern allein schon einiges an Training. Bei dem Klimmzügen muss man beispielsweise so schnell wie möglich die X- und Kreistasten drücken um sich hochzuziehen, dann lässt man die los und in einer Anzeige fällt ein Balken nach unten den man mit Druck auf die Quadrattaste zur richtigen Zeit stoppen muss. In einer anderen Übung dagegen kriegt man von Micky Kommandos zugerufen und man muss zur rechten Zeit die angezeigte Taste drücken. Es sind also typische Buttonmashing- und Reaktionsspielchen.
Einstellungen vornehmen darf man zumindest außerhalb der Karriere auch so einige. Wie lang soll eine Runde dauern? Wie viele Runden gibt es? Wird man durch die Ringglocke gerettet und wie schwer soll die CPU sein. Auch die Steuerung darf man wählen, wobei das Standardlayout auch das Beste ist. Gesteuert wird der Boxer mit dem Steuerkreuz und mit den vorderen vier Tasten werden die unterschiedlichen Schlagvarianten wie Jab und Hook ausgeführt. Variieren kann man das Ganze in Verbindung mit einer Richtungstaste oder dem R1 Knopf. Die anderen Schultertasten dienen der Deckung. Natürlich gibt es auch Combomoves. Quadrat, Dreieck, Quadrat, Dreieck löst z.B. eine einfache schnelle Hakenkombination aus. Erfolgreiche Kombinationen schwächen nicht nur den Gegner extra, sondern sorgen auch dafür, dass man das Publikum auf die eigene Seite bekommt. Ein kleiner Balken zeigt die momentane Beliebtheit an. Ist dieser gefüllt, darf man gar einen dreifachen Super Punch bringen. Das ist ein Spezialschlag der die meisten Gegner sofort K.O. setzt, bei den stärkeren Boxern zumindest enormen Schaden verursacht. Natürlich ist das Ausführen sehr schwer und man sollte ihn nur bringen, wenn der Gegner kurzzeitig benommen ist, was durch kleine Sternchen um seinen Kopf angezeigt wird. Verwendung findet ebenfalls die Select-Taste. Einerseits kann man damit den Gegner verhöhnen, ist man schwer angeschlagen und schon einige Male auf die Bretter gegangen kann man damit auch den Rage Modus starten. Für einige Sekunden ist man sehr stark und schlägt sehr schnell zu und kann so einem möglichen TKO entgegen. Wird man dann doch mal umgehauen heißt es so schnell wie möglich die X-Taste zu drücken, um einen Balken zu füllen ehe der Ringrichter bei der bösen 10 ankommt.
Super Punch, Rage Modus, kleine Sternchen – man merkt schon, dass Rocky keine ernsthafte Simulation wie etwa Fight Night ist. Praktisch spielt sich das Ganze mehr wie ein Beat ’em Up im Ring, sehr arcadelastig und dadurch auch schön einsteigerfreundlich. Zwar gibt es einen wählbaren Schwierigkeitsgrad, hat man aber erstmal den Dreh raus, sind die CPU Gegner keine allzu große Herausforderung mehr. Hat man den Karrieremodus mit 2 Boxern durch, ist man eigentlich schon so gut, dass man die KI nicht mehr ernst nehmen kann. Die Boxer verhalten sich zwar unterschiedlich in ihren Taktiken, sind aber trotzdem immer recht auszukontern. Zum Glück gibt es ja einen Mehrspielermodus und der macht eindeutig mehr Spaß.
Die Langzeitmotivation für den Einzelspieler besteht eben im Freispielen der ganzen Sachen. Die meisten Boxer muss man sich erst kaufen, daneben gibt es noch unterschiedliche Kostüme für die 5 Hauptboxer. So hat man Rocky in seiner klassischen Rot-Weißen Hose, es gibt aber noch die Schwarz-Gelbe und natürlich die USA Hose die er von Apollo bekam, nebenbei ändert sich da auch sein Aussehen. Rocky sah 1985 wesentlich muskulöser aus als 1977. Viele verschiedene Arenen gibt es auch. Alle Schauplätze aus den Filmen wie die Philadelphia Arena des ersten Teils oder das MGM Grand Hotel oder die Moskauer Arena sind enthalten, neben einigen, die rein für das Spiel entwickelt wurden. Boxer Biographien, die Musik zum Anhören und sogar die Original Trailer zu den ersten 5 Filmen werden ebenfalls geboten. Hier merkt man, dass sich die Entwickler Mühe gaben, so viel Rocky wie möglich in das Spiel zu packen und nicht einfach wie viele andere Hersteller eine Lizenzenttäuschung zu veröffentlichen.
Grafisch sieht das Spiel ganz in Ordnung aus ohne absolut genial zu sein. Die Boxer sind gut nachgebildet und die Animationen in Ordnung. Die Arenen könnten aber etwas detaillierter sein. Vor allem die Hintergründe sind sehr unscharf und eben nur matschige Texturen. Musikalisch gibt es die Songs aus dem Film von Gonna Fly Now bis zur Trainingsmusik. Selbst Living in America hat es ins Spiel geschafft, aber – und das ist nahezu unverzeihlich – Eye of the Tiger fehlt. Dafür hat jeder Boxer ein eigenes Vorstellungslied. Die Soundeffekte sind gut gelungen und Sprachausgabe gibt es auch. Von der Vorstellung der Boxer bis zu den Trainern die in den Runden Anweisungen geben. Burgess Meredith, der Schauspieler der Micky verkörpert ist leider schon vor einigen Jahren gestorben, aber bei Rocky spielt Micky eben eine große Rolle, so auch hier im Spiel. Hierfür hat man einen recht guten Stimmenimitator gefunden.
Rocky Legends ist ein gut gelungenes Arcadeboxspiel, das den Flair der Filme gut einfängt. Man hat viel Bonusmaterial zum Freispielen und das Spiel ist am Anfang schon spaßig. Aber man hat eben leider einige Chancen, wie einen besseren Karrieremodus versäumt und im Einzelspielermodus wird das Spiel nach einiger Zeit einfach langweilig. Für Multiplayerpartien aber auf jeden Fall meiner Meinung nach wesentlich gelungener als das zu komplizierte Fight Night.
Publisher: Ubi Soft Developer: Venom Games Erscheinungsjahr: 2004 Erschienen für: Playstation 2, Xbox Anzahl Spieler: 1-2 Schwierigkeitsgrad: Wählbar
 
| Grafik | 6,5/10 | | Spielspass | | Sound | 7,5/10 | 7,5/10 | | Gameplay | 8/10 | | Multiplayer | 8/10 |
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