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Little Big Planet 2 |
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Geschrieben von triple
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12.08.2011 |
Ich gestehe, ich bin Gelegenheitszocker. Während PC- und Videospiele früher mein liebstes Hobby wahren, fühle ich mich heute von den meisten Spielen überhaupt nicht angesprochen und wenn doch, dann reicht das Interesse in der Regel nur für höchstens halbstündige Sessions alle paar Tage. Wenn allerdings ein Spiel wie „Little Big Planet“ daherkommt, das sich, ohne über eine erfolgreiche Serie von Vorgängern oder ein erfolgreiches Entwicklerstudio zu verfügen, allein wegen seiner spielerischen Qualitäten millionenfach absetzt, ist mein Interesse geweckt. Mit „Little Big Planet“ feiern die englischen „Media Molecule“ Studios ihren Einstand und den sollte man dringend gespielt haben, wenn man im Besitz von Sonys Spielstation 3 ist. Da der zweite Teil dem ohnehin schon hervorragenden ersten in vielen Belangen überlegen ist, werde ich seine Rezension einer des ersten Teils vorziehen.
In den Grundlagen hat der Spieler es hier mit einem Jump'n'Run zu tun. Die Welt von „Little Big Planet“ wird von vielen verschiedenen Lebewesen bevölkert, zuvorderst aber von den Sackboys und -girls. Das sind kleine, niedliche Männchen (wahlweise auch Weibchen), die ein bisschen an Puppen erinnern und jederzeit den eigenen Bedürfnissen entsprechend angepasst werden können – dazu später mehr. War der Singleplayer-Modus des ersten „LBP“ einfach bloß eine kaum zusammenhängende Ansammlung von Welten und Levels, besitzt der Nachfolger tatsächlich eine Handlung, die allerdings denkbar einfach gehalten ist: das böse Negativitron, ein außerirdisches Ungeheuer, will alles Leben auf dem Planeten zerstören, was seine Bewohner sich allerdings nicht gefallen lassen möchten. „Unspektakulär“ müsste hier das passende Adjektiv sein, darum geht es auch gar nicht.
Man kann sagen, dass auch der Einzelspieler-Modus im Vergleich zum restlichen Spiel nicht sonderlich viel wert ist, so unterhaltsam er beim ersten Durchgang auch sein mag. Wie schon im ersten Teil jagt man von Abschnitt zu Abschnitt, diesmal allerdings unterstützt von diversen NSCs wie dem Erfinder Leonardo da Vinci, gekleidet in Zeitungspapier und versehen mit 3D-Brille, oder einem melodramatischen, in Selbstmitleid versunkenen Schreibblock, und lernt die verschiedensten Werkzeuge kennen, die dem eigentlichen Jump'n'Run eine überaus interessante Note verleihen, darunter Farbkanonen, Greifhaken, mechanische Hamster, fliegende Shooterbienen usw. Ohne große Überraschungen geht es durch diverse Welten, an deren Ende jeweils ein Bossgegner steht, bis man am Ende das Negativitron selber konfrontiert.
Immer noch dient das eigene Raumschiff als zentrales Steuerungselement, mit dem man alle Modi des Spiels anwählt. Wie gehabt kann der eigene Sackboy auf drei Ebenen laufen: hinten, in der Mitte und vorne, was sich vom Spieler steuern lässt, je nachdem, wie die Landschaft es verlangt. Umgebracht werden die Gegner nicht ganz auf die klassische Art, sondern indem man auf einen blauen Knopf hüpft, der sich irgendwo am Körper des Ungeheuers befindet, worauf dieses dann einfach auseinanderfällt und verpufft. Doppelsprünge gibt es noch immer nicht, sind aber auch gar nicht nötig. Gelegentlich läuft man einem Speichergong über den Weg, an dem man, sobald man stirbt, wieder startet – von diesen Gongs gibt es unterschiedliche Typen, üblich ist aber der, der dem Sackboy vier Leben gewährt, bevor er das Level von vorne wiederholen muss. Punkte in Form von Glaskugeln lassen sich ebenfalls einsammeln, wobei der erzielte Punktestand am Ende mit den Highscores anderer Spieler verglichen wird und dauerhaft an eine entspreche Stelle in der Bestenliste gesetzt wird. Gegenüber dem Vorgänger fällt auf, dass der Einzelspieler-Modus ziemlich kurz und auch einfach ausgefallen. Wo ich vorher noch bei manchen Abschnitten ziemlich frustriert war und etliche Tode gestorben bin, bis ich endlich mal mit Geschick und Trial'n'Error vorankam, stand ich hier schon nach wenigen Stunden vorm Endboss. Aber gut, auch dieser Teil ist nur bedingt relevant, so unterhaltsam er auch sein mag.
Das Herzstück des Spiels sind nämlich die Nutzer-generierten Inhalte. Mitgeliefert wird nämlich ein unfassbar umfangreicher und komplizierter Level-Editor, der für Teil 2 noch mal verbessert und erweitert wurde und mit dem man so ziemlich ALLES bearbeiten kann, wie welches eingefügte Objekt sich verhält, wie man mit Kamerawinkeln spielen kann, frei konfigurierbare Roboter lassen sich kreieren und mit beliebig vielen Chips versehen, die sich bei bestimmten Tätigkeiten aktivieren und deaktivieren lassen, man kann Schalter zünden, mit den Elementen spielen, beliebige Formen aus diversen Materialien erschaffen, die Erdanziehungskraft temporär oder fürs ganze Level verändern, eigene Aufnahmen als Sounds verwenden und... ich würde Stunden brauchen, um alle Möglichkeiten aufzuzählen. Natürlich hat das seinen Preis: wenn ich mich recht entsinne, werden allein schon 52 Tutorials dafür benötigt, um die meisten grundlegenden Fähigkeiten vorzustellen, etwa, wie man einen Laser erstellt, der Kühe schießt. Da ist es dann auch kein Wunder, dass unendlich viele Nutzer unendlich viele Levels online gestellt haben, manche gut, manche weniger gut. Natürlich lassen die sich alle bewerten - wobei in „LBP 2“ leider bloß noch fröhliche und traurige Smilies gesetzt werden können, was die Bewertung manchmal deutlich erschwert; ist ein Level, das drei Sterne verdient hätte, nun gut oder schlecht? -, kommentieren und zu seinen Favoriten hinzufügen, außerdem gibt es noch die „Mm Picks“, eine Auswahl der gegenwärtigen Empfehlungen der Entwickler, die regelmäßig aktualisiert werden. Für diejenigen, die den sozialen Charakter eines Mehrspieler-Modus dem Alleinsein vorziehen, besteht obendrein die Möglichkeit, einzelne Kreationen mit anderen Sackboys aus aller Herren Länder zu bestreiten, manche Levels setzen Mitspieler sogar voraus.
Unter den ganzen Community Levels sind richtig, richtig wertvolle Schätze zu entdecken. So findet man neben klassischen, teilweise sehr liebevoll gestalteten Jump'n'Runs auch komplett eigene Levels, von denen man im ersten Moment kaum glauben mag, dass sie zum Spiel gehören, wenn da nicht der charakteristische Sackboy wäre. Es gibt Minispiele, u. a. eine gut umgesetzte Kopie vom allerersten „Donkey Kong“-Spiel, es gibt kurze Filmchen wie die „Cause and Effect“-Reihe, in der ein kleiner Ball fröhlich vor sich hinrollt und einen Domino-Effekt erzeugt, es gibt ein (für ein prinzipiell kinderfreundliches Spiel doch recht unheimliches) Krimispiel, in dem man mit einem Licht nach Hinweisen suchen muss und noch so vieles mehr. Sogar die mit dem „LBP 1“-Editor erstellten Levels lassen sich spielen, wobei die Portierung gelegentlich nicht ganz gelungen sein soll. Wer mit seiner Playstation also aus irgendeinem Grund keinen Internetzzugang bekommt, kann sich den Kauf sparen, er würde nur halb so viel Spaß daran haben. Der einzige wirkliche Wermutstropfen ist die Begrenzung der Anzahl Inhalte in einem Level: wer also ein richtiges Epos voller Effekte schaffen möchte, hat also Pech gehabt und kann höchstens noch auf die Möglichkeit des Levelwechsels zugreifen. Ich nehme an, dass es sich hierbei um eine technische Notwendigkeit handelte.
Ebenfalls ein wichtiges Feature, gerade für die Sammler, sind die Sticker, Kleidungsstücke und Kostüme, die man an allen möglichen Stellen im Einzelspiel einsammeln und im Playstation Network für echtes, aber immerhin kleines Geld kaufen kann. Die Sticker lassen sich überall im Spiel und in beliebiger Größe und Drehung an fast alles heranbatschen, sind aber zum Glück nicht ewig, sondern, wenn sie nicht gerade zum eigenen Level oder Raumschiff gehören, beim nächsten Anlauf schon wieder weg. Viel wichtiger ist mir persönlich die Möglichkeit, seinen Sackboy einzukleiden und zu dekorieren. Das kann man mit Stickern schaffen, wobei er dann freilich ein wenig krank aussehen könnte, mit fertigen Kostümen, was mir selber allerdings einen Ticken zu einfallslos ist, oder eben mit eingesammelten Klamotten, Hosen, Hemden, Hüte, Augen, Nasen und was man sich sonst noch so denken kann. Das alles ist quer in den Levels verteilt, lässt sich aber auch selber erstellen. Um alle diese Gegenstände einzusammeln, ist es gelegentlich nötig, beispielsweise versteckte Ebenen auszumachen, Stücke von Pappe mit dem zugehörigen Sticker zu versehen oder mit bis zu drei weiteren Mitspielern, die mitten im Level einsteigen können, Multiplayer-Abschnitte zu erobern. Der Multiplayer ist auch eines der wenigen Dinge, die man besser hätte lösen können: anstatt einen Bildschirm für alle Spieler zu benutzen, der immer weiter rauszoomt, je mehr sie sich voneinander entfernen, und tödlich ist, wenn man nicht mit den anderen Schritt hält und aus dem Bild verschwindet, hätte man lieber auf einen Splitscreen setzen sollen.
„Little Big Planet“ besitzt außerdem viel Humor. Hier muss man insbesondere den Erzähler hervorheben, dessen Stimme einen im englischsprachigen Original (zum Glück ist das Ganze multilingual und unterstützt dabei auch die verschiedensten Sprachen) am Anfang und durch die zahllosen Tutorials begleitet, denn der wird von niemand Geringerem als dem englischen Humoristen und Tausendsassa, dem faszinierenden, herzallerliebsten Stephen Fry verkörpert. Natürlich wurde die Sprache von Flüchen und allzu anzüglichen Anspielungen befreit, um dem familiengerechten Anspruch des Spiels keinen Strich durch die Rechnung zu machen. Es kann auch gut sein, dass er das Material, das er vorträgt, gar nicht selbst geschrieben hat – das weiß ich nicht. Aber mit seiner charismatischen Märchenonkelstimme eignet er sich perfekt für die Rolle und weiß mit seinem dynamischen Vortrag auf ganzer Linie zu überzeugen. Lacher haben mir seine Sprüche jedenfalls oft genug beschert, auch in Verbindung mit dem Slapstick-Humor der Videos in den Tutorials, die zur Begleitung abgespielt werden. Wie es indes mit den anderen Sprachen aussieht, weiß ich nicht, aber mit dem wunderbaren Stephen kann so oder so keiner mithalten – es zahlt sich auf jeden Fall aus, sich ein wenig mit ihm und seinen Werken zu beschäftigen. Doch zurück zum Thema: auch die Sackperson kann einem wahnsinnig viel Freude bereiten, wenn man sie witzig kleidet und mit dem D-Pad und dem Bewegungssensor des PS3-Controllers ihren Gesichtsausdruck und Körperhaltung steuert. So beschrieben hört sich das möglicherweise nach Kinderkram an, aber im Spiel sorgt dieses Feature für gute Unterhaltung, wenn man etwa wie ich einen kahlköpfigen orangen Sackboy wie eine Ballerina anzieht, dicke Brille und Schnurrbart aufsetzt und grimmig aus dem Fernseher gucken oder bittere Tränen vergießend seinen Körper schlaff seitlich nach unten neigen lässt. Das sieht furchtbar putzig aus.
Grafisch gibt es nichts zu bemängeln. Das einzelnen Levels sind farbenfroh und – im Falle des Singleplayers – mit Liebe zum Detail gestaltet, die Animationen sind ausdrucksstark und passend, sehen teilweise auch amüsant aus, z. Bsp. dann, wenn man mit Stacheln in Berührung kommt und der Sackboy erst in die Luft springt und wild mit den Armen wedelt, bevor er stirbt. An einigen Stellen wäre es praktisch gewesen, könnte man die Kamera selber kontrollieren, denn die zoomt gelegentlich arg weit raus und generell ist es schöner, wenn man seinen Sackboy auch mal außerhalb des „Stickers & Decorations“-Bildschirms von Nahem betrachten zu können. So holt die Optik nicht alles aus der Spielkonsole heraus, ist aber doch niedlich und angemessen. Im Original gab es wenigstens noch ein Musikstück, das mir gefiel, der Nachzügler ist in Bezug auf die musikalische Untermalung noch dürftiger ausgefallen. Ich selber lasse mich von so etwas nicht stören, habe mir allerdings von außen bestätigen lassen, dass das Gedudel mit der Zeit doch ganz schön auf die Nerven gehen kann. Soundtechnisch fallen mir keine Kritikpunkte ein. In den Zwischensequenzen haben die einzelnen Charaktere tatsächlich etwas zu sagen, In-Game kommt allerdings nur auf die Person zugeschnittener Nonsens und Lautmalerei heraus. Die Sprecher fallen wenigstens nicht negativ auf. So weit, so gut. Was die Klangwertung wirklich in die Höhe zieht, ist der schon erwähnte Erzähler, der einfach das Sahnestück des Kuchens „Soundeffekte“ ist.
Das Schöne an den Entwicklern ist, dass sie nie allein auf kommerziellen Erfolg aus waren, sondern ihre Sache mit Liebe zur Sache gemacht haben. Das beweist das ursprüngliche Vorhaben, „Little Big Planet“ als alleinstehenden Titel ohne Nachfolger zu belassen, soll heißen, es wurde von vornherein mit einer kleinen Zielgruppe operiert. Allerdings haben die unerwartet hohen Verkaufszahlen einen zweiten Teil praktisch forciert und während ich sinnvolle Ergänzungen zu schätzen weiß und ich an dieser Entscheidung persönlich nichts auszusetzen habe, halte ich die Umsetzung doch für äußerst problematisch und nicht gut durchdacht. „Little Big Planet 2“ hat so viel vom Original übernommen und großartige Neuerungen eingeführt, dass es sich in spielerischer Hinsicht kaum noch lohnt, dieses Original nachzukaufen, wenn man den Nachfolger bereits besitzt. Sicherlich kann man auch dort den unterhaltsamen Monologen des Erzählers lauschen, Kleidungsstücke und Sticker sammeln (wobei ich mir nicht mal sicher bin, ob die sich in „LBP 2“ importieren lassen), die Community Levels fehlerfrei genießen und den Singleplayer ausprobieren, aber das müssten auch wirklich alle exklusiven Inhalte sein und ob das einem die aktuell empfohlenen 30€ wert ist, ist fraglich. Aber gut, diese Entscheidung bleibt den Entwicklern überlassen und berührt das exzellente Gameplay nicht.
Darüber hinaus fällt mir nichts ein, was man großartig bemängeln könnte. Das „Little Big Planet“-Duo gehört wahrscheinlich zu den innovativsten Spielen, die die PS3 bisher gesehen hat und ist gleichzeitig auch eines der Gattung „Endlosspiel“, weil man durch die Community Levels und den Level-Editor eben nie zu einem Ende kommt, ohne, dass es schnell langweilig wird. Wer hier mit „Kinderspiel, wo man Puppen anziehen kann“ kommt, ist einfach bloß ignorant und gehört offenbar zu derjenigen Gruppe, die stets darauf achtet, möglichst „erwachsene“ und „böse“ Spiele zu spielen. Das ganze Spiel ist für die Kleinen gut geeignet, aber eben nicht nur: auch die Großen können sehr viel Spaß damit haben, weil es trotz seiner kindlich anmutenden Grafik und der 6er-Freigabe viele köstliche Momente besitzt und mit der Möglichkeit, seine eigene Spielwelt zu erschaffen, etwas hat, das allein schon wegen seiner Komplexität ganz klar an die Älteren gerichtet ist, die auch die nötige Geduld für ein derart ambitioniertes Vorhaben mitbringen. Nett auch von „Mm“, das vormals kostenpflichtige Mini-Add-on „Sackboy's Prehistoric Moves“, das den Playstation Move-Controller unterstützt, entgeltlos mitzugeben. Die Umgangssprache würde „Little Big Planet 2“ als Pflichtkauf für alle PS3-Besitzer titulieren. Ein ganz großes Dankeschön an die Jungs und Mädels von „Media Molecule“ für diesen Instant Classic! Ich bin gespannt, ob man einen dritten Teil erwarten kann oder ob man es stattdessen bei der 1 und 2 belässt. Wie die Entscheidung auch immer ausfallen wird, wenn die nächste Schöpfung auch nur halb so genial werden sollte, wird sie gekauft.
Publisher: Sony Computer Entertainment Developer: Media Molecule Erscheinungsjahr: 2011 Erschienen für: Playstation 3 Anzahl Spieler: 1-4 Schwierigkeitsgrad: leicht (Singleplayer), unterschiedlich (Community Levels)
| Grafik | 9/10 | | Spielspass | | Sound | 7,5/10 | 9,5/10 | | Gameplay | 10/10 |
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