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Disney hatte mit Aladdin Anfang der 90er einen weiteren großen Kinoerfolg. Gesehen habe ich diesen Film nie. Für mich war Disney nur früher interessant, alle Filme bis Anfang der 80er (Wolf and the Hound als letztes) waren größtenteils gut, aber während es schon in den 70ern einige Ausfälle gab, wurden die Filme danach unerträglich – Lion King war da noch eines der besseren Werke. Aladdin bearbeitet die klassische Geschichte von dem Prinzen, dem Geist aus der Flasche, dem bösen Zauberer und was sonst noch anfällt. Das alles ist uralt, es gab sogar einen Aladdin Film mit Bud Spencer.
Das Spiel aber hätte interessant werden können. Disneyspiele waren auf den Sega Konsolen größtenteils immer fantastisch und Aladdin stammt von David Perry und Virgin. Was kann da schief gehen?
Leider einiges. An sich ist das Spiel ja ganz interessant und ist natürlich im Genre der Plattformer angesiedelt. Man hüpft und rennt durch die Level und sucht den Ausgang. Um mehr geht es hier eigentlich auch nicht. Aladdin ist unser Held und Jafar der böse Zauberer. Zwischen den beiden stehen einige Levels, die bewältigt werden wollen. Man fängt in einer normalen Stadt an und hat es mit normalen Gegnern zu tun. Bekämpfen kann man diese auf zwei Arten: Im Schwertkampf oder man wirft aus der Distanz mit Äpfeln. Bei den leichteren Gegnern klappt das wunderbar, aber schon am Anfang trifft man auf Messerkünstler, die jene Äpfel einfach zerteilen und dann selbst attackieren. Da muss man dann im Nahkampf ran. Zum Einsammeln gibt es Kämpfe, Extraleben Kristalle, Zauberlampen, die das Leben auffüllen und den Dschinn. Kristalle kann man in Läden gegen Extraleben oder Wünsche eintauschen, die das Spiel etwas leichter machen. Sammelt man das Dschinnsymbol ein, kann man am Ende jedes Levels um Bonusgegenstände spielen. Das läuft ab wie bei einem einarmigen Banditen: Verschiedene Symbole laufen durch, zum richtigen Zeitpunkt drückt man eine Taste und dann hat man entweder Glück und gewinnt was oder Pech, weil Jaffars Gesicht erscheint. Letzteres erlebt man in 9 von 10 Fällen, was diese ganze Bonusrunde überflüssig werden lässt. Zusätzlich kann man noch eine weitere Bonusrunde erleben, wenn man das Abu-Symbol einsammelt. Abu ist der Affe und treuer Weggefährte von Aladdin. Mit ihm gilt es in einem Bonuslevel Gegenstände auszuweichen. Je länger man dies schafft, desto mehr Boni erhält man.
Wie gesagt beginnt das Spiel sehr stark. Die ersten 3 Level, die in einige Abschnitte unterteilt sind, an deren Ende ein Endboss wartet, sind sehr lustig. Von der Stadt geht es über deren Häuser zu einer Wüste. Hier überzeugen vor allem auch die Animationen. Attackiert man Gegner mit Äpfeln, kann es passieren, dass jener Wächter schon mal dumm guckt, weil sein Gürtel kaputt geht und die Hose runter fällt. Vögel attackiert man und sie verlieren ihre Federn und verwandeln sich in Grillhähnchen. Grafisch ist das Spiel eine wahre Pracht. Die Level sind bunt und toll gezeichnet, die Animationen genauso großartig und es gibt viele nette Zwischensequenzen. Allein von technischer Seite ist das hier schon als Referenztitel zu bezeichnen.
Dummerweise kann das Gameplay eben kaum mithalten. Ab dem nächsten Level, der in einem düsteren Dungeon spielt, zeigen sich die Nachteile. Es kommt zu Clippingfehlern, so dass man schon mal durch Plattformen fällt und einige Gegner, wie die explodierenden Skelette oder die Endgegner sind einfach nur unfair. Dass die Aufgaben variieren ist ganz nett, aber das Absuchen eines kompletten Levels, weil man nun alle Statuen zerstören muss, nervt auf Dauer. Hier wäre weniger mehr gewesen. In der Mitte folgt dann auch noch ein Flug auf einem magischen Teppich, der an Tempo immer mehr zunimmt. Wäre die Steuerung nicht so furchtbar träge, wäre das ganz nett, aber dadurch, dass es locker 2 Sekunden dauert, bis Aladdin vom oberen an den unteren Bildschirmrand gleitet, ist das mehr eine „Merk dir, wo die Steine kommen und weiche diesen aus“-Sache. Gerade beim ersten Mal auf jeden Fall frustrierend. Das es keine Levelpasswörter oder Speicherfunktion gibt, trägt zum Frust nur noch bei. Hat man das alles überstanden, findet man sich wieder in normalen Jump n’ Run Levels, die aber auch alles andere als spektakulär sind. Es sieht nach wie vor schön aus und die Animationen sind toll, aber gerade 1993 darf man doch etwas mehr erwarten. Sonic 2 oder Sonic 3 bieten einfach mehr Überraschungen und Möglichkeiten.
Die Musik ist zu jeder Zeit recht nett und ist wohl an den Filmscore angelehnt. Die Soundeffekte gehen auch in Ordnung.
Kennt man den Film findet man das Spiel vielleicht besser, da es noch einige Cutscenes gibt und sicher Momente, wo man denkt „Das kenn ich doch aus dem Film, toll“, aber da ich den Film nie sah, bewerte ich das Spiel nur als solches und da würden mir gerade auf dem Mega Drive locker 15 bessere Jump n’ Run Spiele einfallen und selbst im Vergleich zur Disney-Konkurrenz rangiert das Spiel weit abgeschlagen hinter Spielen wie Castle of Illusion, World of Illusion, Quakshot und Lion King. Es hat positive Ansätze und Ideen, aber mehr eben nicht.
Publisher: Virgin Developer: Virgin Erscheinungsjahr: 1993 Erschienen für: Mega Drive, Master System Anzahl Spieler: 1 Schwierigkeitsgrad: Wählbar

| Grafik | 9/10 | | Spielspass | | Sound | 8/10 | 5,5/10 | | Gameplay | 6/10 |
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