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Tecmo Cup Football Game PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
30.08.2008
Dieses recht unbekannte Spiel basiert auf Tecmo Cup Soccer Game, welches für das NES erschien und im Prinzip nichts anderes als eine westliche Version des ersten Captain Tsubasa Spiels ist. Bei Captain Tsubasa handelt es sich um eine japanische Anime und Mangareihe, die es dort schon seit mehr als 25  Jahren gibt. In Deutschland liefen einige der Serien (unter den Titeln „Die tollen Fußballstars“ und „Super Kickers 2006“) auch auf RTL 2. Ähnlich wie diese Serien ist auch dieses Spiel alles andere als realistisch.

Tecmo Cup Football Game wurde dahingehend modifiziert, dass man nicht auf Tsubasa und die anderen Figuren trifft, sondern auf erfundene Charaktere. Die Hauptfigur heißt Robert und will natürlich der größte Fußballstar überhaupt werden. Die zweite wichtige Figur ist Roberts Bruder David, der nicht minder talentiert ist aber an seinen Fähigkeiten zweifelt. Der Hauptantagonist ist Alfred. Das Spiel folgt nach jedem Match der Handlung in kurzen Zwischensequenzen.
Nach einem kurzen Intro darf man sich zwischen zwei Spieloptionen entscheiden. All-Star ist nichts weiter als ein Freundschaftsspiel, wo man ein Team namens The Dragons spielt. Die gegnerische Mannschaft heißt immer The Tigers und kann wahlweise von der CPU oder einem zweiten Spieler gesteuert werden. Vor dem Spielstart muss man sich seinen Kader zusammenstellen, man hat dafür 30 Spieler zur Auswahl, die sich alle in Stärke und Spezialfähigkeiten unterscheiden. Man kann die Spieler entweder manuell rekrutieren oder sie vom Mega Drive zusammenstellen lassen, wobei die CPU es hervorragend schafft, sich selbst die besten und dem Spieler die schlechtesten Kicker zuzuteilen. Vor jedem Spiel, egal in welchem der beiden Modi darf man noch die Aufstellung und Taktik einstellen. Neben der Aufstellung darf man die Defensivtaktik einstellen (Pressing oder Raumdeckung), man darf gegnerischen Spielern einen Bewacher zuteilen, was vor allem bei den Spielern mit Spezialschüssen wichtig ist und natürlich Spieler ein- und auswechseln. Auch während des Spiel, vor jedem Anstoß hat man die Möglichkeit zu einer von 3 Auswechslungen. So weit das der Kader hergibt. Ganz am Anfang vom Storymodus hat man nur 11 Spieler, erst im weiteren Verlauf kommen weitere hinzu, meist von besiegten Gegnern.

Hinter dem Menü Kick Off (Die Menüpunkte hätte man auch sinnvoller betiteln können), befindet sich der eigentliche Hauptmodus. Hier steuert man Robert und Davids Mannschaft Dreams F.C. und muss sich erstmal in einem nationalen Turnier gegen andere Jugendmannschaften beweisen. Das erste Spiel gegen die Bulls ist noch schön einfach und dient ihn erster Linie dazu, das Gameplay dieses Titels zu begreifen.
Denn Tecmo Cup Football Game ist kein klassisches Fußballspiel wie Fifa oder PES sondern eher ein Strategiespiel mit RPG Elementen. In Japan ist das ein eigenes Genre das sich Cinematic Soccer nennt.
Schon die  Darstellung ist ungewöhnlich. Die Hälfte des Bildschirms wird vom Spielfeld eingenommen auf dem die Spieler als Nummern dargestellt werden. Daneben sind Spielzeit und Minutenanzeige.
Bei den Actionszenen taucht in der unteren Hälfte ein Papagei im Anzug (!) auf, der als Kommentator fungiert und das geschehen mit Texten erzählt. Er ist extrem parteiisch für den Spieler und fängt sogar zu weinen an, wenn man ein Gegentor kassiert.

Man steuert also seinen Spieler und sollte auf den Radar achten. Spielzüge wie Pässe oder Schüsse wählt man über ein Menü aus. Zu jeder Zeit kann man Taste C drücken und dann durch die Richtungstasten auswählen ob man dribbeln möchte, einen Pass spielen, einen Doppelpass oder schießen. Beim Passen wird auf ein großes Spielfelddiagramm umgeschaltet, wo man den Passempfänger wählen muss. Dann wird die Passanimation gezeigt und etwaige Gegenspieler, welche versuchen den Ball abzufangen oder den Spieler zu grätschen.
In der Defensive versucht man selbst, dem Gegner den Ball abzunehmen. Hier hat man die Wahl zwischen Tackling, einen Pass abfangen und einen Block. Man wählt und hofft dann, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Eine Grätsche funktioniert meist nur, wenn die CPU sich für dribbling entschieden hat, wenn der Gegenspieler dribbelt ist der Versuch einen Pass abzublocken nutzlos. Außer die eigenen Spieler sind dem Gegner in ihren Fähigkeiten extrem stark überlegen, dann kann man praktisch keine Fehlentscheidung mehr treffen. Auch den Torhüter steuert man auf diese Weise. Bei Schüssen muss man sich zwischen Fausten und Fangen entscheiden. Beim Fausten prallt der Ball ab und der Torhüter liegt am Boden, der Gegner kann hier zu einem Nachschuss ansetzen. In dieser Mega Drive Version allerdings stehen die Torhüter sofort wieder auf, während sie bei den NES Spielen einige Zeit am Boden liegen. Hier ist ein Nachschuss also kein sicheres Tor.
Eckbälle oder Einwürfe scheint es nicht zu geben, man kann mit den Spielern auch gar nicht ins Aus laufen. Fouls werden auch extrem selten begangen, in 15 Matches hab ich genau einmal einen Freistoss erlebt. Abseits gibt es auch nicht.
Etwas gewöhnungsbedürftig, ist auch die Spielzeit. Die läuft nicht, wie bei klassischen Fußballspielen herunter, sondern jede Aktion verbraucht etwas Zeit. Hinter das System bin ich nicht wirklich gekommen. Dribbling verbraucht kaum Zeit, man kann über das ganze Feld laufen und es vergehen vielleicht 30 Spielsekunden. Aber ein Schuss kann man schon 30-40 Sekunden verbrauchen, was höchst unrealistisch ist auch wenn es in der Darstellung so wirkt, als wäre der Ball mehrere hundert Meter unterwegs (wie eben auch im Anime).
Besonders nervig ist das zum Schluss, denn wenn die Zeit abgelaufen ist, wird abgepfiffen, auch wenn das mitten in einem Schuss ist. Und wenn das der entscheidende Ausgleich oder Siegtreffer geworden wäre, ärgert man sich natürlich.

Nach jedem Match, egal ob man es verloren oder gewonnen hat, verbessern sich die Fähigkeiten einzelner Spieler. Die Fähigkeiten beziehen sich auf Pass, Schuss, Tackling, Dribbling am wichtigsten ist allerdings der Guts Wert. Das ist eine Art Energiewert, jede Tätigkeit auf dem Feld kostet ein bisschen Guts, sei es ein Pass, ein Schuss oder simples Dribbling. Hat ein Spieler keine Guts mehr, kann er nur noch passen.
Was man von der Captain Tsubasa Reihe wohl am ehesten kennt, sind die absolut übertriebenen Spezialfähigkeiten. Schüsse welche das Tornetz zerfetzten, unglaubliche Tacklings oder Torhüter die blitzschnell vor dem Tor herumspringen. Diese Fähigkeiten haben auch im Spiel Platz gefunden und kosten ganz besonders viel Guts. So kann ein Kaiser Tackling 140 Guts kosten, dafür ist es aber auch wesentlich effektiver als ein normales, das nur 20 abzieht. Der Mega Drive Shot ist auch von außerhalb des Strafraums effektiv und der „Big Bang Shot“ von Adolf frisst 400 Guts ist dafür aber sogar von der Mittellinie ein sicherer Torgarant.
All diese Spezialaktionen werden natürlich auch grafisch besonders dargestellt. Da fliegt der Ball nach einem „Gigadrive Shot“ auch schon mal kurz durchs Weltall ehe er sich auf den Weg zum Tor macht. Einige Schüsse zerfetzen auch mal das Tornetz.

Das Ganze spielt sich zum Glück einfacher als se sich anhört, mehr als eine Taste braucht man eigentlich nicht und das ganze hat man nach der ersten Partie gelernt. Man muss sich nur daran gewöhnen, dass man es hier eben nicht mit einem schnellen Actionkick zu tun hat, sondern mit einem langsamen Strategiespiel, wo jeder Spielzug erstmal überlegt sein sollte.
Der Schwierigkeitsgrad ist nicht wählbar und schwankt ziemlich. Scheinbar wollten die Entwickler auch den Spieler ärgern, denn gleich im zweiten Spiel trifft man auf den Hamburgur FC (Soll wohl der HSV sein), welcher dem Dreams F.C. hoffnungslos überlegen ist. Man wird an die Wand gespielt und hat eigentlich keine Chance, dieses Match zu gewinnen. Zum Glück ist es nur ein Freundschaftsspiel und das Spiel geht danach weiter. Alle anderen Spiele allerdings muss man zwingend gewinnen. Verliert man, darf man das Spiel wiederholen. Gerade am Anfang ist ein ab und zu verlorenes Spiel gar nicht das schlechteste, da sich die Spieler in ihren Fähigkeiten trotzdem steigern.
Hat man das erste Turnier mit dem Dreams F.C. gewonnen, kommt man zu einer neuen Mannschaft mit dem wunderlichen Namen „The Ours“. Nach einigen Freundschaftsspielen tritt man dann beim Tecmo Cup gegen Nationalmannschaften an. Hierbei fallen vor allem die letzten beiden Spiele durch einen extremen Schwierigkeitsgrad auf. Vor allem das Finale gegen Deutschland verlangt eine starke Truppe und einiges an Können.

Nach jedem gewonnen Spiel bekommt man ein Passwort, so das man auch zu späterer Zeit weiterspielen muss und nicht jedes Mal von vorne starten.

Grafisch sieht das Spiel ganz nett, aber nicht spektakulär aus. Die Animationen der Spieler sind recht sparsam, was aber auch an den Tsubasa Anime erinnert,  dort flogen die Kicker ja auch recht statisch über den Bildschirm. Die Zwischensequenzen welche die Handlung fortführen bestehen auch nur aus Standbildern.
Die Musik ist in Ordnung, etwas nervig im Spiel, wo es 2 Musikstücke gibt, die sich ständig abwechseln, je nachdem ob man nun in der Defensive oder Offensive sind. Beiden fallen durch ein übertrieben lautes Schlagzeug auf. Soundeffekte gibt es dagegen kaum.

Technisch ist Tecmo Cup Football Game also keine Offenbarung, aber das ist auch nicht nötig, da es schon genug durch das ungewöhnliche Spielprinzip auffällt.
Dadurch dass es von der Spielmechanik her mehr den Kämpfen bei Strategie/RPG Titeln wie Shining Force ähnelt, ist dieses Spiel wohl empfehlenswert für alle, die sich auch nur ein bisschen für Fußball interessieren. Mir hat es, trotz des recht hohen Schwierigkeitsgrades sehr gut gefallen.

Publisher: Sega
Developer: Tecmo/Sega
Erscheinungsjahr: 1993
Erschienen für: Mega Drive
Anzahl Spieler: 1-2
Schwierigkeitsgrad: Mittel-Hoch

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Grafik6,5/10  Spielspass
Sound5,5/10
8,5/10
Gameplay 8,5/10
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