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Während die WWF in Sachen Finanzen und Einschaltquoten mitte der 90er in eine tiefe Krise stürzte, verkauften sich die Videospiele mit ihrer Lizenz noch richtig gut. WWF Royal Rumble war 1993 auf Mega Drive und SNES ein großer Verkaufserfolg und so wurde schon im November 1994 der Nachfolger präsentiert. WWF Raw wurde nach der Montagsshow benannt, die auch heute noch im Fernsehen läuft. Zwölf Wrestler wurden in das Modul gepackt: Bret Hart, Shawn Michaels, Undertaker, Razor Ramon, Diesel, Owen Hart, Yokozuna, 1-2-3 Kid, Bam Bam Bigelow, Lex Luger, Doink und mit Luna Vachon sogar eine Wrestlerin. Gab es beim Vorgänger noch Unterschiede im Roster bei den Mega Drive und SNES Versionen, sind sie hier nun identisch. Interessant ist, dass die Wrestler nun alle unterschiedliche Charakterwerte wie Stärke, Geschwindigkeit und Ausdauer haben. Allerdings muss ich sagen, dass ich auch nach längerem und gezieltem ausprobieren keinen wirklichen Unterschied feststellen konnte. Per Cheat kann man die Werte editieren, aber auch danach wirkte es nicht so, als hätte sich was getan. Auch bei den Spielmodi hat man nicht gekleckert und präsentiert altbekanntes (Single Match, Tag-Team Match, Royal Rumble und die Hardcore Matches wo man den Gegner nur KO prügeln muss und kein Ringrichter weit und breit zu sehen ist) aber auch einiges Neues. So gibt es nun auch die Survivor Series mit ihren Regeln (Zwei Teams mit 4 Wrestlern treten gegeneinander an, bis ein Team das andere vollständig eliminiert hat) und hinter Bedlam verbirgt sich praktisch ein Tornado Tag Match. Beide Teams sind zu jeder Zeit im Ring und ein Team muss beide Gegner eliminieren um zu siegen. Als letztes gibt es noch das Raw Endurance Match. Im Prinzip ein Gauntlet, wo man mit einer wählbaren Anzahl Wrestler gegen eine ebenfalls wählbare Anzahl Gegner antritt. Ist ein Wrestler besiegt, folgt der nächste, bis ein Team vollständig Geschichte ist. Hierbei sind alle Kombinationen von 1 gegen 2 oder 1 gegen 6, bis maximal 6 gegen 6 möglich. Handicap-Matches steht also auch nichts im Weg. Im Single- und Tag-Team Modus gibt es dann noch wie gehabt die Turniere um die Championgürtel, wo man der Reihe nach gegen alle anderen Wrestler antritt. Weggefallen ist dafür das 3 Men Tag, aber dafür hat man ja die Survivor Series. An den Multiplayer wurde auch gedacht, mit einem Multitap dürfen bis zu vier menschliche Spieler antreten und dass es so am meisten Spaß macht, versteht sich wohl von selbst. Beim grundlegenden Gameplay hat sich nicht viel verändert. Entwickler Sculptured Software setzt auf das altbewährte Buttonmashing der Vorgänger. Die Wrestler beherrschen Tritte und Schläge, können rumlaufen, auf den Ringpfosten klettern, aus dem Ring raus und diverse Moves aus dem Grapple ausführen, wobei eben derjenige seinen Move ausführt, der am schnellsten auf die jeweiligen Tasten hämmert (Um einen der vielen Moves auszuführen, muss man nur auf einer der Tasten rumhämmern). Aus dem Grappling heraus kann man jeweils vier unterschiedliche Moves durch einfaches Tastendrücken ausführen. Desweiteren kann man ihn mit Schlägen, Elbow Drops und anderen Moves bearbeiten, wenn er am Boden liegt. Es ist aber schade, das vom Top Rope nach wie vor nur ein simpler Elbow-Drop möglich ist. Ein oder zwei weitere Moves wie Big Splash oder Diving Headbutt wären nett gewesen. Hatten die Wrestler beim Vorgänger Royal Rumble noch alle die gleichen Moves, gibt es nun kleinere Unterschiede. So zeigen die meisten Wrestler eine Clotheline, nachdem man den Gegner in die Seile geworfen hat. Der Undertaker aber zeigt stattdessen einen Big Boot und während Yokozuna aus dem Grapple einen DDT zeigt, führt Bret Hart einen Samoan Drop aus, Diesel zeigt einen Vertical Suplex, Bam Bam Bigelow dagegen einen German Suplex. Es ist schön, das nun etwas wert auf ein unterschiedlicheres Moveset gelegt wurde. Natürlich hat auch jeder Wrestler seinen Finishing Move, von Bret Harts Sharpshooter bis zu Razor Ramons Razors Edge ist alles dabei. Lediglich bei Shawn Michaels steckte man noch etwas in der Vergangenheit, er zeigt immer noch den Tear-Drop Suplex, obwohl er schon längst die Sweet Chin Music in der Realität nutzte. Etwas witzig finde ich auch, das Diesel die Clotheline zeigt und nicht, wie man denken könnte, einen Big Boot – diesen zeigt dafür der schmächtige 1-2-3 Kid. Einige weitere Aktionen sind ebenfalls dazu gekommen. Man kann den Gegner nun in die Ringecke werfen und dann entweder einen Running Elbow zeigen oder aufs Seil klettern und die klassischen 10 Punches bringen (vorausgesetzt man wird vorher nicht runter geworfen) Neben dem Stuhl steht nun außerhalb des Rings auch ein Eimer rum, den man als Waffe einsetzen kann. Neu und völlig unrealistisch sind die Mega Moves. Über Street Fighter-artige Tastenkombinationen werden absolut bizarre, aber schlagkräftige Aktionen ausgeführt. Bret Hart zeigt dann etwa einen 900° Splas aus der Ecke, Yokozuna schmeißt sich einfach auf den Ringboden und löst damit ein Erdbeben aus, Doink packt seinen Gegner zusammen und kickt ihn dann aus dem Ring (Erinnert an das Field Goal beim American Football) und Owen kreiselt mit ausgestreckten Armen durch den Ring und räumt alles beiseite. Witzig sieht es in jedem Fall aus. Was mir nicht ganz so gut gefällt, ist der Ringrichter, der nun noch langsamer seinen 3 Count runter zählt. Dank zehn Schwierigkeitsgraden ist auch die CPU auf längere Sicht eine Herausforderung und cheatet auf dem höchsten fröhlich rum. Wenn man nicht gerade der Weltmeister im Tastendrücken ist oder ein Pad mit Turbofunktion einsetzt, sieht man da wenig Land. Die Präsentation ist ganz gut gelungen. Das Monday Night Raw Intro wird gezeigt, die Hintergründe in den Menüs sind animiert und vor dem Kampf werden die beiden Wrestler und das Match von den Kommentatoren per Text angekündigt. Ansonsten sieht das Spiel größtenteils wie der Vorgänger aus. Die Wrestler unterscheiden sich köperlich zumindest ein wenig, auch wenn Yokozuna ungewöhnlich dünn aussieht (so schlank war der doch in seinem gesamten Leben nie). Die Animationen sind auch in Ordnung. Aufgefallen ist mir noch, das sich im Publikum nun weniger tut als beim lebendigeren Vorgänger. Die Musik ist in Ordnung. Geboten werden gute Midi-Nachbildungen der Wrestler Themes sowie des Monday Night Raw Themes. Die Soundeffekte sind wieder mal recht unrealistisch und das Publikum ist zwar lautstark, aber eine extrem laute Tröte nervt hier leider schnell. WWF Raw befindet sich praktisch auf dem gleichen Level wie der Vorgänger und bietet einige nette Veränderungen, ohne dabei wirklich eine Revolution zu sein. So ist es am Ende wohl geschmacksabhängig welchen der Roster man am besten findet oder ob man nun unbedingt eine Survivor Series spielen will. Spaß macht WWF Raw gerade im Multiplayer einfach immer noch, gerade, da die simple Steuerung jeder schnell erlernt. Publisher: Acclaim/LJN Developer: Sculptured Software Erscheinungsjahr: 1994 Erschienen für: SNES, Mega Drive, Game Boy, Game Gear Anzahl Spieler: 1-4 Schwierigkeitsgrad: Wählbar
 
| Grafik | 8/10 | | Spielspass | | Sound | 7/10 | 7/10 | | Gameplay | 7,5/10 | | Multiplayer | 8,5/10 |
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