Home arrow Wrestling arrow Heroes of Wrestling 11 Februar 2012  
Kingdom of Desire
HomeForumImpressum
Spiele
Bücher
Filme
Hardware
Musik
Konzerte
Artikel
Wrestling
 
Heroes of Wrestling PDF Drucken
Geschrieben von ShadowAngel   
10.02.2008
Ende 1999 befanden sich die USA noch im großen Wrestlingboom auch wenn er schon langsam ein wenig am abflauen war, da der Monday Night War einfach schon seine Entscheidung fand. Trotzdem versuchten  auch zu diesem Zeitpunkt noch einige Unternehmer etwas vom großen Kuchen abzubekommen. Darunter auch Bill Stone, Präsident von Fossstone Productions, einer Fernsehfirma. Seine Idee sollte Legends of Wrestling heißen und die größten Stars der Vergangenheit zurück in den Ring befördern. Diese waren von dem Namen Legends aber gar nicht begeistert weil sie dachten, das würde sie als alt darstellen. Vor allem der Honky Tonk Man sah sich von einem Auftrittsangebot sehr angegriffen, er wäre zu jung für diese Show – und das mit damals 46 Jahren.
Also wurde das ganze in Heroes of Wrestling umgeändert. Der erste PPV wurde am 10. Oktober 1999 im Casino Magic (Heute Hollywood Casino) in Bay St. Louis, Mississippi veranstaltet. Weitere Events dieser Art hätte es gegeben, wenn sich dieser PPV mindestens 40.000 Mal verkauft hätte. Am Ende wurden nur 29.000 erreicht und so wurde das ganze Projekt eingestampft. Legendär wurde diese Show aber trotzdem, sie gilt nämlich als schlechtester Wrestlingevent aller Zeiten (konkurriert vielleicht allerhöchstens noch vom UWF Blackjack Brawl 1994).

Los geht es mit einem Tribut an den damals kurz zuvor gestorbenen Gorilla Monsoon und einem furchtbar schlecht zusammen geschnittenen Video, welches die Wrestler vorstellen soll. Das Ganze ist schon sehenswert amateurhaft. Die Kommentatoren sind Dutch Mantell und irgendjemand namens Randy Rosenbloom. Eigentlich sollte ja Kommentatorenlegende Gordon Solie kommentieren, aber da er damals schwer erkrankte (und im Juli 2000 verstarb), war das nicht möglich. Zum Glück musste er sich diesen Schwachsinn nicht mehr ansehen. Rosenbloom dagegen machte zu jeder Sekunde deutlich, dass er absolut keine Ahnung von Wrestling hat. So bezeichnet er einen Dropkick als Flying Leg Kick und sein Wortschatz scheint sonst nur aus „Wait a minute“ zu bestehen, das er ungelogen bis zu 5x pro Minute bringt.

Das erste Match steht an und hier werden wir direkt belogen, denn das Samoan Swat Team besteht nicht wie angekündigt aus Samu und Fatu, die man aus der WWF als Headshrinkers kennt, sondern aus Sam und Sam Fatu, the samoan Savage. Beide sind schrecklich außer Form und sie treffen auf Marty Jannetty und Tommy Rogers. Die beiden sind zwar besser in Form, aber gerade Jannetty wirkt schon so als wäre auf Drogen. Im Prinzip besteht das Match aus Basicwrestling der durchschnittlichen Sorte. Die beiden Samoaner können nicht viel zeigen weil sie mehr oder weniger unbeweglich sind. Jannetty gibt sich zwar große Mühe, aber für mehr als ein paar Schläge, Tritte, Clothelines und Snapmare reicht es dann doch nicht. Dann wird Schema F ausgepackt und Jannetty wird verprügelt, schafft aber in letzter Sekunde das Hot-Tag und schickt Rogers rein. Der scheitert klassisch mit einem Headbutt (Bekanntlich funktioniert das bei Samoanern nicht) und wird von den Gegnern vermöbelt. Samu zeigt dann zumindest einen ganz schönen TKO, pinnt Rogers und holt den Sieg. Irgendwie war das einfach zu unspektakulär. 3/10

Greg „The Hammer“ Valentine trifft auf George „The Animal“ Steele. Steele hat Sherri Martel dabei. Steele trägt ein Shirt und wird vom Ringrichter gezwungen es ausziehen (warum auch immer), als er sich gerade das Shirt über den Kopf zieht wird er von Valentine attackiert. Steele sieht nichts, liegt in der Ecke und dann turnt Sherri einfach mal so gegen ihn und greift an. Aber The Animal kann sich befreien, zieht sein Shirt aus (und offenbart damit seine unglaubliche Körperbehaarung, die selbst wie ein dicker Pullover aussieht), greift sich einen Gegenstand, attackiert Valentine und gibt ihn an Sherri. Er hat wohl nicht gemerkt, dass  sie mittlerweile nicht mehr auf seiner Seite ist. Diese gibt den Gegenstand an Valentine weiter, der ihn einsetzt und so gewinnt. Ein Wrestlingmatch komplett ohne Moves muss man auch erstmal zu Stande bringen… 0/10

Too Cold Scorpio trifft auf Julio Fantastico. Immerhin mal zwei Wrestler unter 50 Jahren, wobei Fantasico nicht mehr als ein Jobber ist und einfach nichts drauf hat. Das wird auch bei diesem Match deutlich. Es ist praktisch eine sinnlose Aneinanderreihung von Moves und Spots, die zumeist völlig abgefuckt werden. So zeigt Scorpio einen Pescado der schon nicht gut aussieht, dann zeigt Fantastico den gleichen Move und versaut ihn vollständig. Dann geht es ins Publikum, es wird ein wenig gebrawlt, zurück in den Ring und Scorpio zeigt den Tumbleweed denn er auch versaut und deshalb noch mal wiederholt, auch das sieht nicht gut aus aber wenigstens ist das Match jetzt vorbei. Von Scorpio erwartet man eigentlich mehr…aber wenigstens wurde Wrestling gezeigt, was bei dieser Show eine Rarität ist. 1/10

Willkommen im Jahr 1985 heißt es nun, denn der Iron Sheik und Nikolai Volkoff machen sich auf zum Ring und haben einen klischeehaften russischen Soldaten samt UDSSR Flagge dabei. Dann folgt die UDSSR Hymne und der Sheik labert ein wenig Unsinn (Dass er Backlung und Hogan erwähnt verstärkt nur den Eindruck das er mental in den 80ern festhängt). Die Gegner sind die Bushwhackers. Rechnet man das Alter aller vier Akteure zusammen kommt man auf jugendliche 215 Jahre. Obwohl Luke und Butch Australier sind steigen sie in den USA USA Chant des Publikums ein. Luke wird von Volkoff verprügelt, auch wenn zwischen Luke und dem Stiefel des Russens wohl ein VW Golf parken könnte. Es sieht schrecklich peinlich aus. Mehr als Schläge und Tritte gibt es auch hier nicht. Der Sheik kommt rein und „prügelt“ weiter auf Luke ein, auch hier wieder riesige Abstände zwischen Hand und Ziel. Ein paar peinliche Slams gibt es immerhin, aber mehr Wrestling ist bei den beiden bierbäuchen Heels nicht möglich. Luke schafft aber das Hot-Tag, die Heels wollen Butch mit einem Gegenstand angreifen aber auch hier greift das Schema F und sie treffen sich gegenseitig was den Sieg der Bushwhackers bedeutet. Eine absolute Peinlichkeit. -5/10

Mit Stan Lane und Tully Blanchard treffen jetzt zwei große Namen aufeinander, deren Zeit aber auch schon längst vorbei ist. Blanchard war Mitglied der originalen Four Horsemen und später mit Arn Anderson als The Brain Busters in der WWF. Stan Lane war eine Hälfte des legendären Tag-Teams The Fabolous One, das insgesamt 14x AWA Southern Tag-Team Champions wurde. Die beiden strengen sich zumindest an, zeigen einige nette Manöver, dann geht es nach draußen und Lane befördert Blanchard mit einem Hip-Toss an den Ringpfosten. Lane übernimmt für einige Zeit die Führung und zeigt einige nette Moves wie einen Neckbreaker. Aber Blanchard kommt wieder zurück, es geht wieder nach draußen wo er einen Figure Four Leglock zeigt. Wirklich schnell ist das Match auch nicht, die beiden kriechen geradezu.
Das Ende ist dafür dann wieder richtig dämlich. Lane zeigt einen Belly to Back Suplex und es kommt das altbekannte Double-Count Finish, nur das Blanchard im letzten Moment seine Schulter hochkriegt und so gewinnt. Ein klarer Pinfall wäre in jedem Fall besser gewesen. Immerhin ein halbwegs nettes Match, das aber eben ganz laut 80er schreit. 3/10

No Man Gang gegen Abdullah the Butcher. Irgendwie ist das kein Match, beide brawlen, bearbeiten sich mit Gegenständen und bluten schon seit kurzer Zeit. Leider sind die Kameramänner sehr amateurhaft, es wird voll auf Abdullah gehalten, während er sich bladet. Hinzu kommt das beide Wrestler völlig außer Form sind, Abdullah stark übergewichtig um nicht zu sagen fett (und es ist kein schöner Anblick das er oben ohne antritt). Ein wirkliches Wrestlingmatch war das nicht, auch kein schöner Brawl. Im Prinzip war es Müll. Ach ja, es gewann keiner, da beide ausgezählt wurden. -5/10

The Superfly Jimmy Snuka trifft nun auf Cowboy Bob Orton. Auch hier muss man wohl sagen: Wenigstens geben sie sich Mühe. Mehr aber auch nicht. Gerade Snuka fuckt einige Moves up, sein Splash vom Top Rope sieht sehr fahrlässig aus, Orton will ihn später mit einer Clotheline über das Seil befördern aber Snuka kommt nicht drüber und von Selling hat er wohl auch nichts gehört. Snuka ist wohl einer der überbewertesten Wrestler aller Zeiten. Orton zeigt dann einen ewig langen Armbar, das dauert. Das ganze langweilt den Kameramann wohl so sehr das er lieber Lou Albano zeigt, der beim Publikum rum steht. Lou greift später noch ein als Orton einen Superplex zeigt, Albano aber Snuka festhält und der Cowboy so auf die Fresse fliegt. Snuka zeigt eine Bodypress und gewinnt. Langweilig 2/10

Jetzt wird es lustig. Jake the Snake Roberts trifft auf Jim the Anvil Neidhart. Vorher gibt Snake Roberts eine Promo und man merkt sofort dass er auf jeden Fall voll auf Crack, Kokain, Alkohol oder alles zusammen ist. Er labert völligen Schwachsinn, den man auch kaum versteht weil er gar nicht richtig sprechen kann und muss sich auch noch am Interviewer abstützen weil er wohl sonst umfallen würde. Dieser Interview guckt auch reichlich angewidert drein. Insgesamt auf jeden Fall sehenswert so schlecht wie das ist.

Aber nun zum Match und das ist so unglaublich, dass ich es ausführlich machen muss. Roberts wankt benommen mit seiner Schlange zum Ring und hat schon Probleme den Sack in den Ring zu befördern. Dann geht er wieder die Rampe hoch, verschwindet und kommt kurz darauf zurück. Er zwingt eine Frau aus dem Publikum über seine schwabbelige Brust zu streicheln, ob sie danach wenigstens Schmerzensgeld bekam? Anvil verschwindet derzeit aus dem Ring, sein Blick verrät, dass er auch nicht so recht weiß was er von der ganzen Sache halten soll. Jake hängt derweil benommen in den Ringseilen, als Anvil kommt und das Match endlich startet. Einige Lockups und Schläge müssen wohl reichen. Roberts will seinen DDT zeigen fällt aber auf die Knie, Anvil flieht wieder mit einem verwirrten Blick aus dem Ring, während sich die Schlange aus dem Sack befreit. Roberts schnappt sich die Schlange, packt sich das Vieh zwischen die Beine und grinst doof, während er die Schlange….masturbiert? Meine Güte. Dann legt er sich auf den Boden, die Schlange auf sich drauf und leckt sie ab. Während er sie wieder in den Sack stopft, kommt King Kong Bundy zum Ring. Eigentlich sollte er den Main Event gegen Yokozuna bestreiten aber scheinbar haben die Booker hinter den Kulissen die Schnauze voll von Roberts besoffenem Gehabe, denn kurz darauf schwabbelt auch Yokozuna (der bei diesem Event wohl sein maximales „Kampfgewicht“ von 320 Kilo erreicht hat und sich nicht mehr wirklich bewegen kann und er sieht wirklich absolut grausam aus).
So wird das Match jetzt flugs zu einem Tag-Team Kampf umgestaltet. Schläge, Tritte, mehr gibt es nicht zu sehen. Bundy und Neidhart prügeln auf Yokozuna, während Roberts benommen draußen am Ring hängt, dann wankt er zurück in den Ring und fällt um. Ja, er kann schon nicht mal mehr stehen. Neidhart zieht ihn raus und beschäftigt ihn mit Stuhlschlägen. Zuvor kam ein glatzköpfiger Typ zum Ring und hat Bundy und Neidhart wohl schnell von den Änderungen erzählt und wie sie das Match beenden sollen.
Zurück im Ring wird Roberts von beiden verprügelt, kann aber das Hot-Tag machen und Yokozuna räumt auf. Er verprügelt Neidhart, während Bundy auf den am Ringboden liegenden Roberts splasht und den Pinfall durchzieht, auch wenn Roberts gar nicht der legale Mann war. Man wollte wohl das Fiasko so schnell wie möglich beenden.
Am Ende verprügeln Yokozuna und Roberts dann den glatzköpfigen Typen, er kriegt die Schlange ab und plötzlich ist das Bild schwarz und der Event vorbei.
Das war definitiv das mieseste Match das ich jemals gesehen habe. -10/10

Heroes of Wrestling kann man nur als Debakel bezeichnen. Alte, völlig außer Form geratene Wrestler schieben sich durch den Ring und das alles wird nur noch vom letzten Kampf gekrönt, aber nicht nur allein deshalb ist dieser PPV der wohl mieseste Wrestlingevent überhaupt und aller Zeiten.
Bewertung
-5/10
 
< Zurück   Weiter >
Top of Page