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Frauenwrestling hat ja einen richtig schlechten Ruf. Männer denken dabei meist an zwei nackte Frauen, die in einem Schlammbecken rumspringen. Das hat ja mit Wrestling meist wenig zu tun. Genauso wenig ist das, was die WWE als Frauenwrestling verkauft, richtiges Frauenwrestling, stehen da ja nur ein paar Ex-Models im Ring rum und zeigen dass sie null Ahnung haben. Während also in Japan schon seit vielen Jahren das Frauenwrestling einen festen Platz hat und dort einen genauso guten Ruf wie das der Männer genießt, kam aus den USA fast nur Müll. Reine Frauenligen waren meist auch nur Schrott. Erinnern wir uns nur an GLOW aus den 80ern (und denken dabei an die Al Bundy Folge, wo er gegen eine GLOW Wrestlerin ran muss)... Im November 2005 machte sich dann SHIMMER auf, den USA (und dem Rest der Welt) zu zeigen, was echtes Frauenwrestling ist. Angefangen wird jetzt mit der 8. DVD, die veröffentlicht wurde. Einfach aus dem Grund, weil es mein erster SHIMMER Event war und ich es eh langweilig finde mich an Reihenfolgen zu halten. Aufgenommen werden die Shows in einem kleinen Club in Chicago und das allein sorgt schon für ein besonderes Flair. Die Fans rufen immer mal Sachen Richtung Ring, worauf die Wrestlerinnen eingehen und das ganze Spiel mit dem Publikum ist etwas, das man in den großen Ligen ja gar nicht mehr sieht.
Los geht es mit dem ersten Match zwischen Lexie Fyfe und Lorelei Lee. Lorelei Lee ist noch eine recht junge Kämpferin, die mit ihrem Cowgirl Outfit auch direkt aus den 80ern stammen könnte. Lexie Fyfe dagegen ist schon eine Veteranin, die meist mit einer anderen Veteranin teamt: Malia Hosaka und diese verlor sehr überraschend gegen Lorelei Lee in Volume 3. Späte Rache also. Das Match ist als Opener ganz nett, aber eben nichts Besonderes. Zwar hat sich Lorelei Lee mittlerweile sehr gesteigert, aber es mangelt ihr einfach ein wenig an Erfahrung und das Overselling muss sie auch noch abstellen. Ein paar nette Aktionen gab es, wie einen Standing Moonsault und Lexie Fyfe fiel natürlich durch einige Heelaktionen auf und konnte am Ende durch den Attitude Adjuster den Sieg einfahren. Nett und unspektakulär, deshalb: 5,5/10
Cindy Rogers vs. Serena Deeb steht als nächstes auf dem Programm. Cindy Rogers wird nicht zu Unrecht „Definition of Technician“ genannt. Sie ist technisch schon sehr beschlagen, auch wenn ihr energetischer Einzug etwas mehr an den Ultimate Warrior erinnert. Serena dagegen könnte wohl die „Definition of 08/15“ sein. Man merkt auch recht schnell, dass dieses Match nur einen Sinn hat: Ein Heelturn von Cindy Rogers. Sie geht sehr aggressiv zu Werke, bringt einige Cheap Shots an und versucht ständig den Ringrichter abzulenken, damit sie der Gegnerin an den Haaren ziehen kann oder ähnliches. Leider ist das Match etwas zu lang geraten und langweilt ein wenig mit Submissionmoves. Am Ende gewinnt dann Cindy Rogers mit dem TCB und tritt dann noch mal auf Serena ein, um allen deutlich zu zeigen, dass sie nicht mehr der Publikumsliebling sein mag. 5/10
Als nächstes stürmt LuFisto zum Ring. Vom Aussehen her könnte man sie wohl leicht unterschätzen, denn mit ihren 1,60 und dem ständigen Gegrinse könnte man fast ein wenig Mitleid haben. Tatsächlich ist sie aber eine Hardcorewrestlerin, die zwar auch technisch sehr beschlagen ist, aber doch recht hart zu Werke geht, so dass ihren Gegnerinnen meist schnell das Grinsen vergeht. Sie trifft hier zum ersten Mal auf Allison Danger. Allison ist nicht nur die Schwester von Steve Corino, den man noch aus der ECW kennt und Wrestlerin, sondern auch noch Mitbesitzerin von SHIMMER und Co-Kommentatorin. Im Prinzip macht sie also alles was möglich ist. Das Match geht sofort recht hart los. Sehr harte Chops und Kicks, bei denen sehr deutlich gezeigt wird, dass doch nicht immer alles Fake im Wrestling ist. Zwischendrin viele schöne technische Aktionen und Submissionholds, die aber auch sehr viel härter durchgezogen werden, als man das üblicherweise sieht. Allison Danger kann erst ein wenig die Oberhand gewinnen als sie sich an der Rückenverletzung LuFistos zu schaffen macht, die Pflaster runterreißt und sich darauf konzentriert, nicht ganz fair, aber im Krieg ist eben auch alles erlaubt. Am Ende jedoch gewinnt dann LuFisto durch einen Chokehold. Insgesamt ein tolles Match, das etwas zu kurz war, die Zwei hätten noch viel mehr zeigen können. 7/10
Amber O’ Neil vs. Josie. Amber O’Neil gehörte dem nicht mehr existierenden Team Blondage an. Josie ist auch noch relativ neu im Wrestlinggeschäft, ihr Debüt erfolgte im Jahr 2003 und ist auch noch nicht allzu lang bei SHIMMER. Amber zeigt recht deutlich, dass sie in einem Tag-Team deutlich besser aufgehoben ist, sie wirkt ein wenig verloren hier und so richtig scheint sie auch nicht mit Josie klar zu kommen. Ein tolles Match sieht anders aus. Es gibt nur einige wenige Aktionen nach dem Regelwerk „Wie mach ich ein Standardmatch“ und zu viele Chokes und Schläge. Insgesamt eine große Enttäuschung. 3,5/10
Wesentlich besser ist da schon das nächste Match. Nikki Roxx tritt mittlerweile bei TNA unter dem Namen Roxxi Leveaux an. Ihre Gegnerin ist Malia Hosaka, die mittlerweile schon gute 20 Jahre im Ring steht und sich hauptsächlich in Japan einen guten Ruf erarbeitet hat. Malia zeigt auch sofort, warum solch kleine Hallen den großen Arenen vorzuziehen sind: Sie kommt zum Ring und motzt erstmal das Publikum an, dass dieses ruhig sein soll. Und wenn Malia mal motzt, dann motzt sie wirklich anständig rum, wie es wohl aussieht wenn bei der Mal die Zeugen Jevohas an der Tür läuten…Das Publikum ist nicht sonderlich erfreut, „Go back to Hawaii“ ist noch einer der freundlicheren Sprüche. Nikki Roxx ist da schon deutlich freundlicher. Erschien sie bei den ersten beiden Volumes noch etwas blass, hat sie sich mittlerweile zu einer sehr guten und interessanten Wrestlerin gewandelt. Recht unkonventionell fängt das Match erstmal mit Submissionmoves an, ehe Malia vorübergehend mit harten Kicks die Oberhand übernehmen kann. Allerdings nur kurz, denn beide Ringerinnen sind auf dem gleichen Level, so dass dieses Match hin und herwogt. Schließlich endet es dann recht überraschend durch eine Art Powerbomb into Rollup Pin für Nikki Roxx. Klasse Match, das allein schon durch Hosakas Gemotze und die Publikumsreaktionen darauf unterhaltsam ist. 8,5/10
Wie man an ihrem Namen schon erkennen kann, handelt es sich bei Nattie Neidhart um die Tochter von Jim „The Anvil“ Neidhart, den man ja vor allem aus der WWF kennt. Nattie ist mittlerweile bei der WWE unter Vertrag und hat hier ihren letzten Auftritt für SHIMMER. Sie trifft auf die Portuguese Princess Ariel. Nattie Neidhart hat wohl ganz viele Matches und Promos der Hart Foundation gesehen, denn sie trägt Rosa und Schwarz (mit Herzen und Sternen so dass man wirklich nur noch 80er sagen kann), hat die gleichen Sprüche und die gleiche fiese Lache wie ihr Vater und wirkt genauso überheblich und arrogant. Trotzdem lebt sie nicht nur durch ihren Namen sondern zeigt auch sehr großes Talent. Die beiden liefern sich eine sehr harte Schlacht. Die genialste Szene ist, als Ariel Nattie rund um den Ring jagt. Nattie flüchtet in den Ring und springt in die Arme des Ringrichters, der das gar nicht toll findet und sie einfach fallen lässt. Sehr geniale Szene. Zumal Nattie auch recht sauer darüber ist und den Ringrichter anmotzt. Man darf gespannt sein, was Nattie in der WWE erreichen wird, sie hat eigentlich alles um eine geniale Wrestlerin zu sein. Quasi als Abschiedsgeschenk darf sie dann auch den Sieg einfahren und mit welchem Move? Natürlich mit dem Sharpshooter. Ein Match das nicht nur tolle Moves bietet sondern eben auch einige lustige Momente. 8,5/10
Tiana Ringer vs. Daizee Haze. Tiana Ringer spielt sehr perfekt den arroganten Heel, man hasst sie sobald sie durch den Vorhang zum Ring geht. Daizee Haze wurde wohl direkt von Woodstock hergebeamt. Leider hat sie eine beschissene Entrancemusik. Das Match bietet in seinen 15 Minuten recht gute Aktionen. Daizee Haze zeigt vor allem schöne Konteraktionen Trotzdem ist die Geschwindigkeit des Matches etwas zu lahm und einige Aktionen wirken auch ein wenig Fake, vor allem wenn es in die Ringecke geht. Aber das Match ist zum Glück eher kurz gehalten, so dass es nicht weiter ins Gewicht fällt. Beide Wrestler sind jedenfalls recht talentiert, aber ich denke mit etwas mehr Erfahrung können sie sich auf jeden Fall noch steigern. Daizee Haze gewann am Ende mit ihrer Heart Punch/Yakuza Kick Kombination. 7/10
Der erste von 2 Main Events folgt nun. Cheerleader Melissa und MsChif treffen auf die Minnesota Home Wrecking Crew (Rain & Lacey). Das Match ist sehr interessant, da Cheerleader Melissa und MsChief über all die vorherigen Volumes eine extrem harte und krasse Fehde führten und jetzt eben mehr oder weniger freiwillig zusammen antreten weil sie beide die MHWC hassen. Vom Namen sollte man sich übrigens nicht blenden lassen. Cheerleader Melissa klingt recht lahm, aber wenn man sie dann mal mit ihrem völlig angepissten Gesichtsausdruck sieht, weiß man, dass sie eine der Cheerleader ist, die in der High School wohl Nerds verprügelt hat. Insofern passt sie mit MsChif gut zusammen. Die wirkt einfach böse, was nicht nur an ihrem Entrance Theme von Satyricon liegt, sie schreit auch gern die Gegner direkt aus dem Ring und kann richtig verknotet werden, weshalb Submission Moves praktisch wirkungslos sind. Die Minnesota Home Wrecking Crew ist schon seit jeher als arrogantes Heel Tag-Team unterwegs und ist auch das dominierende Team von SHIMMER. Das Match ist ein absolut klassisches Tag-Team Match nach Oldschool Regeln wo der Ringrichter ständig die Faces benachteiligt und die Heels ihre fiesen Aktionen ausführen können. Anfangs ist es noch recht ausgeglichen, nach dem MsChif erstmal Rain durch einen gut gezielten Schrei verjagt. MsChif und Melissa arbeiten gut zusammen, was man so wohl kaum erwarten konnte, trotzdem darf man hoffen, dass beide auch in Zukunft hauptsächlich als Singles Wrestler unterwegs sind. Sehr schnell dominiert aber die MHWC durch Heel Aktionen und das sie sich hauptsächlich auf MsChif konzentrieren während der Referee damit beschäftigt ist Melissa aus dem Ring zu halten, so dass Rain und Lacey jede Menge illegaler Double Team Moves anbringen können. Am Ende gewinnen auch die beiden durch den Double Team Tomikaze und einen Implant DDT. Insgesamt ein tolles Match, das genau die richtige Matchdauer hatte. 9/10
Im Main Event haben wir noch eine Fehde die schon länger läuft. „American Angel“ Sara del Ray und „Latino Sensation“ Mercedes Martinez sind zwei der besten Wrestlerinnen derzeit. Bei SHIMMER Volume 1 bestritten sie ein geniales Match, das in einem Time Limit Draw endete. Bei Volume 5 konnte sich dann Sara Del Ray durchsetzen. Bei Volume 6 mussten die beiden dann zwangsweise gegen die Minnesota Home Wrecking Crew antreten und verloren durch eine missglückte Aktion was zu diesem Match führte, die beiden können sich eben einfach nicht ausstehen. Wie es vielleicht auch schon Sara del Rays Entrance Theme (Europe – Final Countdown) sagt, dürfte dies wohl das finale Aufeinandertreffen der beiden sein und in diesem schenken sie sich nichts. Es ist in sehr langes, fast 25 Minuten dauerndes, sehr spannendes und sehr geniales Match, wo beide bis an ihre Grenzen gehen und eine unglaubliche Performance hinlegen. Die ganzen WWE Pseudowrestlerinnen sollten sich das mal ansehen und viel lernen. Hier wird einfach gezeigt, man kann es schon gar nicht mehr in Worte fassen, trotz der langen Laufzeit gehen die beiden ein unglaubliches Tempo und bringen nur recht wenige Restholds, stattdessen folgen Moves und harte Schläge in schneller Geschwindigkeit. Es ist definitiv das beste Match das man jemals bei SHIMMER gesehen hat. Am Ende gewann Mercedes Martinez durch mehrere Saito Suplexes. Es war auch die erste Niederlage von Sara Del Ray in dieser Liga. 10/10
SHIMMER ist definitiv eine der stärksten Ligen in den USA derzeit und vielleicht auch die beste Frauenwrestlingliga aktuell. Volume 8 untermauert das sehr eindrucksvoll, hier gibt es nur einen echten Ausfall, alle andere Matches sind zumindest solide bis absolut genial, vor allem der Doppel-Main Event überzeugt absolut. Geeignet für alle echten Wrestlingfans und auch als Überzeugungsmittel für (Frauen)Wrestlinghasser.
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